
Einsame Felsenbuchten im Nordosten: Ruhe statt Touristenmassen
Einsame Felsenbuchten im Nordosten: Ruhe statt Touristenmassen
Wer Sandburgen satt hat, findet im Nordosten Mallorcas ruhige, felsige Buchten rund um Cap Ferrutx. Ein Wanderpfad von Colònia de Sant Pere nach Betlem führt an kleinen Playas ohne Service vorbei — ideal für alle, die Stille und ursprüngliche Küste suchen.
Einsame Felsenbuchten im Nordosten: Ruhe statt Touristenmassen
Warum der Weg von Colònia de Sant Pere nach Betlem gerade im Hochsommer eine gute Idee ist
Es gibt Ecken auf Mallorca, die klingen, als hätten sie die Zeit vergessen: schroffe Felsabschnitte, schmale Buchten und Pfade, die dicht an der Brandung entlangschrammen. Im Nordosten, am östlichen Rand der Bucht von Alcúdia, liegen genau solche Orte – fernab der großen Playa‑Massen. Wenn die Hitze in Palma drückt und die Hauptstrände im Juli übervoll sind, spaziere ich gern Richtung Colònia de Sant Pere, setze mich auf eine Mauer, atme Pinien‑ und Meeresluft ein und höre dem Zirpen der Zikaden zu.
Der Fußweg von der Siedlung zur kleinen Ortschaft Betlem ist praktisch eine Einladung zum Entschleunigen. Unterwegs öffnen sich immer wieder winzige Buchten: Natursteinrinnen, glatte Felsplatten und kleine Kiesflächen, von denen aus man ins klare Wasser hüpfen kann. Namen wie Sa Macada, des Camp Vells, Cala Fonda oder Cala Mata stehen auf keiner großen Prospektkarte als Highlights – genau deshalb sind sie ruhiger. Für Leute, die keine Strandbars und Animation brauchen, sondern Stille und eine Ecke zum Abtauchen, sind das perfekte Ziele.
In der Landschaft fallen die eigenartigen, säulenartigen Bauwerke auf: rund zwölf Meter hoch, oben schmaler, knapp drei Meter Basisbreite. Es handelt sich um sogenannte torres d’enfilació, Peiltürme, die zwischen 1940 und 1945 angelegt wurden. Früher nutzte man sie zur Kreuzpeilung bei Marineübungen; bis in die 1970er Jahre spielten sie eine Rolle bei Torpedo‑Manövern. Heute stehen weniger als zwei Dutzend dieser Türme noch, die meisten zwischen Can Picafort und Port d’Alcúdia. Sie sind Zeugnisse einer anderen Zeit und geben der Küste etwas Surreales – wie markante Wegweiser für Wanderer mit Blick fürs Vergangene.
Weiter nördlich liegen die kleinen Buchten Playa Na Clara und Es Vells Marins. Letztere hat eine traurige Geschichte: 1958 starb dort die letzte bekannte Mönchsrobbe durch die Hand der Guardia Civil – ein Kapitel, das zeigt, wie rau das Zusammenleben von Küstengemeinden und Meer einst war. Noch weiter außen erreicht man Es Caló, die nördlichste Spitze des Cap Ferrutx. Bei kräftigem Tramuntana‑ oder Nordwind bricht die See dort laut gegen die alte Mole; an solchen Tagen rauscht das Wasser wie ein Vorhang, der den Rest der Welt übertönt.
Praktische Hinweise: Diese Playas sind naturbelassen. Es gibt keine Rettungsschwimmer, keine Toiletten und meist keinen Schatten. Ein paar Bars und einzelne Restaurants findet man in Colònia de Sant Pere oder Betlem – dort wird noch handwerklich Kaffee gemacht und das Gespräch mit dem Wirt kostet nichts. Wer rauhere Küste sucht, packt genug Wasser, Sonnenschutz, Schuhe mit Grip und nimmt Rücksicht auf die Natur: keinen Abfall hinterlassen, keine Pflanzen zertreten, keine Feuerstellen anlegen.
Für Mallorca ist diese Art von Küste wichtig: Sie bietet Besuchern eine andere Erfahrung als die breiten Sandstrände und verteilt den Druck auf die Insel. Ruhigere Buchten ziehen naturverbundene Gäste an, die lokale Betriebe abseits der Hotspots nutzen – eine kleine, aber wertvolle Unterstützung für die Dörfer an der Küste.
Mein Tipp: Früh am Morgen ist das Licht weich und die Luft kühler; am späten Nachmittag funkeln die Klippen im goldenen Licht. Wer hierhergeht, sollte mit Achtsamkeit und Neugier kommen. Dann klappt’s mit dem eigenen, winzigen Paradies – ohne Liegestuhlreservierung, aber mit dem echten Geräusch der See.
Kurz und knapp: Cap Ferrutx und der Küstenweg von Colònia de Sant Pere nach Betlem sind ideal für Wanderer und Bader, die Stille und Natur bevorzugen. Kein Service, viel Natur – und Geschichten in den Steinen.
Häufige Fragen
Welche Besonderheiten bietet der Nordosten Mallorcas abseits der großen Strände?
Wie gelangt man am besten zu den einsamen Buchten auf dem Weg von Colònia de Sant Pere nach Betlem?
Was sind torres d'enfilación und warum stehen sie an der Küste?
Gibt es besondere Geschichten oder Tierwelt an der Küste im Nordosten?
Wie sollte ich mich auf einen Tag an naturbelassenen Buchten vorbereiten?
Welche Aktivitäten lohnen sich im Nordosten Mallorcas neben dem Baden?
Wann ist die beste Reisezeit, um die einsamen Buchten zu besuchen, und wie wirkt das Wetter dort?
Gibt es Versorgungsmöglichkeiten oder Schatten in Colònia de Sant Pere oder Betlem?
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