
Fast 9.300 Graffitis entfernt: Palma streicht – aber trifft das Ziel?
Fast 9.300 Graffitis entfernt: Palma streicht – aber trifft das Ziel?
Emaya entfernte 2025 fast 9.300 Graffitis in Palma. Stecken Druck und Strafen hinter der Sauberkeitskampagne – und was fehlt, damit das Problem wirklich kleiner wird?
Fast 9.300 Graffitis entfernt: Palma streicht – aber trifft das Ziel?
Leitfrage: Reinigt Palma Fassaden oder verpasst die Stadt die Chance, das Problem nachhaltig zu lösen?
Im Januar, wenn der Tramuntana wind kalte Luft an die Steine der Altstadt presst, sieht man sie oft: die Emaya-Teams in grellen Westen, am frühen Morgen auf der Plaça Major oder in der Carrer de Sant Miquel. Hochdruckreiniger singen, Wasser riecht nach Salz und Seife, ein Rentner mit Zeitung bleibt stehen, schüttelt den Kopf. 2025 haben die städtischen Betriebe laut Bilanz fast 9.300 Graffitis entfernt, ein Rekordjahr. Emaya-Präsident Llorenç Bauzá de Keizer stellte die Zahl vor; seit 2022 ist die Menge der entfernten Schmierereien um rund 79 Prozent gestiegen.
Die neue Benimm-Ordnung der Stadt sieht für Graffiti-Beschmiereien Bußgelder bis zu 3.000 Euro vor. Das klingt nach klarer Linie: entfernen, bestrafen, weiter. Nur — wer spricht über die Kosten, wer über Prävention, wer über die Herkunft der Schmierereien? Wenn die Antwort nur aus Strafen besteht, ist das eine sehr enge Sicht auf ein weitverzweigtes Thema.
Kritische Analyse
Das Entfernen allein ist kein neutraler Akt. Jedes Weichwasserstrahlen, jede Farbe, die von einer historischen Fassade weggedampft wird, hinterlässt Spuren — ästhetische, aber auch materielle. Emaya tut, was eine Stadtverwaltung tun muss: sie reagiert. Doch Reaktion sammelt Zähler: jedes entfernte Tag, jede entfernte Signatur ist eine Zahl in einer Statistik. Die Zahl steigt. Das kann zwei Dinge bedeuten: mehr Leute sprühen — oder die Stadt schaut genauer hin, meldet und räumt schneller weg. Die Bilanz sagt nur das Ergebnis, nicht die Ursache.
Fines als Drohkulisse sind bequem für Politik: Man kann zeigen, dass man hart durchgreift. In der Praxis bringt ein Bußgeld aber nur dann etwas, wenn es vollstreckbar ist. Viele Schmierfinken sind Jugendliche ohne Einkommen, oder Sprayer aus dem touristischen Umland, für die eine Zahlungsaufforderung eine Luftnummer bleibt. Und: öffentlich sichtbare Strafandrohungen erzeugen nicht automatisch Respekt vor städtischem Erbe.
Was im Diskurs fehlt
In den Diskussionen rund um die Emaya-Zahlen fehlt ein paar Dinge. Erstens: der Blick auf Prävention. Wo sind legale Flächen, wo sind Jugendzentren mit Sprayworkshops? Zweitens: Transparenz über Kosten und Folgen für denkmalgeschützte Gebäude. Drittens: eine ehrliche Debatte über den Unterschied zwischen Vandalismus und urbaner Kunst. Viertens: Antworten auf die Frage, wer die Reinigung bezahlt — kommunale Kassen, Eigentümer oder Verursacher? Wenn alles an der Stadt hängen bleibt, werden die Säuberungen zur Dauerlast für den städtischen Haushalt. Wenn alles an der Stadt hängen bleibt, werden die Säuberungen zur Dauerlast für den städtischen Haushalt.
Alltagsszene
Wer morgens durch die Avinguda Jaume III fährt, sieht es am schnellsten: ein kleines Emaya-Mobile parkt, zwei Arbeiter wischen eine Bushaltestelle, der Kaffee der Bar nebenan dampft in der Kälte, eine Schülerin mit Rucksack beobachtet, wie ein Schriftzug verschwindet. Der Hundebesitzer, der die Straße entlangläuft, murmelt: "Schön, dass es weg ist, aber am Wochenende ist wieder was Neues da." Das ist der Wiederkehrer-Effekt, den die nackten Zahlen nicht zeigen.
Konkrete Lösungsansätze
Wenn Palma weniger Graffiti will, braucht es mehr als Drucker und Bußgelder. Vorschläge, die realistisch und lokal umsetzbar sind:
1) Legale Flächen ausweisen: Plätze an weniger sensiblen Stellen der Stadt freigeben, etwa unter Brücken oder auf Industrieflächen in Son Ferriol, begleitet von Regeln. Sprayer bekommen Raum, die Stadt weniger Ärger.
2) Mobile Meldesysteme und schnelle Reaktion: Eine einfache App oder WhatsApp-Nummer, über die Bürger Schmierereien schnell melden können. Schnelle Reinigung reduziert Nachahmer-Effekt.
3) Präventionsprogramme: Kooperationen mit Schulen, Kulturvereinen und lokalen Galerien für Workshops, die Techniken und Verantwortung vermitteln. Aus Sprayern werden manchmal Mittler für legale Projekte.
4) Restaurative Praktiken: Bei Minderjährigen kombinieren: Reinigungspflicht plus Teilnahme an einem Workshop oder sozialem Projekt statt nur Zahlung einer Geldstrafe.
5) Eigentümerbeteiligung und Fördermodelle: Innovationsfonds für die Restaurierung denkmalgeschützter Fassaden; Eigentümer werden unterstützt, statt allein gelassen.
Fazit
Palma hat 2025 viel weggestrichen — sichtbar, messbar, einfach zu kommunizieren. Die Bilanz beeindruckt, ist aber kein Ersatz für eine Strategie. Wer nur entfernt und bestraft, wird den Kreislauf verlängern. Besser wäre ein Mix aus schnellen Säuberungen, legalen Alternativen, Bildungsarbeit und fairen Regeln für Eigentümer und Verursacher. Nur so lässt sich die Zahl der entfernten Graffitis dauerhaft senken — und die Stadt behält ihre Patina, ohne im Dauerkampf gegen Sprühdosen zu stecken.
Ein Gedanke zum Schluss: Wer die Stadt liebt, putzt nicht nur weg. Er sorgt dafür, dass weniger zu putzen bleibt.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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