Peguera 2026: Baustellen, Cafés und die Frage nach Rücksicht

Bagger, Terrassen und Baustellenlärm: Peguera zwischen Aufbruch und Geduld

Bagger, Terrassen und Baustellenlärm: Peguera zwischen Aufbruch und Geduld

Peguera erwacht: Cafés und Läden öffnen, doch Bagger und Presslufthämmer prägen den Alltag. Wie viel Baustelle verträgt der Ferienort — und wer trägt die Last?

Bagger, Terrassen und Baustellenlärm: Peguera zwischen Aufbruch und Geduld

Wie viel Baustelle verträgt ein Ferienort, bevor die Saison darunter leidet?

Am Boulevard von Peguera mischen sich zum Klang von Espressomaschinen jetzt wieder das Knattern von Dieselaggregaten und das schrille Rattern von Presslufthämmern. Auf den Terrassen sitzen erste Gäste, Tassen klappern, Kellner stellen Stühle in die Sonne. Gleichzeitig stehen Absperrungen an der Promenade, Baufahrzeuge arbeiten an der Straße — sichtbare Zeichen dafür, dass die Gemeinde in diesem Jahr kräftig in die Substanz investiert.

Die Fakten sind klar: Calvià hat für Peguera laut Gemeindemitteilung rund 3,25 Millionen Euro für Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen eingeplant. Ziel ist ein modernerer Boulevard, bessere Zugänge zu den Buchten und in Teilen eine Erneuerung der Infrastruktur. Für die Beschäftigten in den Läden und für viele Unternehmer klingt das gut — auf dem Papier. In der Realität heißt das erst einmal: Baustellen, Staub und eingeschränkte Laufwege.

Die zentrale Frage ist simpel und unbequem: Wer zahlt den Preis für die Verbesserung — die Gäste, die kurzmal Ruhe erwarten, oder die Menschen, die in Peguera wohnen und arbeiten? Wenn Hotels bereits öffnen und Händler früher aus den Winterschlaf starten, prallen Erwartungshaltungen aufeinander. Manche Geschäfte, etwa die Dream Boutique am Boulevard, haben bereits Ware in die Schaufenster gehängt und Türen geöffnet; andere stehen noch unter einem Dach aus Planen und Werkzeug.

Die Bauarbeiten laufen abschnittsweise, heißt es aus dem Rathaus, und sollen in Stoßzeiten pausieren. Das ist ein guter Ansatz, reicht aber nicht automatisch aus. In meiner Ortsbegehung fiel auf, dass Informationen für Passanten nur punktuell vorhanden sind — ein gelber Bauzaun, ein kleines Schild mit Termindruck, aber kaum konkrete Wegweiser für Fußgänger oder hörbare Hinweise, wann besonders laute Arbeiten stattfinden. Wer mit Kinderwagen oder Fahrrad unterwegs ist, weicht auf die Straße aus oder geht Umwege.

Was in der öffentlichen Debatte zu kurz kommt, sind die kleinen praktischen Probleme: wie werden Lieferungen für die Cafés organisiert, wenn Haltezonen fehlen; wie kommen ältere Anwohner an Einkaufsmöglichkeiten vorbei; wie wird während der Arbeiten die Sauberkeit der Promenade sichergestellt? Ebenfalls wenig thematisiert ist die Frage nach Lärmschutzmaßnahmen und nach Kompensationen für Gewerbetreibende, wenn die Terrasse an einem Wochenende durch Bauarbeiten kaum nutzbar ist.

Eine Alltagsszene: Am Vormittag vor dem Café Pacific Bay sitzt eine ältere Frau im Sonnenhut, ein kleines Notizbuch auf dem Schoß. Sie blättert, nimmt einen Schluck Kaffee, blickt Richtung Playa Palmira, wo das frühere Fischrestaurant S’Oblada leer steht und Platz für einen neuen Beachclub angekündigt ist. In der Ferne lassen sich die Maschinen hören; an der Kasse der Bar nebenan räumt eine junge Angestellte gerade Kuchen in die Vitrine. Solche Momente zeigen, wie widersprüchlich Aufbruch und Störung nebeneinander existieren.

Wenn Peguera die Arbeiten sinnvoll gestalten will, gibt es konkrete Ansätze, die mehr bringen als nur Pausenpläne. Erstens: ein öffentlich zugänglicher Bauphasenplan — online und an zentralen Punkten im Ort ausgehängt — mit klaren Angaben zu Arbeitszeiten und zu erwarteten Lärmspitzen. Zweitens: Beschränkung der lautesten Tätigkeiten auf festgelegte Zeitfenster an Werktagen, um Wochenenden und Nachmittage zu schützen, wenn Gäste draußen sitzen wollen.

Drittens: sichtbare Lärmschutzwände und temporäre Fußgängerführungen statt improvisierter Umwege. Vierte Maßnahme: ein Ansprechpartner seitens der Gemeinde, der täglich als Verbindungsperson für Gewerbe und Anwohner erreichbar ist, sowie kurzfristige Ausgleichsmaßnahmen für Betriebe, die durch Bauphasen Umsatz verlieren — etwa vergünstigte Parkflächen oder unterstützte Werbung in der Vor- und Hauptsaison.

Technisch sinnvolle Schritte sollten nicht fehlen: regelmäßiges Nassbürsten zur Staubbindung, feste Lieferzeiten, die mit Hotelanreisen abgestimmt sind, und koordinierte Baustellenlogistik, damit nicht mehrere schwere Maschinen gleichzeitig an benachbarten Abschnitten lärmen. Kleine Maßnahmen, große Wirkung: ein fahrbarer Duftspender vor den offenen Cafés? Nein, das ist kein Witz — wohlplatzierte grünen Pflanzen und sauber gefegte Zugänge schenken Besuchern ein gutes Gefühl trotz Baustelle.

Ein weiterer Punkt, der selten genannt wird: Transparenz gegenüber den Gästen. Viele Urlauber verstehen Handwerkerlärm, wenn sie wissen, dass eine Lärmpause am Nachmittag eingeplant ist oder dass am Wochenende ruhigere Abschnitte garantiert sind. Ein schlichtes Informationsblatt in Hotels oder ein Aushang in den Rezeptionen kann hier Spannungen abbauen.

Am Ende zählt weniger, wie schnell die Bagger rollen, sondern wie die Belastung verteilt und gemildert wird. Peguera hat die Chance, nach der Saison ein ansprechenderes Bild abzugeben — vorausgesetzt, Rathaus, Unternehmen und Firmen auf der Baustelle stimmen Anlagen, Zeiten und Kommunikation besser aufeinander ab. Ohne diesen Abstimmungsaufwand droht der Eindruck, dass die Investitionen vor allem eines gebracht haben: mehr Lärm.

Fazit: Baustellen gehören zu Erneuerung. Entscheidend ist, ihn sozial verträglich zu organisieren. Wer jetzt Tempo macht, muss auch erklären, entschädigen und Rücksicht üben. Sonst bleibt vom Frühling nur das Rattern der Maschinen, statt der Duft von frisch gebrühtem Café auf der Promenade.

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