
Ma-10 heute dicht: Zwischen Tradition und Verkehrsproblem in Sóller
Das 62. Bergrennen Pujada al Puig Major sorgt für gesperrte Straßen, jubelnde Zuschauer und genervte Anwohner. Warum das Spektakel in der Tramuntana mehr ist als nur ein Sonntag mit lauten Motoren — und welche Alternativen es geben könnte.
Ma-10 zwischen Sóller und Mirador de ses Barques: Ein Tag der Extreme
Heute ist die Ma-10 von Sóller hinauf zum Mirador de ses Barques bis voraussichtlich 20:00 Uhr komplett gesperrt. Grund ist das traditionelle Bergrennen Pujada al Puig Major, das in diesem Jahr seine 62. Auflage feiert. Für Fans ein Fest: Benzin, V8-Grollen und enge Kehren vor spektakulärer Kulisse. Für viele Anwohner und Pendler hingegen ein Tag voller Unannehmlichkeiten.
Die Leitfrage lautet: Ist ein solches Rennen auf einer viel genutzten Gebirgsstraße in einer Zeit, in der Mobilität, Umweltschutz und Lebensqualität neu gedacht werden, noch vertretbar? Oder ist die Veranstaltung ein Stück gelebter Inselkultur, das man erhalten sollte?
Mehr als nur eine Straßensperrung
Wer kurz am Ortsrand stand — wie ich gegen 11:15 Uhr — spürte das Dilemma: Motorengebrumm statt Vogelzwitschern, Ölgeruch statt Pinienduft. Helfer mit Badges, handgemachten Nummernschildern und zu viel Kaffee ordneten die Autos. Fotografen bauten Stative auf, Anwohner wiesen mit improvisierten Schildern auf Parkplätze hin. Das kleinräumige Chaos ist Teil der Szenerie.
Doch die Auswirkungen reichen weiter: Die TIB-Buslinie kann Teile der Strecke nicht bedienen. Pendler und Ausflügler müssen umplanen, taktische Umwege nehmen oder auf alternative Verbindungen ausweichen. Für Urlauber, die ohne Mietwagen unterwegs sind, kann das schnell den Tag ruinieren. Rettungswege bleiben zwar frei, betonen Polizei und Veranstalter — doch die Sichtbarkeit und Reaktionszeit werden bei erhöhtem Besucheraufkommen automatisch belastet. Weitere Informationen dazu sind in unserem Artikel über Warten in der Tramuntana zu finden.
Aspekte, die oft untergehen
Kaum jemand redet über subtile Schäden: Öl- und Benzinreste in Kurven, Mikroabrieb des Asphalts durch starkes Beschleunigen und Bremsen, Belastung alter Trockenmauern durch parkende Zuschauer. Wirtschaftlich profitieren manche Cafés und Bars in Sóller von zusätzlichem Publikum, andere schließen vorsorglich wegen der Menschenmengen. Die Verteilung dieser Effekte ist ungleich — ein Punkt, der in der Debatte selten prominent auftaucht. Wie dies die Verkehrssituation betrifft, zeigt unser Bericht über Kilometerlange Staus Richtung Sóller.
Ein weiterer, wenig beleuchteter Faktor ist die Belastung des öffentlichen Raums an sich. Die Ma-10 ist nicht irgendeine touristische Attraktion, sie ist Verkehrsader und Lebensraum zugleich. Wenn sie für ein Event gesperrt wird, trägt das nicht nur zur temporären Lärmbelastung bei, sondern verändert den Tagesrhythmus von Menschen und Betrieben in der Umgebung.
Konkrete Chancen und Lösungen
Widerstand gegen Tradition ist nicht nötig, aber eine moderne Anpassung wäre sinnvoll. Denkbar sind mehrere Maßnahmen: Bessere Abstimmung mit TIB für Ersatz-Shuttles, klare zeitliche Begrenzung und Lautstärkeregeln für Fahrzeuge, offizielle, ausgeschilderte Parkzonen mit Shuttleverkehr, und ein verpflichtendes Abfall- und Öl-Management an sensiblen Stellen. Solche Regeln würden die Belastung für Anwohner reduzieren, ohne den Charakter des Rennens völlig zu kippen. Eine umfassendere Diskussion über die Auswirkungen findet man auch in unserem Artikel über Mallorca by UTMB.
Langfristig könnte man überlegen, das Rennen in Segmente zu teilen oder zumindest alternative Routen zu prüfen, die weniger durch Wohngebiete führen. Ein weiteres Modell wäre, Teile der Einnahmen oder Sponsorengelder gezielt für Lärmschutzmaßnahmen, Straßeninstandsetzung und lokale Infrastruktur zu verwenden — eine Form von Ausgleich, die heute selbstverständlich sein sollte.
Was Besucher und Anwohner jetzt wissen sollten
Praktisch heißt das: Planen Sie heute 20–30 Minuten mehr Zeit ein, wenn Sie in Sóller frühstücken möchten. Viele Terrassen sind geöffnet, andere schließen zeitweise. Folgen Sie den Einweisern zu den ausgewiesenen Parkflächen, meiden Sie spontane Haltepositionen in Kurven und respektieren Sie die Absperrungen — nicht nur wegen der Ordnung, sondern wegen Ihrer eigenen Sicherheit.
Wenn Sie den Tag nutzen wollen, um die Aussicht zu genießen, überlegen Sie, ob ein Spaziergang vom unteren Küstenabschnitt nicht angenehmer ist als der heutige Trubel. Und wenn Sie an der Strecke stehen: Hören Sie genau hin. Das Grollen eines alten V8 ist hier auf Mallorca immer noch etwas zwischen Volksfest und Nostalgie — aber es sollte nicht länger leise Nebenwirkungen für Anwohner, Umwelt und Verkehr haben.
Veranstalter und Behörden arbeiten zusammen, das ist zu begrüßen. Die Frage ist, ob Kooperation künftig nicht noch weitergehen muss: zu klareren Regeln, besserer Abstimmung mit dem öffentlichen Nahverkehr und echtem Ausgleich für Betroffene.
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