
Sant Joans erster Hundertjähriger: Antoni Sastre Gayà und ein Leben voller einfacher Regeln
Sant Joans erster Hundertjähriger: Antoni Sastre Gayà und ein Leben voller einfacher Regeln
Im Dezember wurde Antoni Sastre Gayà 100 Jahre alt – der erste Mann aus Sant Joan, der diese Marke erreicht. Sein Rezept: kein Rauchen, kein Alkohol und maßvolles Essen. Ein Leben zwischen Landwirtschaft, Fotografie und kommunaler Verantwortung.
Sant Joans erster Hundertjähriger: Antoni Sastre Gayà und ein Leben voller einfacher Regeln
Wie ein Mann aus dem Dorf Alltag, Arbeit und Neugier zu langen Jahren verband
Im Dezember hat Antoni Sastre Gayà in Sant Joan eine besondere Marke erreicht: 100 Jahre auf dem Buckel. Er ist damit der erste Mann aus der Gemeinde, von dem man das sagen kann. Kein großes Spektakel, eher ein ruhiges Feiern im Kreis von Nachbarn und Verwandten — so, wie es hier üblich ist, mit Bäckerei an der Plaça und dem leisen Läuten der Kirchenglocke.
Antoni sagt trocken, sein Erfolgsrezept sei simpel: „Nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und beim Essen keine Exzesse.“ Drei kurze Sätze, die bei ihm nach mehr klingen als nur Gesundheitsratschläge. Sie sind Teil einer Lebensführung, die Entschiedenheit und Bescheidenheit verbindet.
Geboren im Dezember 1925, begann sein Leben mit harter Realität. Als Dreijähriger verlor er seinen Vater. Die Mutter nahm ein Darlehen über 100 Duros — das sind 500 Peseten — auf und eröffnete ein Lebensmittelgeschäft, damit die Familie über die Runden kam. Die Erinnerung an diese Zeit steht für viele hier: Läden, die Familien ernährten, und Menschen, die anpackten.
Mit elf Jahren kam der Bürgerkrieg; Antoni musste Tiere hüten auf einem Landgut namens Solanda. In den Nachkriegsjahren half er im elterlichen Laden, erlebte Rationierung, Lebensmittelkarten und die Schattenseiten der Versorgung. Diese Jahre haben wohl gedämpft, was später seine Haltung zu Maß und Mäßigung prägte.
1947 diente er in der Marineinfanterie auf Mallorca. Zuvor hatte er von einem Cousin das Schmiedehandwerk gelernt — Hände, die mit Werkzeug vertraut sind, begleiteten ihn sein Leben lang. 1956 heiratete er Francisca Mariona und wandte sich intensiv der Landwirtschaft zu. Die Felder der Familie wurden sein Arbeitsfeld und geben heute noch Stoff für Erinnerungen an harte, aber ehrliche Arbeit.
Es gibt eine überraschende Seite an Antoni: die Fotografie. Autodidaktisch richtete er sich ein eigenes Labor ein und begleitete die Höhepunkte des Dorflebens mit seiner Kamera. Hochzeiten, Kommunionen, Ausweise — viele Porträts aus früheren Jahrzehnten tragen seine Handschrift. Wer in Sant Joan durch alte Fotoalben blättert, findet oft Bilder, die er gemacht hat.
Politisch engagierte sich Antoni ebenfalls. Von 1967 bis 1979 saß er im Gemeinderat, und während der bewegten Jahre der demokratischen Übergangszeit trat er als Bürgermeister in Erscheinung. Ein Bauer, Fotograf und Gemeindemann — Rollen, die zusammen das Bild eines Menschen ergeben, der Verantwortung übernommen hat.
Bei 65 erlebte er einen schlimmen Unfall mit dem Traktor. Angehörige sagen, er sei einige Tage klinisch tot gewesen; eine Operation habe ihn zurückgebracht. Solche Erlebnisse können Menschen verändern. Bei Antoni blieb Gelassenheit: Er spricht kaum darüber und richtet den Blick lieber auf den nächsten Morgen.
Heute verbringt er viele Stunden mit Lesen. Trotz seines Alters hat er gutes Sehvermögen; man sieht ihn mit einem Buch in der Hand auf einer Bank im Dorf, in der Sonne oder unter dem Vordach eines Cafés, während die Leute vorbeigehen und das Leben seinen gewohnten Rhythmus hält. Seine Ruhe wirkt ansteckend. Wer ihn beobachtet, sieht nicht nur ein langes Leben, sondern auch die Kontinuität eines Ortes.
Warum ist das für Mallorca ein guter Moment? Solche Geschichten erinnern daran, dass Inselgemeinschaften von Kontinuität leben — von Menschen, die Wissen, Erinnerungen und Fähigkeiten weitergeben. Antoni vereint in seinem Lebenslauf Landwirtschaft, Handwerk, Fotografie und kommunalen Dienst. Das ist lokalgeschichtlicher Stoff, der im Alltag zu finden ist: in Fotoalben, auf Familienhöfen, in Gesprächsfetzen am Markt.
Und es ist auch eine kleine Inspiration: Nicht jede Lebensweisheit braucht großen Anspruch. Maß halten beim Essen, bewusst leben, neugierig bleiben — das klingt schlicht, wirkt aber nachhaltig. Für Sant Joan sind das Werte, die Generationen verbinden und die man im Stadtbild wiederfindet: kleine Läden, Plätze, Nachbarn, die helfen.
Wer etwas aus Antoni Sastres hundert Jahren mitnehmen will: Hört den alten Geschichten zu, schaut in die Alben auf dem Dachboden und respektiert das Tempo der Insel. Die praktische Folge könnte sein, dass Gemeinden öfter Raum schaffen für Begegnungen zwischen Jung und Alt, Fotoarchive sichern oder Nachmittage veranstalten, bei denen Erinnerungen geteilt werden.
Am Ende sitzt Antoni nun öfter still da, liest und schaut zu, wie das Dorf weitergeht. Kein Pathos, kein großes Aufsehen — nur ein Mann, der seit einem Jahrhundert Teil des Geflechts von Sant Joan ist. Und das allein ist ein Grund zur kleinen, warmen Freude hier auf der Insel.
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