
Kult-Bäckerei in Palmas Altstadt sucht Nachfolger: Zwischen Selfies und 5.500‑Euro‑Miete
Die rosafarbene Konditorei „Anita Cakes“ im Dreieck zwischen Plaça Major und Plaça Cort steht zum Verkauf. 70.000 Euro Ablöse, 5.500 Euro Kaltmiete — kann ein Instagram-Magnet das halten?
Kult-Bäckerei in Palmas Altstadt sucht Nachfolger: Zwischen Selfies und 5.500‑Euro‑Miete
Kult-Bäckerei in Palmas Altstadt sucht Nachfolger: Zwischen Selfies und 5.500‑Euro‑Miete
Wie viel ist ein Fotomotiv wert, wenn die Miete jeden Monat 5.500 Euro frisst?
Wer morgens die Gassen um die Plaça Major entlangläuft, kennt das Bild: die rosa Fassade, Kunstblumen im Fenster und Touristengruppen, die kurz stehen bleiben, klicken und weiterziehen. Die Konditorei „Anita Cakes“ steht jetzt zur Übernahme an — Lizenz und Innenausstattung sollen für 70.000 Euro den Besitzer wechseln, die Miete liegt bei 5.500 Euro im Monat. Auf 170 Quadratmetern verteilt auf zwei Etagen plus Lager wird auf einer großen Verkaufstheke Gebäck wie Muffins, Cupcakes und Kuchen angeboten.
Leitfrage: Rechnet sich ein Laden, der stark von Fotopausen profitiert, für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, wenn die Fixkosten so hoch sind?
Ein kurzer Reality‑Check: 5.500 Euro Miete allein macht nach spanischem Steuer- und Sozialabgabenmodell sowie Personalaufwand erhebliche Umsätze nötig, um Gewinn zu erzielen. Die Betreiberin Ana Sánchez hat das Geschäft vor etwa elf Jahren aufgebaut und betreibt neben dem Altstadtladen Foodtrucks, unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt im Pueblo Español, und einen Standort im Einkaufszentrum Fan nahe dem Flughafen. Rund 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind laut Angaben beschäftigt. Diese Diversifikation ist ein Sicherheitsnetz — ohne sie wird die Rechnung enger.
Was in der öffentlichen Debatte oft fehlt: Die Zahl der Passanten, die ein Foto machen, ist nicht gleichbedeutend mit Käufen. Selfies generieren Sichtbarkeit, aber Sichtbarkeit ist kein Garant für wiederkehrende Kundschaft oder hohe Warenkörbe. Außerdem sind Mieten in Premiumlagen volatil; Wenn die Margherita auszieht: Kultpizzeria in Palmas Lonja vor dem Aus Nachverhandlungen mit Vermietern sind möglich, aber keine Selbstverständlichkeit. Für einen Käufer heißt das: kurzfristig investieren, mittelfristig die Ertragsströme diversifizieren.
Alltagsbild in Palma: Es ist früher Nachmittag, ein leichter Wind trägt das Klirren von Espressohäfen durch die Carrer. Ein Pärchen vor der Bäckerei tauscht Adressen, die Verkäuferin räumt rosa Papierservietten ein, ein Lieferwagen parkt kurz am Rand. Die Atmosphäre verkauft sich — und wird doch oft zum Alibi, wenn Zahlen nicht passen.
Kritische Punkte, die selten laut besprochen werden: Vertragslaufzeiten und Staffelungen der Miete, Nebenkosten und verursachter Verschleiß durch Touristendurchlauf, klare Regelungen zur Übernahme von Personalverträgen sowie die Abhängigkeit von Saisonalität. Ebenfalls kaum thematisiert: die sogenannte ikonische Fassade. Solche Außenauftritte ziehen Besucher an, schützen aber nicht vor finanziellen Engpässen.
Konkrete Lösungen für potenzielle Nachfolgerinnen und die Stadtverwaltung:
Für Käuferinnen und Käufer: 1) Sorgfältige Due‑Diligence: Umsatzzahlen der vergangenen Jahre, Mietvertrag prüfen, Personalkosten kalkulieren. 2) Diversifikation: B2B‑Belieferung von Hotels oder Cafés, Catering für kleine Events, regelmäßige Back‑Workshops. 3) Flexiblere Öffnungszeiten und gezielte Off‑Peak‑Angebote, um lokale Stammkundschaft zu gewinnen. 4) Kooperative Formen prüfen: Genossenschaftliche Übernahme durch Mitarbeiterinnen oder Stammkundschaft kann die Belastung verteilen.
Für Vermieter: 1) Staffelungen oder befristete Einstiegspreise, wenn ein Laden kulturell zur Nachbarschaft beiträgt. 2) Vertragliche Vereinbarungen zur Werterhaltung der Fassade, damit das Fotomotiv bleibt und Tourismus nicht die Substanz angreift.
Für Politik und Stadt: 1) Transparente Förderinstrumente für Gewerbe in historischen Quartieren, nicht nur für Neubetreibungen, sondern auch für Übergabemodelle. 2) Beratungskampagnen zu nachhaltigen Geschäftsmodellen im Tourismusbetrieb — Workshops, punktuelle Steueranreize oder Mikrokredite statt reinem Marketinggeschrei.
Konkrete Beispiele in Palma zeigen, dass es anders geht: Ende einer Ära in Palmas Gassen: Mercería Àngela schließt nach 340 Jahren. Läden, die saisonunabhängige Produkte oder Serviceleistungen entwickelt haben, überleben eher. Und wer das Foto‑Publikum in zahlende Kundschaft umwandelt — durch kleine Extras, Samstagskurse oder exklusive Mitnahme‑Pakete — hat bessere Chancen, die Miete zu stemmen.
Fazit: „Anita Cakes“ ist mehr als eine nette Kulisse — es ist ein Geschäftsmodell, das Pflege, Zahlenverstand und Anpassung braucht. Für Nachfolgerinnen bedeutet das nicht nur die Übernahme einer rosafarbenen Fassade, sondern die Verantwortung, ein Unternehmen so aufzustellen, dass Selfies langfristig Einkommen schaffen. Wenn die Stadt helfen will, dann mit klaren, praktischen Maßnahmen und nicht mit wohlklingenden Schlagworten. Und für die Fußgänger in der Altstadt gilt: Wer ein Foto macht, kann auch kurz reingehen und einen Kaffee kaufen — das macht den Unterschied.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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