
Mit 102 in Ariany: Franciscas einfache Regeln fürs Älterwerden
Mit 102 in Ariany: Franciscas einfache Regeln fürs Älterwerden
Francisca Mestre Costa wird in wenigen Tagen 103 – im Dorf Ariany erzählt sie von Arbeit, Glauben und warum Zusammenhalt hier auf die Lebensjahre einzahlt.
Mit 102 in Ariany: Franciscas einfache Regeln fürs Älterwerden
Eine Frau, ein Dorf, ein ganzes Jahrhundert an Alltagserfahrung
An einem ruhigen Nachmittag in Ariany, wenn die Kirchenglocken über die engen Gassen klingen und die Bäcker noch den letzten Laib aus dem Ofen ziehen, sitzt Francisca Mestre Costa in einer kleinen Stube mit Blick auf den Platz. Bald wird sie 103 Jahre alt. Wer ihr zuhört, merkt schnell: Es sind keine großen Theorien, die sie weiterreicht, sondern ganz praktische Lebensregeln, die hier in der Inselmitte noch etwas gelten.
Francisca wurde 1923 geboren, als auf Mallorca vieles noch Feldarbeit bedeutete und ein Auto in einer Familie für Aufsehen sorgte. Als drittes von zehn Kindern lernte sie früh, Verantwortung zu tragen. Kinder hüten, kochen, mit anpacken auf dem Feld – so war der Alltag. Mit zehn Jahren schlachtete sie ihr erstes Huhn, um der Mutter nach der Geburt eines Kindes beizustehen. Solche Erinnerungen klingen bei ihr nicht pathetisch, eher wie Notizen aus einem Leben, in dem Anpacken selbstverständlich war.
Der Spanische Bürgerkrieg riss auch in die Familien hier Lücken; ihr Mann wurde an die Front in Saragossa geschickt, und Francisca blieb zurück, um den Haushalt und die Kinder zu versorgen. Später heiratete sie, bekam Kinder, feierte eine lange Ehe und hat heute Kinder und Enkel, unter ihnen der Priester Pere Ribot, der oft bei ihr ist. Diese familiäre Nähe prägt ihre Sicht auf das Altern: Wer eingebunden ist, hat Halt.
Glauben und Routine gehören zu ihrem Alltag. Jeden Morgen spricht sie den Rosenkranz, sie beginnt den Tag mit einem kurzen Gebet und beendet ihn mit einer Dankesformel an ihre Schutzpatronin. Nicht, weil sie sich dadurch vor allem fürchtet, sondern weil ihr der tägliche Rhythmus wichtig ist. Routine gibt Struktur – und das spürt man, wenn man neben ihr sitzt und ihr leises, unaufgeregtes Lächeln sieht.
Was sie jungen Leuten rät, klingt einfach: ehrlich sein, arbeiten, im Leben bleiben. Es geht ihr nicht um Moralpredigten, sondern um Alltagstugenden, die hier auf der Insel noch viel bewirken. Vor allem aber betont sie eines immer wieder: die Bedeutung des Miteinanders. Früher halfen Nachbarn zusammen, man passte aufeinander auf. Diese Form der Nähe, so sagt sie, hat Menschen resilienter gemacht.
Das heißt nicht, dass sie die Gegenwart romantisiert. Sie beobachtet, wie moderne Zeiten Familienstrukturen verändern und Wege entstehen, auf denen Ältere sich manchmal allein fühlen. Sie hat einen Besuch in einem Heim miterlebt, der ihr naheging. Trotzdem bleibt ihr Ton versöhnlich: Wer Respekt und Zeit schenkt, gibt etwas Wesentliches zurück.
Warum tut uns auf Mallorca so eine Stimme gut? Weil sie ein Stück Beständigkeit verkörpert. In Dörfern wie Ariany, auf Märkten in Inca oder in den Straßen von Palma begegnet man weiterhin Menschen, die Brücken zwischen Generationen schlagen. Solche Erfahrungszeugnisse erinnern daran, dass ein erfülltes Alter kein Luxus ist, sondern oft das Ergebnis einfacher Alltagsgewohnheiten: Gemeinschaft, kleine Rituale, Arbeit mit Sinn.
Ein konkreter Tipp, den man von Francisca leicht übernehmen kann: die eigene Nachbarschaft im Blick behalten. Ein Besuch bei der älteren Frau aus der Straße, ein gemeinsames Mittagessen mit jemandem, der nicht so viel Besuch bekommt, oder das Mithelfen bei kleinen Arbeiten im Haus — das sind Gesten, die Zeit und Lebensqualität schenken. Auf Mallorca, wo die Plätze noch nach Leben riechen und das Straßenpflaster Geschichten hat, sind solche Gesten leicht zu verwirklichen.
Am Ende bleibt bei Francisca eine pragmatische Gelassenheit: Angst vor dem Ende hat sie nicht. Sie spricht nicht oft über das Sterben; wichtiger ist für sie, jetzt gut zu leben. Ihre Botschaft ist deshalb kein Aufruf zu besonderer Leistung, sondern eine Einladung: Seid freundlich, bleibt echt, haltet zusammen. Die Stimme einer 102-Jährigen aus Ariany ist damit weniger eine Moralstunde als ein Angebot: Wer es versucht, findet vielleicht mehr Ruhe und Verbundenheit im Alltag — auf der Insel und darüber hinaus.
Was wir tun können: öfter anklopfen, auf den Sonntagsmarkt gehen, Zeit schenken. Kleine Dinge, große Wirkung.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
Ähnliche Nachrichten

Klein, aber gefragt: Warum 60‑m²‑Wohnungen auf Mallorca boomen
Weniger Platz, mehr Nachfrage: Auf Mallorca wachsen Ein- und Zweizimmerwohnungen. Wer profitiert, wer bleibt auf der Str...

Vom Chaos zur Familie: 50 gerettete Hunde finden auf Mallorca ein neues Zuhause
Nach der Bergung von 50 Hunden aus einer stark verwahrlosten Finca bei Palma hat das städtische Tierheim alle Tiere medi...

Reality-Check: Wie viele Landhäuser auf Mallorca stehen wirklich außerhalb des Baurechts?
Eine Analyse von 55.256 ländlichen Häusern kommt zu dem Ergebnis: rund 15.800 könnten zum Zeitpunkt ihrer Errichtung geg...

"Nicht hier sitzen": Wie Schilder und Security das Eisessen in Palmas Altstadt regeln
In Palmas Altstadt sorgen Schilder, Security und genervte Anwohner dafür, dass Touristen nicht mehr überall ihr Eis geni...

Son Bonet: Mallorcas erster Flughafen – Heute Schulung, Feuerwehrstützpunkt und Zukunftsprojekt
Son Bonet bei Marratxí war der erste Flughafen der Insel, diente als Militärbasis, brachte in den 50er Jahren die ersten...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Erleben Sie beim SUP und Schnorcheln die besten Strände und Buchten auf Mallorca

Spanischer Kochworkshop in Mallorca
