
Unter der Ma-20: Vision mit Haken — Wie realistisch ist Palmas grüner Ring?
Unter der Ma-20: Vision mit Haken — Wie realistisch ist Palmas grüner Ring?
Die PSOE schlägt vor, die Ma-20 weitgehend zu vergraben und an ihrer Stelle einen Grüngürtel zu schaffen. Eine schöne Idee — doch welche technischen, finanziellen und sozialen Fragen bleiben offen?
Unter der Ma-20: Vision mit Haken — Wie realistisch ist Palmas grüner Ring?
Leitfrage: Kann durch Untertunnelung der Vía de Cintura wirklich Platz für ein durchgehendes Stadtgrün entstehen, ohne Palma verkehrlich und finanziell zu überfordern?
Am Morgen, wenn die Linienbusse im Viertel Son Gotleu hupend an der Haltestelle halten und auf der anderen Straßenseite die ersten Bäcker ihre Türen öffnen, ist die Ma-20 mehr als Beton und Asphalt: Sie ist Hintergrundgeräusch, Weg, Baustelle und Trennlinie zugleich. Dass die sozialdemokratische Fraktion nun vorschlägt, die Ringautobahn größtenteils unter die Erde zu legen und oben einen durchgehenden Grüngürtel anzulegen, passt in dieses Bild — es ist eine große, fast romantische Idee. Aber reicht Romantik, wenn es um Tunnel, Lärmverlagerung und Haushaltspläne geht?
Technisch steht die Forderung auf mehreren Säulen — einige sind stabil, andere wacklig. Tunnelbau ist heute möglich, auch in dicht bebauten Gebieten. Aber dort, wo bereits Versorgungsleitungen, Siedlungsgebiete und empfindliche Böden dicht aufeinandertreffen, werden Kosten und Komplexität schnell sehr hoch. Es geht nicht nur um Rohre und Beton: Entlüftung, Notausgänge, Entwässerung bei Regen und die ständige Instandhaltung von Belüftungs- und Brandschutzsystemen sind laufende Kostenfaktoren, die bei einer politischen Debatte oft zu kurz kommen.
Finanziell bleibt die größte Unbekannte. Die PSOE fordert eine Machbarkeitsstudie und spricht von EU-Fördermitteln als Option — das ist der richtige erste Schritt. Aber eine Untersuchung darf nicht bei einer groben Kosten-Schätzung stehen bleiben. Muss Palma Milliarden einplanen, sucht man private Partner oder nimmt der Staat die Rechnung? Jede Lösung hat Nebenwirkungen: Private Investoren erwarten Rendite; diese wieder auszugleichen, ohne öffentlichen Raum zu opfern, ist knifflig. Und: Wer zahlt für die Jahrezehnte lange Unterhaltung dieser Infrastruktur?
In der öffentlichen Diskussion fehlt derzeit eine nüchterne Betrachtung des Verkehrsverhaltens. Die Ma-20 ist nicht nur eine physische Barriere, sie erfüllt eine funktionale Aufgabe: schnelle Umfahrung, Lkw-Verbindungen zum Hafen und Flughafen, Pendlerströme. Einen Tunnel zu bauen und zugleich den Autoverkehr unangetastet zu lassen, bedeutet: dieselbe Verkehrslast, nur unterirdisch. Das reduziert zwar Lärm und Abgase an der Oberfläche, ändert aber nichts an Stauanfälligkeit und Flächenbedarf. Wer wirklich Brüche im Stadtgefüge kitten will, muss zugleich Alternativen anbieten: bessere ÖPNV-Anbindungen, Busspuren, Park-and-Ride-Strategien und gezielte Verkehrssteuerung.
Was im öffentlichen Diskurs bisher fast gar nicht vorkommt: die soziale Komponente der Bauphase. Großbaustellen bringen Erschütterungen, Staub und veränderte Routen für den Lieferverkehr. Die Bewohner der anliegenden Viertel — La Soledat, Rafal Vell, Son Malferit — sind oft die ersten, die solche Belastungen spüren. Ohne klare Entschädigungs-, Lärmschutz- und Unterstützungsprogramme droht aus einem sozialen Heilstift schnell eine lokale Belastung. Ebenso fehlt ein Plan, wie die frei werdenden Flächen oberirdisch dauerhaft öffentlich bleiben. Vergleichbare Projekte in anderen Städten zeigen: Ohne verbindliche Regeln werden Flächen schnell privatisiert.
Konkrete Lösungsansätze, die eine ernsthafte Debatte voranbringen könnten, liegen auf dem Tisch und wären rasch zu prüfen: 1) Eine stufenweise Machbarkeitsstudie mit getrennten Kapiteln für Verkehr, Geologie, Kosten und soziale Folgen; 2) Pilotabschnitte — statt eines alles entscheidenden Großprojekts — um Bauweisen, Belüftung und Betriebsaufwand realistisch zu testen; 3) Eine verbindliche Zusage über Oberflächennutzung, die soziale Wohnanteile, Gemeinschaftsflächen und langfristige Pflege der Grünflächen garantiert; 4) Ein Finanzierungsmix aus EU-Programmen für städtische Erneuerung, nationalen Infrastrukturmitteln und streng regulierten PPP-Verträgen, die Renditeobergrenzen und Rückkaufoptionen festlegen; 5) Parallelprogramme zur Stärkung des Öffentlichen Verkehrs, damit weniger Autofahrten nötig werden.
Ein Alltagsszenario, das oft fehlt: Stell dir die Carrer Aragón an einem Dienstag vor — Radfahrer auf neuen breiten Wegen, Kinder auf dem Weg zur Schule, ältere Leute auf Bänken im Schatten einer neu gepflanzten Platanenallee. Gleichzeitig wird an einer anderen Stelle gebohrt; Lkw liefern Material, Beschäftigte aus der Nachbarschaft arbeiten in Bereichen der Begrünung und Pflege. Diese Mischung aus Nutzen und Belastung ist möglich, aber nur, wenn Planung, Kommunikation und soziale Kompensation Hand in Hand gehen.
Fazit, kurz und ohne Wohlwollen: Die Idee, die Ma-20 zu entschärfen und als grünen Ring zurückzugeben, ist politisch clever und stadtplanerisch reizvoll. Sie darf aber nicht zur reinen Schlagzeile werden. Wer Visionen hat, braucht jetzt eine nüchterne Kosten-Nutzen-Prüfung, echte Alternativen zum Autoverkehr und verbindliche Regeln für den künftigen öffentlichen Raum. Sonst verwandelt sich ein Hoffnungsprojekt in eine teure Baustelle, die am Ende die etablierten Trennlinien nur kosmetisch übermalt. Palmas Luft besser, mehr Bäume und durchlässigere Nachbarschaften — das ist möglich. Aber realistischer Planvorbereitung, klare Finanzierungswege und Schutzmechanismen für die Menschen, die neben der Ma-20 leben, sind die Bedingungen dafür.
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