
U‑Bahn bis Son Espases: Tunnel oder Abzweig? Palmesas knifflige Verkehrsentscheidung
Die Regierung will die Metro bis Son Espases verlängern. Doch reicht Geld allein? Tunnel unter dem Eixample oder ein pragmatischer Abzweig bei Son Castelló — Palma braucht klare Zahlen, abgestufte Baupläne und mehr Transparenz für Anwohner.
U‑Bahn bis Son Espases: Ein Schritt — aber welcher?
Es knarrt und rattert manchmal schon früh am Morgen in Palmas Straßen: Lieferwagen, Busse, die Säge eines Handwerkers. Kaum etwas ist so mallorquinisch wie die Debatte über Verkehrsprojekte, die gefühlt seit Jahrzehnten in der Schublade liegen. Jetzt gibt es wieder Bewegung: Die Regierung hat angekündigt, die Metro bis zum Krankenhaus Son Espases zu verlängern. Schön — aber weil Politik selten simpel ist, bleibt die Leitfrage: Tunnel unter dem Eixample oder ein Abzweig bei Son Castelló? Was ist sinnvoller, schneller bezahlbar und sozial verträglicher?
Warum das Thema nicht nur Fachleute interessiert
Für Patientinnen, Pfleger und Ärztinnen wäre eine direkte Metroverbindung ein echter Gewinn. Son Espases liegt außerhalb des inneren Rings; morgens steht man am Plaça d'Espanya gern mal im Stau und hört nur noch Hupen, Klimaanlagen und die ferne Bremse eines Linienbusses. Eine unterirdische Verbindung könnte Wartezeiten, Parkdruck und die nervigen Patiententransporte per Taxi deutlich reduzieren. Auch Nachtschichten würden profitieren: Wer nachts dienst hat, findet derzeit oft nur spärliche Busverbindungen.
Die Varianten: Kurz, knapp und mit großen Unterschieden
Im Kern stehen zwei Optionen: Variante A wäre ein neuer Tunnel vom Eixample direkt zum Klinikum — elegant, aber technisch aufwendig, mit Durchquerung dicht bebauter Bereiche. Variante B ist ein Abzweig von der bestehenden M1 im Bereich Son Castelló, der relativ geradlinig nach Son Espases führen könnte. Beide Lösungen sind machbar, aber die Kosten- und Zeitachsen unterscheiden sich deutlich.
Das Geld ist der Knackpunkt. Der Ausbau der M1 bis Parc Bit schlug zuletzt mit knapp 29 Millionen Euro zu Buche, fast komplett durch EU‑Förderung gedeckt; dazu kamen neun Millionen vom Insellastenausgleich. Für Son Espases sind ähnliche oder deutlich höhere Beträge realistisch — vor allem, wenn ein neuer Tunnel unter dem Eixample nötig wird. Die zentrale politische Entscheidung lautet daher: Groß investieren und langfristig verbinden — oder pragmatisch, kostengünstig und schnell arbeiten?
Was in der Debatte oft zu kurz kommt
Die öffentliche Diskussion vernachlässigt mehrere wichtige Fragen: Wie viele Fahrgäste pendeln tatsächlich täglich zum Klinikum? Wie lassen sich Notfallzufahrten während der Bauphase sichern, ohne lebenswichtige Rettungswege zu blockieren? Welche Auswirkungen hat das Projekt auf den Parkraum in den angrenzenden Vierteln? Und wer übernimmt künftig die Folgekosten für Betrieb und Wartung — die Stadt, der Inselhaushalt oder wieder EU‑Förderprogramme? Das sind keine glamourösen Themen, aber sie entscheiden über den langfristigen Erfolg.
Chancen und Risiken nüchtern betrachtet
Die Chancen sind handfest: Mehr Attraktivität des ÖPNV, weniger CO2, weniger Stau vor dem Krankenhaus, Entlastung des Parc Bit‑Areals und bessere Anbindung an geplante Strecken wie die Linie nach Llucmajor. Risiken sind ebenso real: Lange Bauzeiten, Baustellenlärm, Staub und Einschränkungen für lokale Gewerbe. Bewohner entlang möglicher Trassen fürchten verlorene Parkplätze und tägliche Umwege während der Bauphase — nicht gerade die beste Werbung für eine Stadtverwaltung, die mit Touristenströmen und Alltagsproblemen jongliert.
Pragmatische Schritte: Wie Palma vorgehen könnte
Meine Vorschläge sind lokal, nüchtern und umsetzbar: Erstens eine belastbare Machbarkeitsstudie, die Fahrzeugkosten, erwartete Fahrgastzahlen, Notfallkonzepte und Folgekosten klar beziffert. Zweitens ein gestufter Bau: Zunächst ein Abzweig bei Son Castelló testen — deutlich günstiger und schneller realisierbar — und erst in einem zweiten Schritt über einen zusätzlichen Tunnel entscheiden, falls die Nachfrage das rechtfertigt.
Drittens parallel in bessere Busspuren, Taktverdichtung und eine echte Express‑Buslinie investieren; manchmal schafft ein Bus schon schnelle Abhilfe, bevor die Bagger anrücken. Viertens: Transparenz und Lärmschutz. Anwohner brauchen verbindliche Zeitfenster für Baumaßnahmen, permanente Lärmmessungen und einen zentralen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung. Fünftens: Park‑and‑Ride an Son Castelló stärken, damit die Innenstadt nicht weiter durch Klinikbesucher belastet wird.
Wie passt das in das bestehende Netz?
Palma hat bereits S‑Bahn‑Verbindungen nach Manacor, Sa Pobla und Inca sowie die Linien M1 und die saisonale M2. Eine Anbindung von Son Espases ist kein Inselspektakel, sondern Teil eines wachsenden Netzes — inklusive geplanter Strecken zum Flughafen und nach Llucmajor. Entscheidend ist, dass Fahrpläne, Umsteigezeiten und Ticketintegration von Anfang an mitgedacht werden; eine gut vernetzte Fahrt vom Plaça d'Espanya bis zum OP‑Saal ist das Ziel, nicht ein isoliertes Gleis.
Der Zeitplan: Hoffnung trifft Realität
Offiziell sollen die technischen Arbeiten "in den nächsten Monaten" starten. Das klingt gut, ist aber meist der Beginn eines langen Prozesses: Studien, Ausschreibungen, Genehmigungen, Proteste — und eventuell Gerichtsverfahren. Realistisch sind Jahre, bis sichtbare Bauarbeiten und spürbare Verbesserungen eintreten. Wer kurzfristig Erleichterung will, sollte deshalb auch kurzfristige Buslösungen und kommunale Maßnahmen fordern.
Kurz gesagt: Ein U‑Bahn‑Anschluss an Son Espases bringt viele Vorteile — aber nur mit klaren Zahlen, einem gestuften Bauplan und ernsthaftem Lärmschutz für die Anwohnerinnen und Anwohner. Palma muss jetzt nicht nur träumen, sondern rechnen, verhandeln und offen kommunizieren.
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