
Prüfungsstau auf den Balearen: 7.000 Fahrschüler warten — warum fehlen die Prüfer?
Rund 7.000 Fahrschüler auf den Balearen warten Monate auf einen Termin zur praktischen Fahrprüfung. Ursachen: zu wenige Prüfer, unklare Kriterien und saisonale Engpässe. Was hilft kurzfristig, was braucht Struktur?
Warten, üben, verlegen: Der Führerschein-Stau, der auf den Inseln Alltag wird
Wenn morgens die Motorräder an der Avinguda Jaume III anrollen und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee durch die Straßen weht, sitzt irgendwo ein junger Mensch und wartet auf einen Anruf: Der Termin für die praktische Fahrprüfung. Aktuell stehen auf den Balearen rund 7.000 Fahrschüler auf Wartelisten — eine Zahl, die sich in Büros, Haushalten und Fahrschulen wie ein leises Ticken bemerkbar macht.
Die nackten Zahlen und das, was sie verschleiern
Das Problem ist nicht überraschend für diejenigen, die den Alltag kennen: Verbandspräsidentin Juana Ribas nennt die Ursache beim Namen — es fehlen Prüfer. Momentan sind auf allen Inseln nur 16 Prüfpersonal aktiv. Fahrschulen schätzen, dass mindestens sechs weitere Personen nötig wären, um die Wartezeiten halbwegs zu verkürzen. Für die Betroffenen heißt das: Mehr Fahrstunden bezahlen, Urlaub verschieben, Arbeit freinehmen oder nachts noch einmal in der Stadt üben, wenn die Nebenjob-Schicht vorbei ist. Laut einer aktuellen Untersuchung, sind nur knapp ein Drittel der Prüflinge erfolgreich, wie Fahrschulen auf Mallorca unter Druck zeigt.
Wenige Zahlen reichen, um den Unmut zu erklären, aber sie verschleiern zwei Dinge: Erstens trifft die Belastung nicht alle gleich — wer in Palma wohnt, hat unter Umständen eher Flexibilität als jemand aus einem bergigen Dorf in der Tramuntana. Zweitens ist da die Frage, ob die Tests wirklich strenger sind als auf dem Festland. Dieser Vorwurf kursiert immer wieder und trifft doppelt: lange Wartezeit plus höhere Durchfallquote.
Die zentrale Frage
Die Leitfrage lautet: Wie lassen sich Wartezeiten, Qualität und Fairness der Prüfungen gleichzeitig sichern — ohne dass Tausende Menschen monatelang ausgebremst werden? Das ist keine rein technische Frage, sondern eine des Personalmangels, der Organisation und auch der politischen Prioritätensetzung.
Was oft zu kurz kommt
In der Debatte dominieren zwei Punkte: mehr Prüfpersonal und digitale Termine. Beides stimmt — aber es greift zu kurz. Kaum diskutiert wird, warum gerade auf den Inseln die Rekrutierung von Prüfern so schwerfällt. Gründe, die selten laut ausgesprochen werden: geringe Besoldung oder Zusatzvergütungen für Inseldienste, Wohnsituation und Pendelwege zwischen Inseln, sowie die saisonale Spreizung der Nachfrage durch Tourismus und Rückkehrer. Ebenfalls relevant: bürokratische Hürden bei der Ausbildung und Zulassung neuer Prüfberechtigter.
Ein weiterer, oft übersehener Punkt ist die Verteilung der Termine. Prüfungen konzentrieren sich in größeren Orten — wer in kleinen Gemeinden lebt, ist auf längere Fahrten zu Prüfungstellen angewiesen. Das erhöht den Aufwand für Prüfer und Verkehrssicherheit gleichermaßen.
Konkrete und machbare Ansätze
Personal offensiv anwerben: Zielgerichtete Kampagnen, bessere finanzielle Anreize für Prüfpersonal und flexible Teilzeitmodelle könnten kurzfristig viele zusätzliche Stunden bringen. Eine Stelle in Palma ist attraktiver, wenn Pendelkosten, Unterkunftszuschüsse oder Zuschläge angeboten werden.
Mobile Prüfteams: Mobile Prüfeinheiten, die in ländliche Gemeinden fahren oder saisonal aufgestockt werden, könnten Fahrten verkürzen und die Verteilung verbessern. Solche Teams hören sich nach Bürokratie an, wären aber praktisch: Ein Prüfer kommt eine Woche nach Sóller, die nächste nach Llucmajor — die Einwohner sparen Zeit, die Prüfer bekommen klare Touren.
Bessere Terminvergabe und Transparenz: Ein digitales Reservierungssystem mit Echtzeitinformationen über freie Slots würde Unmut senken. Noch wichtiger ist Transparenz bei Bewertungsmaßstäben: Wenn Prüfkriterien klar und öffentlich sind, sinkt das Gefühl der Willkür — das entlastet Prüfer und Fahrschüler gleichermaßen.
Standardisierung der Prüfstandards: Wenn die Prüfungen nicht in der ganzen Region vergleichbar sind, entsteht Misstrauen. Einheitliche Bewertungsbögen, gemeinsame Schulungen für Prüfer und regelmäßige Qualitätschecks würden helfen, Vorwürfe von strengerer Beurteilung zu entkräften.
Koordination zwischen Fahrschulen und Prüfbehörde: Ein engerer Austausch über Prüfungsreife, Musterprüfungen und Nachschulung bei hohen Durchfallquoten kann helfen, Wiederholungen zu vermeiden — und damit neue Wartelisten zu entlasten.
Die Folgen des Nichtstuns
Ohne Maßnahmen bleibt die Last an den Betroffenen kleben: Eltern, die für Stunden zahlen; Arbeitnehmer, die nicht flexibel sind; Betriebe in ländlichen Gebieten, die auf Fahrfähigkeiten angewiesen sind. Und dazwischen Fahrschulen, die oft mehr Verwaltungsaufwand als Fahrtraining stemmen müssen. Das Geräusch eines hupenden Taxis vor dem Krankenhaus, die leisen Gespräche in einer Bar an der Plaça Major — all das sind kleine Alltagsszenen, die unter einer chronisch überlasteten Prüfstruktur leiden.
Ausblick
Es braucht keine Revolution, sondern eine Mischung aus Personalpolitik, Organisation und ein bisschen menschlicher Rücksichtnahme. Kurzfristig bringen finanzielle Anreize und mobile Teams Entlastung. Mittelfristig helfen Standardisierung und digitale Transparenz. Die Herausforderung bleibt, Verantwortliche zum Handeln zu bewegen — und zwar so, dass die Lösung auch die Menschen vor Ort spüren: weniger Warten, weniger Unsicherheit, mehr Lebensrhythmus statt Warteschleife.
Am Ende sind es nicht nur Zahlen: Es sind Menschen, die nachts noch einmal auf der Küstenstraße üben, Eltern, die für die Fahrstunden sparen, und Prüfer, die manchmal zwischen Terminen hetzen. Ein bisschen Planung, mehr Personal und ein offenes Ohr würden hier viel bewirken. Weitere Informationen zu den Herausforderungen bei der Fahrprüfung auf den Balearen finden Sie auch in dem Artikel Warum die Fahrprüfung auf den Balearen beim ersten Mal so selten gelingt.
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