
After-Eight, Mascarpone & Co.: Wie Palma das Eis jetzt zelebriert
In Palmas Gassen ist Eis längst kein schnelles Dessert mehr, sondern ein kleines Event. Zwischen Lonja und Fábrica-Passage zeigen Gelaterien Kreativität, Transparenz und lokale Gelassenheit — ideal für laue Abende vor der Kathedrale.
Eis als kleines Ereignis: Palma serviert mehr als Kugeln
Wer in diesen Tagen durch die Altstadt schlendert, spürt es schon im Hals: die leichte Süße in der Luft, das Murmeln der Menschen und das gelegentliche Klackern von Eislöffeln auf Porzellan. Rund um die Lonja und in der Fábrica-Passage reiht sich neuerdings nicht mehr nur eine Eisdiele an die andere, sondern kleine Schlangen vor hübsch gestalteten Theken. 28 Grad an einem späten Nachmittag – beste Bedingung für eine Geschmackstour.
Handwerk mit Show-Element
Viele Gelaterien treten inzwischen weniger als Imbiss, mehr als Werkstatt auf: Notizzettel an der Wand, Gläser mit getrockneten Früchten, eine Bedienung, die nicht nur verkauft, sondern erzählt. Ich stand letzte Woche um 17:30 Uhr in einer dieser Schlange, zwischen Einheimischen mit Einkaufstaschen und Touristen mit Kamera. Das After-Eight-Eis, das ich probierte, war keine nostalgische Kopie, eher eine respektvolle Erinnerung an die Schokoladenminze – kühl, nicht zu süß, mit einem Hauch Bitterkeit. Kein Kitsch, eher eine kleine Inszenierung.
Gleich gegenüber überraschte eine Mascarpone-Feigen-Kombination: samtig, leicht säuerlich, mit einem Hauch Honig. Eine Kugel davon macht auf der Zunge schon fast ein kleines Kapitel entzückender Aromen auf – Sauce überflüssig. Solche Kombinationen zeigen, wie sehr hier auf Texturen und Balance geachtet wird.
Minimalismus und Prunk
Anderswo bleibt man puristisch. Mango bleibt Mango, punkt. Keine Extras, sauber zubereitet, überzeugend allein. Und wieder ein paar Schritte weiter: pompöse Becher mit Keksstückchen, Nusskrümeln, Pürees und einer Dekoration, die beim ersten Biss ein vergnügtes Plopp aus Texturen liefert. Beides funktioniert. Beide Seiten der Medaille leben davon, dass man als Gast entscheiden kann, ob man schlicht oder luxuriös genießen will.
Interessant ist die Offenheit: viele Sorten sind klar deklariert – laktosefrei, ohne Farbstoffe, bio. Ob man das persönlich braucht, sei dahingestellt. Für die meisten ist es eher eine nette Transparenz. Die Preise variieren: zwischen einfachem Becher und kleinem Prunkbecher liegen oft zwei bis drei Euro. Kein Skandal, aber ein Unterschied – und eine Wahl.
Alltagsszene mit Soundtrack
Was ich mag: Es gibt sie noch, die einfache Gelateria mit klassischer Stracciatella, die nichts vorgibt außer guter Handarbeit. Am Ende zählt, dass das Eis an einem warmen Abend funktioniert: auf einer Bank vor der Kathedrale, mit Blick auf die Lichter am Passeig del Born und dem leisen Geschnatter von Mopeds im Hintergrund. Die Glocken einer Kirche. Ein verlassenes Zeitungsblatt, das vom Wind bewegt wird. Das sind die Szenen, in denen ein Eis mehr ist als Geschmack – es ist Atmosphäre.
Für die Insel bringt diese kleine, kulinarische Aufwertung Vorteile: Sie fördert lokale Handwerker, schafft Treffpunkte und sorgt dafür, dass Genuss ein bisschen bewusster wird. Touristen entdecken Neues, Mallorquiner finden vertraute Klassiker wieder. Und die Stadt gewinnt ein paar charmante Ecken dazu, wie in Samstag in Palma.
Einladung zum Schlendern
Mein Tipp: Nicht an der Promenade verharren. Durch die Gassen ziehen, in der Fábrica-Passage stehen bleiben, kleine Läden testen und zwischendurch ein paar Schritte zum Meer machen. Probiert unterschiedliche Konzepte: das experimentelle Eis, die puristische Kugel und die altehrwürdige Stracciatella. Nehmt euch Zeit. Ein Eis in Palma funktioniert am besten, wenn man es teilt – mit einem Gesprächspartner, einem Blick auf die Kathedrale und dem leichten Rauschen der Stadt.
Fazit: Eis in Palma ist nicht mehr nur Erfrischung, sondern kleines Kulturstück. Eine Einladung, die Geschmäcker der Insel neu zu entdecken – bei 28 Grad, mit Sandalen, Sonnenbrille und einem Löffel in der Hand. Weitere interessante Geschichten findet ihr in Die stillen Favoriten Palmas oder Infantin Elena in der Eisdiele.
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