
Das Ende von Son Dureta: Abriss schafft Platz – aber zu welchem Preis?
Der Abriss von Son Dureta ist fast abgeschlossen. Ein modernes Gesundheits- und Pflegezentrum soll entstehen. Doch Nachbarn fürchten Staub, Verkehr und Versorgungsengpässe. Wer sichert die Pflege während der Bauzeit, und welche Kompromisse sollten Stadt und Bauträger jetzt eingehen?
Das Ende von Son Dureta: Abriss schafft Platz – aber zu welchem Preis?
Es war ein Morgen, wie man ihn in Palma kennt: die Luft noch etwas kühl, ein paar Möwen über der Plaça espigulen, und plötzlich dieses tiefe Röhren – ein Bagger an der Calle Son Dureta, der die letzten Betonplatten zur Seite schob. Für viele ein Geräusch, das sich anfühlt wie ein Einschnitt. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren, das über Jahrzehnte Menschen auf der Insel begleitet hat, ist bis auf ein paar Reste gefallen. Was bleibt, ist nicht nur ein freies Grundstück, sondern eine Reihe offener Fragen.
Die große Frage: Wem nützt das neue Zentrum wirklich?
Auf dem Gelände sollen mehrere Neubauten Platz für rund 300 Betten, eine Tagesklinik, Reha- und geriatrische Angebote bieten. Ein jüngeres Gesundheitszentrum ist bereits in Bau und soll schätzungsweise 20.000 Menschen aus Palma regelmäßig versorgen. Das klingt auf dem Papier nach Fortschritt: modernere Medizin, vernetzte Angebote und mehr Pflegeplätze. Doch für die Anwohner und Geschäftsleute an der Avenida la cuestión ist klar: Fortschritt kostet Lärm, Staub und Umwege. Die zentrale Frage lautet deshalb: Wer profitiert kurzfristig und langfristig – und wer trägt die Belastungen, bis die neuen Angebote wirklich zur Verfügung stehen?
Kurzfristig nimmt der Verkehr zu, Lieferungen werden erschwert, Parkplätze verschwinden. Manuel, ein Bäcker an der Ecke, erzählt von frühmorgendlichem Staub auf seinen Brotkörben und verzögerten Lieferungen. Die Baufirma hat Staubschutznetze aufgehängt und spezielle Reinigungsfahrzeuge angekündigt – trotzdem liegen am Abend noch Reste herum. Ein handfester Hinweis, dass Theorie und Alltag nicht immer Hand in Hand gehen.
Langfristig versprechen Stadt und Gesundheitsbehörde bessere Versorgung und barrierefreie Zugänge. Doch zwischen Versprechen und Realität stehen Genehmigungsverfahren, Finanzierungspläne und die Frage nach Personal: Werden genug Pflegerinnen und Pfleger gefunden? Wie wird die ambulante Versorgung während der Bauzeit gewährleistet? Diese Fragen werden oft zu wenig laut gestellt, während die Maschinen noch röhren. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel Son Dureta verschwindet: Ende einer Ära, Anfang einer Debatte.
Aspekte, die in der öffentlichen Diskussion zu kurz kommen
Erstens: Kontinuität der Versorgung. Wenn bestehende Stationen geschlossen werden, müssen Alternativen bereitstehen. Für chronisch Kranke und alte Menschen sind kurzfristige Versorgungsunterbrechungen keine Kleinigkeit. Zweitens: Verkehr und Umwelt. Die Engstelle an der Avenida ist jetzt schon anfällig, und mit zusätzlichen Baustellenfahrten verschärft sich das Problem – gerade an windigen Tagen, wenn die Tramuntana Staub und Lärm weiterträgt. Drittens: Erinnerungskultur. Beim Abriss wurden ein paar Fliesen und ein vergilbtes Schild gefunden – für viele ein letzter Gruß. Gibt es Raum, Erinnerungen zu bewahren? Ein kleines Erinnerungsfeld auf dem neuen Gelände wäre mehr als Symbolik; es wäre Respekt gegenüber einer Generation von Arztinnen, Pflegern und Patientinnen.
Konkrete Chancen und Lösungen
Stadt, Bauunternehmen und Gesundheitsbehörde könnten jetzt zeigen, dass sie die Last fair verteilen. Vorschläge:
1. Phasenplan für die Versorgung: Klare Etappen, welche Abteilungen wann verlegt werden, verbunden mit temporären ambulanten Zentren in der Nähe. Mobile Pflege-Teams könnten Lücken überbrücken.
2. Striktes Verkehrs- und Staubmanagement: feste Anlieferungszeiten außerhalb der Stoßzeiten, geschützte Zufahrtsrouten für Lieferfahrzeuge, regelmäßige Nassreinigung der Straßen und Echtzeit-Informationen für Anwohner per App oder Aushang.
3. Dialog und Transparenz: Eine lokale Schaltstelle — ein Bau-Lotsenbüro vor Ort — das Beschwerden aufnimmt, Bauphasen erklärt und Termine kommuniziert. Eine einfache Maßnahme, die Vertrauen schafft.
4. Erinnerung integrieren: Ein kleines Museumseck oder eine Tafel mit Geschichten von Patientinnen, Ärzten und dem Personal könnten Son Duretas Rolle würdigen und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft sichtbar machen.
Wie die Nachbarschaft reagiert
Die Stimmung ist gemischt. Carmen aus La Missió, 68 Jahre alt, freut sich auf moderne Räume: „Endlich nicht mehr dieser Schimmelgeruch in alten Zimmern.“ Andere wie Manuel fürchten um ihre Existenz, wenn Lieferungen stocken. Und viele ältere Menschen fragen besorgt: „Werde ich in der Nähe behandelt, wenn ich es brauche?“
Die Stadt hat bereits Anpassungen angekündigt: Verlegung einer Bushaltestelle, Anpassung von TIB-Linien, mehr Fahrradständer und barrierefreie Zugänge. Das ist wichtig, reicht aber nicht ohne einen Plan für die Übergangsversorgung und einer klaren Kommunikation. Außerdem wird die Nachbarschaft durch den Bau von Son Bordoy auf dem Prüfstand: Wenn Neubau die Nachbarschaft verschluckt zusätzlich beeinflusst.
Blick nach vorne
In ein, zwei Jahren könnten hier anstelle der alten Mauern Innenhöfe mit Orangenbäumen Ruhe spenden und moderne Pflege Räume bieten, die heute fehlen. Bis dahin heißt es: Augen offenhalten, nachfragen, Druck machen — und, ja, vielleicht morgens eine Viertelstunde früher Brot holen, wenn der Bagger seinen Rhythmus hat.
Son Dureta war und bleibt ein Ort voller Erinnerungen. Die Herausforderung für Palma ist jetzt, aus dem Abriss nicht nur Bauland, sondern auch ein Beispiel für gute Stadt- und Gesundheitsplanung zu machen. Wenn die Verantwortlichen zuhören und handeln, kann das Projekt ein Gewinn für viele werden. Wenn nicht, bleibt am Ende ein schönes Gebäude – und ein bitterer Nachgeschmack für die, die den Preis vor Ort zahlten.
Wichtig für Anwohner: Morgens ist es oft laut, Zufahrten können kurzfristig gesperrt sein. Plant Wege neu, nutzt wenn möglich den Bus und meldet Probleme dem örtlichen Bau-Lotsenbüro – es sollte bald eingerichtet werden.
Ähnliche Nachrichten

Eine Tomate und ein Käse erobern die Welt: Voro-Gericht auf der Michelin-Liste
Mitten in Canyamel: Das einfache Gericht „Ramallet y mahonés“ aus dem Restaurant Voro wurde von Michelin zu einem der we...

Verweste Leiche nahe Son Banya: Warum das Verschwinden eines Menschen so lange unsichtbar blieb
Bei einer verfallenen Mühle an der Straße nach Llucmajor wurde eine verweste Leiche gefunden. Die Mordkommission ermitte...

Von Cala Rajada bis zu den Malediven: Dieter Bohlen und Carina Walz haben Ja gesagt
Der Pop-Produzent, seit vielen Jahren eng mit Mallorca verbunden, hat an Silvester seine langjährige Partnerin Carina Wa...

Mercat de l'Olivar: Zwischen Markt und Gastro — Wer sichert die Zukunft?
Der Mercat de l’Olivar wird 75. Tradition trifft auf Gastronomie, Touristenströme und Parkplatzzwang. Ein Reality-Check:...

Balearen 2026: Preise am Markt — Was bleibt vom Einkaufswagen übrig?
Experten erwarten für 2026 weitere, wenn auch langsamere Preiserhöhungen auf den Balearen. Was das für Mallorca-Alltag, ...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Erleben Sie beim SUP und Schnorcheln die besten Strände und Buchten auf Mallorca

Spanischer Kochworkshop in Mallorca
