
Palmas neuer Club de Mar: Luxus, Lärm und die große Frage nach dem Nutzen für die Nachbarschaft
Der neue Club de Mar steht kurz vor der Eröffnung: vier Gebäude, Dachpools und Platz für 170‑Meter‑Yachten. Doch wem nützt das Projekt wirklich — den Einheimischen, den Mega‑Yachten oder den Investoren?
Wem gehört der neue Club de Mar? Eine Baustellenbegehung und die offene Frage
Man riecht die Arbeit: Lack, Bausand in den Schuhsohlen und die salzige Brise vom Hafen. Kurz nach 13 Uhr, zur vermeintlichen Mittagsruhe, ist auf dem neuen Club‑de‑Mar‑Gelände noch reges Treiben. Arbeiter schieben Poliermaschinen, Projektleiter führen Besucher über Brücken und Dachterrassen. Nach viereinhalb Jahren Bauzeit steht das komplexe Ensemble kurz vor der Eröffnung – und mit ihm eine zentrale Frage, die bisher in öffentlichen Reden kaum prominent war: Für wen wurde dieses Projekt eigentlich gebaut?
Vier Körper, ein Gesamtbild — und viele Entscheidungen
Das Areal gliedert sich in Tramuntana als Hauptbau, Llevant und Ponent, verbunden durch Brücken, sowie Migjorn mit Parkhaus und Nightlife‑Bereich. Die vertikale und horizontale Gliederung macht das Gebäude interessanter als eine reine Yachtbox: helle Räume, Lavastein, Lederbänke, Retro‑Anklänge an alte Luxusschiffe. Das Team hat offenbar Wert darauf gelegt, dass auch Spaziergänger etwas davon haben — die Brücke zum Paseo Marítimo wurde entfernt, der Blick auf die Stadt geöffnet. Das ist ein Schritt in Richtung Durchlässigkeit. Aber reicht das, um den Club nicht zu einer Privatinsel für Superyachten zu machen?
Wirtschaftliche Zahlen, die nachdenken lassen
Ursprünglich waren rund 60 Millionen Euro veranschlagt, am Ende sollen es etwa 83 Millionen geworden sein. Pandemie, Rohstoffpreise, ein Wechsel von Baufirmen — die üblichen Erklärungen. Sichtbar sind die Investitionen: Liegeplätze für Yachten bis zu rund 170 Metern Länge, exklusive Clubbereiche, Poolterrassen, ein Raum für Großveranstaltungen. Solche Zahlen sprechen Investoren und High‑Net‑Worth‑Besitzer an, sie bedeuten aber nicht automatisch Vorteile für die breite Stadtgesellschaft. Wird der wirtschaftliche Nutzen in Form von lokalen Arbeitsplätzen, Gewerbesteuer oder Zulieferverträgen die Kosten rechtfertigen? Das bleibt offen. Diese Fragen wurden beispielsweise in dem Artikel Wem gehört Palma? diskutiert.
Die Gastronomie als Puzzle: Wer zahlt die Zeche?
Von acht Ladenflächen sind etwa 85 Prozent vergeben, eine Eisdiele steht fest, ein Supermarkt für Yachtbesatzungen ist geplant, ein gehobenes Restaurant, Poolgastronomie, ein Nachtclub für Dezember. Viele Puzzleteile fehlen noch: Welche Küchenchefs kommen? Wie werden Preise aussehen? Wird die Poolbar an Mitgliedschaften oder an Tagesgäste gebunden sein? Für Einheimische sind solche Details entscheidend: Wenn die Gastronomie ausschließlich auf Luxusklientel ausgelegt ist, bleibt die Anlage optisch offen, sozial jedoch verschlossen. Dies wirft auch Fragen auf, ähnlich wie die in Palmas neuem Uferboulevard.
Die kaum besprochenen Themen: Lärm, Verkehr und Umweltauswirkung
Die Debatte drehte sich bisher um Image und Anlegerkapazität. Leiser geblieben sind Fragen nach nächtlichem Lärm (insbesondere durch DJ‑Sets und Nachtbetrieb), zusätzlichem Verkehr Richtung Porto Pi und dem Energiebedarf der Anlage — von der Klimatisierung bis zu den Megayachten. Auf dem Rundgang hörte man das entfernte Hupen der Fähre, das Klappern der Handwerker und ab und zu das Werfen einer Zigarette in einem Baucontainer. Solche Geräuschkulisse ist harmlos während der Bauzeit; ob sie in der Saison gegen rooftop‑Parties und DJ‑Sets bestehen wird, ist eine andere Frage. Ähnliche Entwicklungen sind auch in Camp d’en Serralta zu beobachten.
Chancen erkennen — und Bedingungen stellen
Das Projekt bietet echte Chancen: Wenn es gelingt, Durchlässigkeit zu schaffen, lokale Anbieter zu integrieren und Teile des Angebots bezahlbar zu halten, kann der Club de Mar städtisches Leben bereichern. Vorschläge, die aus der Praxis sinnvoll erscheinen:
1. Lärm‑ und Öffnungszeitenregeln: Feste Sperrzeiten für den Nachtclub, Dezibelgrenzen auf Dachterrassen, klare Haftungsregelungen für Veranstalter.
2. Soziale Durchlässigkeit: Mindestens ein Laden oder ein Event pro Saison mit vergünstigtem Angebot für Einheimische; lokale Gastronomie‑Konzepte bevorzugen.
3. Ökologie und Energie: Verpflichtende Öko‑Zertifikate für Betreiber, E-Ladepunkte für Boote, Speicherung von Regenwasser und klare Abwassermanagement‑Standards.
4. Transparenz bei Wirtschaftszahlen: Eine öffentliche Bilanz, wie viele Arbeitsplätze dauerhaft geschaffen werden und wie viel lokal gekauft wird.
Ein Blick nach vorn — realistisch und lokal
Bis zur Saisoneröffnung stehen noch Tests, Möbel‑Lieferungen und Genehmigungsverfahren an. Die Lage zwischen Kreuzfahrtterminal, Porto Pi und Paseo Marítimo macht den Club unvermeidlich sichtbar — er wird das Stadtbild bereichern, aber ob er die Nachbarschaft stärkt oder eher exklusiviert, hängt von den nächsten Monaten ab. Die Stadtverwaltung hat die Chance, jetzt Regeln zu setzen, bevor sich Praktiken einspielen. Und für die einheimischen Restaurants, Fischer und Ladenbetreiber: Wenn sie nicht nur Zuschauer bleiben wollen, sollten sie jetzt laut mitsprechen.
Auf dem Paseo Marítimo riecht es nach Meer, Lack und frisch verlegtem Holz. Ein stummer Appell, dass Luxus neben Öffentlichkeit und Nachhaltigkeit bestehen kann — wenn man es will.
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