
Baustelle unter La Seu: Wird die Ökosteuer am Parc de la Mar richtig investiert?
Der Parc de la Mar wird für rund 9,4 Millionen Euro saniert, etwa sechs Millionen stammen aus der Ökosteuer. Eine gute Investition für Klima, Alltag und Anwohner — oder vor allem eine hübsche Fassade für Touristen?
Zwischen Glockenläuten und Meeresduft: Die Baustelle kommt
Der Parc de la Mar, dieses schmale grüne Band zwischen der Kathedrale La Seu und dem Meer, steht vor einer langen Verwandlung. Die Stadt hat die zweite Sanierungsphase beschlossen: Start im zweiten Halbjahr 2026, Dauer etwa 20 Monate. Auf knapp 24.000 Quadratmetern sollen Wege, Sitzstufen, Bänke, Brunnen und Geländer erneuert, die Abdichtung über dem Parkhaus ersetzt und die Versorgungsleitungen komplett ausgetauscht werden. Für viele Morgenläufer, Hundebesitzer und Fotografinnen heißt das: 20 Monate mit Baugeräuschen statt Meeresrauschen. Weitere Informationen zur Sanierung sind in unserem Artikel Parc de la Mar: Sanierung ab 2026 zu finden.
Die zentrale Frage: Wofür fließt die Ökosteuer?
Die Rechnung: rund 9,4 Millionen Euro. Etwa sechs Millionen davon kommen aus der Tourismussteuer – der sogenannten Ökosteuer. Das ist viel Geld aus den Taschen der Gäste, die in der Hoffnung auf nachhaltige Projekte zahlen. Da darf die Frage erlaubt sein: Entsteht daraus ein echter Nutzen für die Einheimischen, die täglich unter dem Läuten der Glocken joggen und nach Schatten der Platanen suchen — oder wird das vor allem ein stadtbildwirksames Projekt für Postkartenbilder? Einblick in die Ökosteuer-Debatte bietet unser Artikel Warum die Ökosteuer-Debatte auf Mallorca wieder hochkocht.
Mehr als nur hübsche Steine: Technik, Klima und Zugänglichkeit
Die Verwaltung betont zu Recht: Es geht nicht nur um Optik. Die Abdichtung über dem Parkhaus ist überfällig, Entwässerungssysteme müssen effizienter werden, Leitungen und Beleuchtung sollen modernisiert und Zugänge barrierefrei gestaltet werden. Wer morgens an der Carrer de Antoni Maura entlangläuft, kennt die Pfützen nach starken Schauern und die heißen, verdorrten Inselbeete im Spätsommer. Die Ankündigung, bei Neupflanzungen auf heimische, mediterrane Arten zu setzen, klingt nach vernünftigem Klimaplan — vorausgesetzt, Umsetzung und Pflege passen.
Die offenen Fragen: Kontrolle statt Vertrauen
Die Pläne nennen den Schutz des Baumbestands und die Restaurierung denkmalgeschützter Skulpturen. Doch fehlend sind präzise Antworten: Wer überwacht den Wurzelbereich, wenn schwere Geräte nah an den Platanen arbeiten? Welche Substrate werden verwendet, damit junge Bäume nicht nach zwei Jahren vertrocknen? Solche technischen Kleinigkeiten entscheiden, ob das Projekt den Park stärkt oder langfristig schwächt. Transparente Gutachten und regelmäßig veröffentlichte Kontrollen würden hier Vertrauen schaffen.
Teilöffnung statt Komplettschließung: Ein Kompromiss mit Grenzen
Die Stadt plant eine gestaffelte Bauweise, damit Abschnitte offen bleiben. Praktisch — und doch: 20 Monate sind lang. Händler an der Promenade, Veranstalter kleiner Konzerte und Fotografen werden sich organisatorisch umstellen müssen. Besonders heikel: Wann fallen die lautesten Arbeiten in die Hochsaison? Niemand möchte den Trommelwirbel schwerer Maschinen unterm Glockengeläut, aber genau das droht, wenn Zeitpläne nicht auf Nutzerinnen und Nutzer abgestimmt werden. Die Auswirkungen der Baustelle auf die Stadt sind in unserem Artikel Parc de la Mar: 20 Monate Baustelle – Fluch oder Chance für Palma? diskutiert.
Konkrete Chancen: Wie die Ökosteuer echten Mehrwert bringen kann
Wenn schon Millionen aus der Ökosteuer fließen, sollte das Stadtbild nicht das einzige Ergebnis sein. Vorschläge, die den Parc de la Mar nachhaltig verbessern könnten:
1. Bauzeiten intelligent planen: Lautes Hämmern außerhalb der Hauptsaison oder auf stark limitierte Zeitfenster legen — die Morgendämmerung verdient ihren Frieden.
2. Externe Baumbegleitung: Ein unabhängiger Baumschutzbeauftragter, öffentlich einsehbare Gutachten und regelmäßige Kontrollen sichern die alten Platane.
3. Bürgerbeteiligung: Ein Begleitkreis aus Anwohnern, Sportgruppen und Kulturschaffenden kann Bauabschnitte und Zugänge mitgestalten — Akzeptanz entsteht so vor Ort.
4. Temporäre Alternativen: Mobile Bänke, Schattensegel und zusätzliche Trinkbrunnen auf Ausweichstrecken mildern den Verlust an Aufenthaltsqualität.
Was Anwohner jetzt tun sollten
Wer hier frühstückt, joggt oder Fotos vor der Kathedrale macht, sollte in den kommenden Jahren flexibler planen. Frühere Morgenrunden, Alternativrouten oder die Abstimmung von Fototerminen sind praktische Antworten. Veranstalter kleiner Events sollten Termine rechtzeitig mit der Stadt abstimmen — und ruhig eine B‑Plan‑Variante parat haben.
Ein vorsichtiges Fazit
Die Sanierung des Parc de la Mar ist notwendig: Parkhaus und Infrastruktur brauchen eine Modernisierung. Entscheidend wird, ob aus der investierten Ökosteuer mehr als eine schöne Fassade entsteht — nämlich echte Klimaresilienz, verbesserte Barrierefreiheit und ein Park, der den Alltag der Mallorquinerinnen und Mallorquiner stärkt. Wenn unabhängige Kontrollen, transparente Berichte und echte Bürgerbeteiligung stattfinden, kann aus einer langen Baustelle am Ende ein Park für Jahrzehnte werden: mit Schatten, Meeresgeruch und ohne nur für Instagram zu glänzen. Und das wäre dann wirklich ein Nutzen, den alle hören — sogar die Glocke.
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