Nachtzüge 2027: SFM will Mallorca rund um die Uhr verbinden — Chancen und Probleme

Nachtzüge auf Mallorca: Gute Idee — aber geht das bis 2027?

Die SFM plant ab 2027 Nachtverbindungen auf allen Linien. Eine willkommene Nachricht für Nachtarbeiter und Partygänger — doch Personal, Züge, Wartung und Anwohnerfragen bleiben knifflig.

Nachtzüge auf Mallorca: Gute Idee — aber geht das bis 2027?

Wer spät in Palma noch an der Plaça de España steht, das Rauschen der Avenida Gabriel Roca hört und den letzten Taxi-Ruf verpasst hat, kennt die Routine: Die Bahnen sind weg, das Taxi teuer. Die SFM hat angekündigt, ab Anfang 2027 deutlich spätere Verbindungen — an Werktagen später, am Wochenende und vor Feiertagen durchgehend — einzuführen. Klingt verlockend. Doch die Frage bleibt: Wie realistisch ist das, und wer zahlt am Ende die Rechnung? Nachtzüge auf Mallorca: Gute Idee — aber geht das bis 2027?

Die Kernfrage: Mehr Service oder nur ein Versprechen?

Auf dem Papier ist die Rechnung simpel: Nachtbetrieb bringt sichere, günstigere Fahrten für Nachtschichtler, Hostel-Gäste und Heimkehrer nach Clubs in La Lonja. In den Kneipen rund um den Passeig de Born hofft man auf weniger Taxifahrten und mehr Sicherheit für Beschäftigte, die spät nach Hause müssen. Aber SFM selbst nennt zwei unverzichtbare Voraussetzungen — mehr Personal und zusätzliches rollendes Material. Das sind keine kleinen Haken: Fahrer, Zugbegleiter, Techniker müssen angeworben, ausgebildet und tariflich untergebracht werden. Woher sollen die Züge kommen, wenn viele bereits im morgendlichen Pendelverkehr gebraucht werden?

Die versteckten Kosten und technischen Stolpersteine

Nachtbetrieb verändert das ganze Betriebskonzept. Wartungsfenster, die bislang nachts lagen, müssten neu terminiert werden. Das heißt: Mehr Werkstattkapazität, eventuell Nachtmaschinenpersonal und längere Laufzeiten für vorhandene Fahrzeuge. Kleinere Haltepunkte wie in Llucmajor oder Petra brauchen zusätzliche Sicherheitsbeleuchtung und vielleicht Videoüberwachung — das treibt die Investitionskosten hoch. Und dann sind da noch die Verhandlungen mit den Gewerkschaften: Nachtarbeit bedeutet Zuschläge, andere Dienstpläne und nicht zuletzt Personalrotation.

Wer wird profitieren — und wer protestiert?

Gewonnen hätten zunächst diejenigen, die spät arbeiten: Hotelangestellte, Barkeeper, Reinigungskräfte, Schichtpersonal am Flughafen. Touristen mit späten Ankünften könnten das Mietwagendarlehen sparen. Auf der anderen Seite stehen Anwohner in kleinen Orten, die nachts Ruhe erwarten. Wenn um 2 Uhr morgens ein Zug durch die Dorfmitte rollt, hören die Ohren kaum zwischen Vorteil und Belästigung zu unterscheiden. Hier braucht es klare Regeln: Lärmschutz, reduzierte Durchfahrtsgeschwindigkeiten an sensiblen Punkten und Transparenz bei Testläufen. Nachtzüge auf Mallorca: Chance oder teures Versprechen für 2027?

Lösungsansätze statt Wunschliste

Die Ankündigung hat Potenzial — wenn sie begleitet wird von konkreten Maßnahmen. Ein realistischer Stufenplan könnte so aussehen: Priorisierung der Strecken mit hohem Nachfragepotenzial (Palma–Sóller, Palma–Manacor), temporäre Umlagerung von Zügen in der Wintersaison, gezielte Einstellungsoffensive mit Schichtmodellen und finanziellen Anreizen. Wichtig ist eine enge Abstimmung mit Busunternehmen für die letzte Meile: Nicht überall hält der Zug direkt vor der Haustür.

Finanzierung bleibt der Knackpunkt. Stadt, Inselregierung und der Staat müssen klären, wer die Mehrkosten übernimmt — oder ob ein teilweises Ticketaufschlagmodell zum Tragen kommt. Sinnvoll wäre auch ein Test mit subventionierten Nachtfahrten in den ersten Monaten, um das Fahrgastverhalten zu messen und den Autoverkehr nachts zu reduzieren.

Fazit: Chance mit To-do-Liste

Die Vorstellung, um 1:30 Uhr noch entspannt nach Sóller oder Manacor zu rollen, hat etwas Verheißungsvolles. Mallorca verändert nachts seine Stimme: das Meer, die Straßenlaternen, das entfernte Klappern eines Zuges. Die SFM-Ankündigung kann ein echter Gewinn für die Insel sein — aber nur, wenn die Regierung, SFM, Gewerkschaften und Gemeinden die mühselige Arbeit machen, die hinter so einer Neuerung steckt. Sonst bleibt es bei einer schönen Idee, die an Details scheitert. Ich bin skeptisch optimistisch — und werde beim ersten Probefahrplan in der Nähe eines Bahnsteigs stehen, nur falls der Zug wirklich kommt.

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