
Parc de la Mar: Sanierung ab 2026 – Geld, Wege und die Frage nach dem Mehrwert
Die Stadt plant ab 2026 eine umfassende Sanierung des Parc de la Mar. 9,4 Mio. Euro, davon rund 6 Mio. aus der Tourismussteuer, sollen in Leitungen, Wege und Denkmalschutz fließen. Entscheidend wird sein, ob danach genug Budget für die Pflege bleibt.
Neustart für den Parc de la Mar – aber für wen eigentlich?
An einem klaren Morgen bleibt der Blick automatisch an La Seu hängen. Das ist die Stärke des Parc de la Mar: die stille Bühne für die Kathedrale, das leise Fundament für Touristenfotos und Abendspaziergänge. Die Stadt kündigt nun die zweite Sanierungsphase an, Start: 2026. Veranschlagt sind rund 9,4 Millionen Euro, etwa 6 Millionen davon sollen aus der Tourismusabgabe kommen. Auf dem Papier liest sich das nach Fürsorge. Auf dem Pflaster bleiben Fragen.
Was geplant ist – und was nicht
Die Liste der Maßnahmen klingt solide: Austausch alter Wasser- und Stromleitungen, modernisierte Entwässerung, neue Beläge für die asphaltierten Pfade und fachgerechte Restaurierung historischer Skulpturen. Besonders hervorgehoben wird die Verbesserung der Barrierefreiheit – Rampen, klarere Wegeführungen, zusätzliche Sitzbereiche. Das sind keine reinen Blumenkränze, sondern eher praktische Handgriffe, die Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Gehhilfen oder ältere Mallorquinerinnen dankbar annehmen dürften.
Doch es fehlt der Hinweis auf die dauerhafte Nutzung: Wird wirklich an langlebigen Materialien gearbeitet oder nur an kurzfristigen Kosmetikmaßnahmen? Und wer trägt die Folgekosten, wenn das glatte Pflaster nach zwei Wintern wieder Risse zeigt? Ein weiterer Punkt: Nutzen und Nutzer sind unterschiedlich. Morgens trifft man hier ältere Frauen mit Einkaufstaschen, mittags die Schulklasse aus Palma, abends Paare, die den Sonnenuntergang über dem Meer begrüßen. Werden diese Gruppen in Planungen gehört? Oder bleibt die Parkgestaltung eine Lösung von oben, schön für die Postkarten, aber mit wenig Alltagsnutzen?
Die zentrale Frage: Wer zahlt, wer profitiert?
Es ist politisch logisch: Touristen kommen, sehen die Kulisse, und zahlen über die Tourismusabgabe mit. Doch die Rechnung ist nicht so einfach. Sanierung ist die eine Sache, regelmäßige Instandhaltung die andere. Wenn neue Wege entstehen, die aber später mangels Budget nicht gereinigt, beleuchtet oder gepflegt werden – dann hat die Stadt vielleicht für ein paar Jahre glänzende Fotos, aber keinen nachhaltigen Gewinn für die Bevölkerung.
Die Arbeiten sollen etwa 20 Monate dauern und abschnittsweise erfolgen. Vorteil: Der Parc wird nicht komplett gesperrt, Spaziergänger müssen also nicht gleich neue Routenvorschläge lernen. Nachteil: Kurzzeitige Sperrungen einzelner Wege, Sitzgruppen oder der Seezone sind wohl unvermeidbar. Lärm am Morgen, vereinzelter Staub und die gelegentliche Umleitung über den Passeig Mallorca oder Richtung Olivar werden zum Alltag gehören.
Ein Tipp aus lokalem Erfahrungsschatz: Bei Baustellenlärm bieten der Passeig und die Uferpromenade beim Portitxol oft die stilleren Alternativen. Und an regnerischen Dienstagen – wenn die Baustellen ruhen – hat man manchmal überraschend Ruhe, während die Autos in der Innenstadt hupend ihren Weg suchen. Es ist wichtig, auch auf die lokale Wertschöpfung zu achten: Werden die Restaurierungsarbeiten an den Skulpturen an qualifizierte lokale Handwerker vergeben oder weitgehend extern ausgeschrieben?
Risiken, die kaum öffentlich diskutiert werden
Auf Mallorca sind Verzögerungen fast schon statistisch: Winterstürme, Lieferengpässe, Funde bei Grabungen – all das kann Zeitpläne aufweichen. Weniger sichtbar, aber entscheidend für die Zukunftskosten, ist die Materialwahl. Billiger Asphalt spart heute, zwingt morgen zu Reparaturen. Ebenso wenig präsent ist die Frage nach der ökologischen Verträglichkeit: Werden mediterrane, trockenresistente Pflanzen gesetzt, die wenig Bewässerung brauchen, oder exotische Arten, die intensiven Pflegebedarf haben?
Auch das Thema lokale Wertschöpfung ist wichtig: Lokale Restauratoren bringen nicht nur Fachwissen, sondern sichern auch tradierte Handwerkstechniken – ein Gewinn für Inselkultur und Beschäftigung. Es müssen keine Wunder sein, eher sinnvolle Vorgaben: Erstens ein verbindlicher Finanzplan für die fünfjährige Nachpflege, damit Reinigung, Beleuchtung und Vegetationspflege nicht am Ende fehlen. Zweitens klare Vorgaben für langlebige und nachhaltige Materialien, die die Folgekosten senken. Drittens eine Informationsstelle während der Bauphase – sichtbar vor Ort oder online – die über Sperrungen, Etappen und Ausweichrouten informiert.
Kurz und lokal
Sanierung ab 2026, Kosten: rund 9,4 Mio. €, davon etwa 6 Mio. aus der Tourismussteuer, Dauer: circa 20 Monate. Positiv sind Barrierefreiheit und Denkmalschutz. Entscheidend bleibt jedoch, ob die Stadt ein dauerhaftes Pflegekonzept auflegt. Sonst droht der Parc de la Mar zum kurz glänzenden Fotospot zu werden – hübsch auf Bildern, aber mit wenig Echtem dahinter. Und das wäre schade: Denn zwischen Kirchenglocken, Möwengeschrei und dem leisen Plätschern des Sees hat dieser Park das Potenzial, dauerhaft zu atmen – wenn die Pflege mitgedacht wird.
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