RCD Mallorca nach Sevilla-Pleite: So kann die Wende gelingen

Alarmstufe Gelb in Palma: Wie RCD Mallorca die Saison jetzt noch retten kann

Das 0:3 in Sevilla trifft Mallorca tief. Mehr als ein verlorenes Spiel — es zeigt strukturelle Schwächen: zweite Bälle, Standards und mentale Ermüdung. Fünf konkrete Schritte, damit Son Moix wieder zur Festung wird.

Stille Rückfahrt, laute Fragen

Die Heimfahrt über die MA-20 war ungewöhnlich ruhig. Kein Singen, nur das tiefe Brummen des Mannschaftsbusses und das gelegentliche Klirren von Gläsern in Bars am Hafen, wo Fans das Spiel noch einmal durchkauten. Das 0:3 bei Betis Sevilla ist mehr als eine Niederlage: Es hat Spuren hinterlassen. Platz 17 nach elf Spielen, neun Punkte — und das Gefühl, dass einige Kernbaustellen offen liegen bleiben.

Die zentrale Leitfrage

Wie kommt RCD Mallorca aus dieser Abwärtsspirale? Diese Frage wird in den nächsten Tagen durch Palma wehen, von der Plaça Major bis zu den Treppen vor dem Son Moix. Es geht nicht nur um einen verlorenen Abend im Benito Villamarín, sondern um wiederkehrende Muster: häufige Ballverluste, mangelnde Präsenz bei zweiten Bällen, Unsicherheiten bei Standards und zu wenig Entschlossenheit im letzten Drittel.

Ein Blick, der genauer hinsieht

Auf dem Papier sah vieles aus wie ein klassisches Auswärtsspiel: der Gegner nutzte Räume, Mallorca machte Fehler. Wer aber tiefer schaut, hört die leisen, gefährlicheren Signale. Zwei Punkte fallen dabei besonders ins Gewicht und werden selten so konkret angesprochen:

1. Die zweite Ball-Bilanz. Zu oft folgen auf abgewehrte Angriffe keine klaren Balleroberungen. Szenen, in denen die Inselkicker die zweiten Bälle verlieren, münden in langen, gegnerischen Ballphasen — und in Druck auf die Abwehr. Wer die zweiten Bälle gewinnt, entscheidet viele Spiele, gerade gegen technisch starke Gegner wie Betis.

2. Mentale Ermüdung. Elf Ligaspiele, Reiseaufwand, Erwartungsdruck — das summiert sich. Kleine Konzentrationslücken schaukeln sich hoch: verlorene Zuordnungen bei Standards, verspätete Rückwärtsbewegungen, nachlässige Annahmen im Mittelfeld. Es sind keine dramatischen individuellen Ausfälle, eher eine kollektive Müdigkeit, die sich ins Spiel einschleicht.

Wo es konkret klemmt

Bei Standards sah man gestern eine Mischung aus Unsicherheit und fehlender Kompaktheit. Nicht nur Zuständigkeiten wirkten unklar, auch die Körpersprache in Luftduellen wirkte angespannt. Offensiv fehlt die nötige Ruhe: Viele Angriffe brachen ab, weil der finale Pass zu überhastet war oder das Tempo an den entscheidenden Stellen nicht variierte. Kurz gesagt: Struktur in Druckphasen und klare Rollen fehlen derzeit.

Pragmatische Lösungen — ohne Schnellschüsse

Die gute Nachricht für die Insel: Einige dieser Baustellen lassen sich vergleichsweise schnell bearbeiten. Drei konkrete Maßnahmen könnten kurzfristig Wirkung zeigen — und dazu noch zwei strategische Ideen für die nächsten Wochen:

1. Training für zweite Bälle und Zweikämpfe. Kein Marathontraining, sondern kurze, intensive Einheiten, die genau diese Spielsituationen simulieren — mit klaren Regeln, Gewinnern und Verlierern. Mehr Präsenz im Mittelfeld reduziert unnötige Ballverluste und bricht gegnerische Ballphasen.

2. Standards neu denken. Nicht mehr Minuten wiederholen, sondern Aufgaben verteilen: Wer blockt, wer weitergeht, wer in den Raum startet. Kleine Umstellungen bei Ecken und Freistößen können sofort Wirkung zeigen. Hier entscheidet oft Detailarbeit — und die lässt sich trainieren.

3. Rotation und mentale Arbeit. Bewusste Rotation, gezielte Einbindung jüngerer Spieler, und Sessions mit einem Mentalcoach zur Fehlerverarbeitung könnten helfen, die kollektive Ermüdung zu brechen. Manchmal schafft weniger Belastung bei Schlüsselspielern mehr Klarheit in den Schlussminuten.

Dazu zwei taktische Ergänzungen:

4. Gegenpressing mit Plan. Nicht wildes Hinterherlaufen, sondern klare Trigger-Momente definieren — wann und wie man sofort Druck aufbaut, um den Gegner zu Fehlern zu zwingen.

5. Klare Kommunikationskette auf dem Platz. Wer dirigiert die Defensive? Wer übernimmt die Verantwortung im Transition-Spiel? Solche Rollen geben Halt in hektischen Phasen.

Was Trainer Arrasate jetzt anpacken muss

Jagoba Arrasate steht vor einer klassischen Trainer-Grundsatzentscheidung: Strikt am System festhalten und mehr Disziplin fordern — oder die Startelf umbauen, um frische Impulse zu setzen. Beides hat Berechtigung. Entscheidend wird sein: eine klare Botschaft an die Mannschaft und an die Insel — keine Panik, aber null Toleranz für Nachlässigkeiten. Kleine personelle Änderungen, kombiniert mit präzisen Aufgaben für das Gegenpressing, könnten bereits genügen.

Die Fans, der Duft von frittierten Calamares und die Uhr

In den Bars am Hafen, auf der Plaça Major und vor dem Son Moix dominierte gestern Sorge, gemischt mit jener stoischen Gelassenheit, die Mallorquiner auszeichnet. Man klatscht bei gelungenen Zweikämpfen, lacht über ein gelungenes Solo — das gehört zum Inselgefühl. Die Saison ist lang, das ist ein echter Trostfaden. Aber die Uhr tickt: Plötzlich sind kleine Entscheidungen in Trainingseinheiten und auf der Bank ausschlaggebend.

Blick nach vorn

Ein Abend in Sevilla hat Mängel aufgedeckt. Jetzt zählt, wie schnell und entschlossen diese Mängel angegangen werden. Wenn Mallorca die Arbeit an den zweiten Bällen, an Standards und an der mentalen Frische ernst nimmt, kann Son Moix wieder zur Festung werden. Wenn nicht, droht das fatale Paradox, dass die Unruhe selbst zur Ursache für noch mehr Fehler wird.

Es bleibt Zeit — aber nicht unbegrenzt. Die nächsten Trainingseinheiten und die kommenden Spieltagsentscheidungen werden zeigen, ob Mallorca handeln kann oder nur reagiert.

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