
Digitales Boarding auf Mallorca: Ryanair stoppt Papier-Bordkarten – wer bleibt zurück?
Ab 3. November akzeptiert Ryanair am Flughafen Palma keine gedruckten Bordkarten mehr. Was das für Reisende bedeutet, wer Probleme bekommen könnte und welche Lösungen helfen.
Ab 3. November: Wer profitiert – und wer bleibt außen vor?
Ab dem 3. November endet bei Ryanair auf Mallorca eine Ära: Papier-Bordkarten werden nicht mehr akzeptiert. Das klingt erst einmal modern und effizient, doch die zentrale Frage bleibt: Wer profitiert von der Digitalisierung — und wer bleibt am Gate stehen, weil Akku oder Know-how fehlen?
Die Stimmung in der Abflughalle
Am Aeroport de Palma, zwischen dem Durchgang zur Sicherheitskontrolle und dem Kaffeegeruch aus den kleinen Bistros, höre ich derzeit oft das gleiche: Durchsagen in Katalanisch, Spanisch und Englisch, das Piepen der Bordkartenscanner und das Murmeln von Reisenden, die hektisch ihr Handy suchen. Frühmorgens, besonders zwischen 6 und 9 Uhr, wenn mehrere Flieger gleichzeitig starten, ist die Schlange am Gate schneller lang als die Sonne über der Rampla. Einige wissen Bescheid, viele nicht.
Probleme, die selten auf dem Papier stehen
Ryanair bietet an, dass die buchende Person die Bordkarten anderer Passagiere herunterladen und per WhatsApp weiterleiten kann. Praktisch — bis eben das geteilte Bild unscharf ist, das Empfangsgerät vibriert oder das Display dunkel bleibt. Weniger thematisiert wird dabei:
- Digitale Ausgrenzung: Ältere Reisende, Menschen ohne Smartphone oder mit begrenztem Datenvolumen sind gefährdet. Nicht jeder hat sofort eine Powerbank parat oder versteht, wie man einen Screenshot teilt.
- Infrastruktur am Flughafen: Es gibt zu wenige Steckdosen und Ladestationen in den Wartebereichen. Auch wenn Shops Powerbanks verkaufen — in der morgendlichen Hektik ist die Schlange davor eine zusätzliche Zeitbremse.
- Datenschutz und Sicherheit: Boardingpässe per WhatsApp zu verschicken ist praktisch, aber nicht ideal. Sie enthalten persönliche Daten, die so unverschlüsselt über Drittanbieter laufen.
Konkrete Folgen für den Ablauf
In der Praxis drohen längere Wartezeiten am Gate: Mitarbeiter müssen digital nachhelfen, Ausnahmeregelungen prüfen oder im Worst-Case Einzelfälle manuell bearbeiten. Für Palma bedeutet das: mehr Stress in der Abflughalle, potenzielle Verspätungen und frustrierte Gäste, die gerade in Urlaubsstimmung sein wollten.
Was Reisende sofort tun können
Ein paar einfache Schritte sparen Zeit und Ärger:
- Akku sichern: Powerbank einpacken, voll geladenes Handy als Pflichtgut.
- Offline-Backup: Bordkarte als Screenshot speichern und in der Galerie in einen separaten Ordner legen. PDF-Dateien vorher herunterladen, offline verfügbar machen.
- Zweites Gerät: Wenn möglich, Bordkarten auf einem zweiten Smartphone speichern — Familienreiseleiter sind gefragt.
- Wichtige Infos ausdrucken: Nicht die Bordkarte, aber Buchungsnummern, Flugnummer und Kontaktdaten der Airline ausdrucken. Das hilft beim Support.
- Rechtzeitig da sein: Früher ankommen, um beim Gate noch genügend Zeit zu haben, falls digitales Troubleshooting nötig wird.
Lösungsansätze für den Flughafen und die Airline
Die Umstellung kann gelingen — wenn Airport und Airline nachbessern. Einige pragmatische Vorschläge:
- Mehr Ladeinfrastruktur: Steckdosen, USB-Ports und kleine Ladestationen in den Wartezonen wären eine einfache Investition mit hohem Nutzen.
- Druckstationen und Kioske: Ein paar druckbereite Terminals für Ausnahmen, an denen Mitarbeiter kurzkarten ausdrucken können, ersparen lange Warteschlangen am Gate.
- Schulungen für Personal: Gate-Teams sollten geschult werden, schnell und sicher mit digitalen Problemen umzugehen — und das in mehreren Sprachen.
- Informationskampagnen: Auf Mallorca sind Flyer am Mietwagen-Schalter, Beach-Hotspots und in Hotels denkbar — nicht jeder Tourist liest vor dem Flug seine E-Mails.
- Datenschutzfreundliche Optionen: Sichere Übermittlungswege und klare Hinweise, wie Boardingpässe geteilt werden dürfen, würden das Risiko reduzieren.
Ein Blick auf die Gepäckregeln
Parallel zur Digitalisierung hat Ryanair die erlaubte Größe für kostenloses Handgepäck leicht angepasst: neu sind 40 × 30 × 20 cm statt bisher 40 × 25 × 20 cm. Am Aeroport de Palma stehen nun neue Messrahmen — ein deutliches Signal: Wer zu viel verspricht, muss zahlen oder umpacken. Der Klang von Kofferrädern auf dem Fliesenboden wird damit jedenfalls etwas geordneter.
Fazit: Digitalisierung mit Augenmaß
Digital statt Papier ist in vielen Fällen Komfortgewinn: weniger Zettel, weniger Check-in-Chaos, schnellere Abläufe — wenn das Netz hält und das Akku reicht. Doch auf Mallorca, wo der Mix aus Urlaubern, Geschäftsreisenden und älteren Residenten besonders groß ist, braucht es Übergangslösungen. Ein guter Kompromiss wäre eine klare Kommunikationsstrategie, mehr Ladepunkte am Airport und ein paar gedruckte Ausnahmen für verletzliche Gruppen. Dann bleibt die Abflughalle entspannt, die Sonne fällt durchs Glasdach — und wir müssen uns nicht fragen, ob das Leben jetzt wirklich nur noch im Display zuhause ist. Ryanair-Änderungen könnten helfen, die Abläufe zu optimieren.
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