
Sechs Jahre Baustelle am Airport: Koffer-Abfertiger fordern Schutz statt Provisorien
Sechs Jahre Baustelle am Airport: Koffer-Abfertiger fordern Schutz statt Provisorien
Beschäftigte in der Gepäckabfertigung am Flughafen Palma arbeiten seit rund sechs Jahren zwischen Staub, Baumaschinen und provisorischen Toiletten. Die Gewerkschaft USO meldet Sicherheits- und Gesundheitsmängel – und fordert schnelle Maßnahmen von Aena und den Betreibern.
Sechs Jahre Baustelle am Airport: Koffer-Abfertiger fordern Schutz statt Provisorien
Leitfrage: Wie lange müssen Beschäftigte am Flughafen Son Sant Joan noch in einer halb fertigen Baustelle schuften, bevor Maßnahmen für Gesundheit und Sicherheit kommen?
Man steht morgens an der Glasfront der Ankunftshalle, hört das permanente Dröhnen der Maschinen und riecht den trockenen Betonstaub, der sich wie ein feiner Film auf Jacken und Koffern ablegt. So beschreiben Kolleginnen und Kollegen aus der Gepäckabfertigung ihre Schicht: kein idyllischer Bürojob, sondern Arbeit mitten in einer Großbaustelle, die jetzt schon seit etwa sechs Jahren die Abläufe prägt.
Die Luftfahrtabteilung der Gewerkschaft USO hat wiederholt auf Probleme hingewiesen: Staub in großer Menge, andauernder Baulärm in Kombination mit Flughafenlärm, schrumpfende Arbeitsflächen durch neue Rollwege und eine Organisation der Flächen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezwungen hat, auf Fahrbahnen zu laufen, die eigentlich Traktoren oder Dienstfahrzeuge vorbehalten sind. Fast zwei Jahre lang teilen sich Beschäftigte provisorische Sanitärcontainer mit Baustellenpersonal. Zusätzlich bemängelt die Gewerkschaft, dass Feuerlöscher nicht dort stehen, wo sie sollten, und Hydranten teilweise in schlechtem Zustand sind.
Das betrifft nicht nur Komfort. Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit sind akut gefährdet: Atemwegsbelastung durch Feinstaub, Stress durch permanente Lärmbelastung, erhöhtes Unfallrisiko auf engen Verkehrsflächen und eingeschränkte Flucht- und Rettungswege sind keine theoretischen Probleme, sondern reale Gefährdungen für Hunderte Menschen, die Tag für Tag dafür sorgen, dass Urlauber ihr Gepäck wieder in die Arme schließen können.
Kritische Analyse: Auf den ersten Blick wirkt vieles wie die Folge großer Baupläne, Verzögerungen und ersatzloser Übergangslösungen. Tatsächlich aber gibt es Muster: Eine vorübergehende Planung wird so lange weitergeführt, bis sie zur Dauerlösung wird. Verantwortlichkeiten verschwimmen zwischen Infrastruktur-Eigentümer Aena, den verschiedenen Dienstleistern und den ausführenden Baufirmen. Wenn Fahrzeuge regelmäßig vor Notausgängen oder neben Gepäckbändern abgestellt werden, ist das kein individuelles Fehlverhalten mehr – das ist ein Organisationsproblem, das klare Regeln und konsequente Durchsetzung braucht.
Was im öffentlichen Diskurs oft fehlt: die Perspektive derer, die die körperlich härteste Arbeit leisten. Medienberichte oder offizielle Verlautbarungen nennen manchmal Baupläne, Investitionssummen und Eröffnungstermine. Sie lassen aber ungern die Details sehen: die Atemschutzmasken, die nach einer halben Stunde durchfeuchtet sind; die Kollegin, die sich die Hände am Förderband verletzt, weil nebenan ein Lkw rangiert; die Pause, die ausfällt, weil zur Mittagsschicht gerade eine Maschine unterbrochen wurde. Diese kleinen, wiederkehrenden Belastungen summieren sich zu echten Gesundheitsfolgen.
Eine konkrete Mallorca-Alltagsszene: Um halb neun an einem heißen Julimorgen sieht man auf dem Weg von der Bushaltestelle den Sicherheitsbeamten, der mit beleidigtem Blick einen Lieferwagen zurückwinkt. Im Hintergrund hämmert ein Bagger an der Betonkante, zwei Gepäckarbeiter schieben Kisten durch eine schmale Passage; sie sprechen kaum, weil das Brüllen der Baumaschinen jede Unterhaltung übertönt. Auf dem Boden liegt eine dünne Schicht heller Staub, und jemand wischt ihn mit dem Handschuh über die Schuhsohle – eine Geste, die mehr sagt als viele Aussagen von oben.
Konkrete Vorschläge, die sofort Wirkung zeigen könnten: 1. Kurzfristig: Einrichten geschlossener, gefilterter Durchgänge zwischen Abfertigungsbereich und Baustelle; tägliche Reinigung mit industriellen Staubbindern; begrenzte Bauzeiten zur Verringerung von Lärmspitzen in Schichtwechselzeiten; verpflichtende, überprüfbare Parkverbote vor Notausgängen und Bändern mit klaren Sanktionen. 2. Mittelfristig: Endgültige, dauerhafte Sanitär- und Pausenräume im gesicherten Bereich; regelmäßige, unabhängige Messungen von Feinstaub und Lärm mit Ergebnisveröffentlichung; verpflichtende Schulungen für alle Dienstleister zu Fluchtwegen und sicheren Verkehrsführungen. 3. Strategisch: Vertragliche Klarstellung zwischen Aena und Betreibern, wer für Arbeitsschutz zuständig ist; Einrichtung einer ständigen Ansprechstelle für Beschwerden der Beschäftigten mit verbindlichen Reaktionszeiten; jährliche Gesundheitschecks für exponierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Viele dieser Maßnahmen sind technisch nicht neu und kosten weniger als befürchtet. Es geht oft um Prioritätensetzung: Ist die Absicherung derjenigen, die im Schatten der Baukräne arbeiten, wirklich zweitrangig gegenüber Baufortschritt und Betriebstakt? Oder ist es möglich, Bauablauf und Arbeitsschutz parallel so zu organisieren, dass niemand ein überhöhtes Risiko eingeht?
Was jetzt passieren muss: Aena als Eigentümerin darf die Verantwortung nicht in Raster und Zuständigkeiten verflüssigen. Auf Mallorca kennt man solche Situationen: Projekte, die „vorübergehend“ beginnen und dann Jahre in Provisorien erstarren. Die nächste Hitzewelle, ein Funkloch bei Einsatzkräften oder ein falsch geparktes Fahrzeug vor einem Notausgang – das sind keine abstrakten Risiken, sondern Situationen, bei denen Menschen verletzt werden können.
Fazit: Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Gepäckabfertigung verdienen mehr als provisorische Toiletten und improvisierte Wege. Sechs Jahre Baustelle sind genug, um festzustellen, dass Handlungsbedarf besteht. Es braucht sofort sichtbare Änderungen, klare Zuständigkeiten und unabhängige Kontrollen. Wenn in der Hektik des Flugbetriebs niemand auf die Dreck- und Lärmprobleme reagiert, bleibt am Ende nur eines: die Rechnung für vertagte Verantwortung – und die bezahlt sie die Gesundheit der Beschäftigten.
Häufige Fragen
Welche Gesundheitsrisiken bestehen für Mitarbeitende der Gepäckabfertigung am Flughafen Son Sant Joan auf Mallorca?
Welche Sofortmaßnahmen helfen gegen Staub- und Lärmbelastung am Flughafen Mallorca?
Wer ist verantwortlich für den Arbeitsschutz am Flughafen Mallorca Son Sant Joan?
Wie werden Sanitär- und Pausenräume bei der Baustelle am Flughafen Mallorca zukünftig gesichert?
Wie oft werden Feinstaub und Lärm gemessen und öffentlich gemacht?
Wie wirkt sich die Baustellenlage konkret auf den Arbeitsalltag der Gepäckabfertigung aus?
Gibt es konkrete Mallorca-Alltagsszenen, die die Situation veranschaulichen?
Was fordern Beschäftigte und Gewerkschaften konkret, um die Situation zu verbessern?
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