Unfall auf der Ma-19 bei Can Pastilla: Alkohol, kein Gurt – was nun?

Nächtlicher Crash auf der Ma‑19 bei Can Pastilla: Alkohol, kein Gurt — wer zahlt den Preis?

In den frühen Morgenstunden überschlug sich ein Pkw nahe der Ausfahrt Can Pastilla. Alkoholverdacht und fehlender Sicherheitsgurt verschärfen die Tragödie. Warum passieren solche Unfälle auf der Ma‑19 so oft — und was könnte helfen?

Nächtlicher Crash auf der Ma‑19 bei Can Pastilla: Alkohol, kein Gurt — wer zahlt den Preis?

Grelle Blaulichter säumten in den frühen Morgenstunden die Ma‑19, als Anwohner aufwachten und die Sirenen hörten. Gegen 2:15 Uhr verlor ein 40‑jähriger Autofahrer nahe der Ausfahrt Can Pastilla die Kontrolle, prallte gegen die Leitplanke und überschlug sich mehrfach. Zeugenaussagen beschrieben quietschende Reifen, einen heftigen Knall und einen Wagen, der auf der Seite liegen blieb. Der Fahrer wurde offenbar durch eine Seitenscheibe geschleudert und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Erste Eindrücke: Rettung, Spuren und Fragen

Vor Ort lagen Glassplitter auf dem Asphalt, ausgelaufene Betriebsstoffe wurden gebunden, Abschleppwagen räumten die Wrackteile zur Seite. Die Guardia Civil leitete die Unfallaufnahme ein. Nach Angaben der Einsatzkräfte deuteten Hinweise auf Alkohol‑ und Drogenkonsum hin; Tests sollen Aufschluss geben. Ebenso unübersehbar war: der Mann war offenbar nicht angeschnallt — eine einfache Maßnahme, die hier fehlte und die Verletzungen vermutlich verstärkte.

Die Ma‑19 ist für viele Mallorquinerinnen und -kuriere mehr als nur Asphalt: sie verbindet Flughafenzubringer, Gewerbegebiete und Wohnviertel wie Can Pastilla. Frühmorgens starten Flugzeuge, nachts leuchten die Lichter der Bars an der Küste. Das Geräusch eines landenden Airbus mischte sich an diesem Morgen mit den Sirenen — ein bitterer, lokaler Kontrast.

Die zentrale Frage: Warum passieren solche Unfälle hier — und was wird selten diskutiert?

Wir fragen nicht nur „wer schuld war“, sondern: Welche Strukturfaktoren erhöhen das Risiko auf dieser Strecke? Die Antworten sind oft komplexer als ein einzelner Fehler am Steuer. Drei Aspekte fallen auf, werden aber in der öffentlichen Debatte selten verknüpft:

1. Nachtverkehr und Risikoverhalten: Die Ma‑19 führt viele Nachtschwärmer, Taxis und Lieferfahrzeuge. Alkohol und Party‑Kultur an Küstenorten wie Can Pastilla erhöhen das Risiko, gerade in den frühen Morgenstunden. Ein Taxi ist nicht immer in Sicht — oder es wird als zu teuer empfunden. Bei einem kürzlichen Vorfall auf derselben Strecke, Nächtlicher Überschlag auf der Ma-19 bei Can Pastilla, kam es zu ähnlichen Problemen.

2. Infrastruktur und Gestaltung: Leitplanken und Fahrbahnbelag können Unfälle nicht verhindern, sie mildern Folgen. Doch Streckengestaltung, Beleuchtung, rumble strips oder geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen fehlen an kritischen Stellen. Überschläge sind oft das Ergebnis kleiner Unsauberkeiten im Kurvenverlauf oder plötzlicher Ausweichmanöver.

3. Durchsetzung und Prävention: Mobile Kontrollen, Sichtbarkeit der Polizei und konsequente Sanktionen sind zeitweise schwach. Präventionsarbeit in Bars und bei Veranstaltern, Test‑Angebote nach Feiern oder subventionierte Nachttaxis sind kaum systematisch implementiert. Ein Beispiel dafür ist der tödliche Unfall auf Ma-19 bei Llucmajor, der ähnliche Sicherheitsrisiken aufzeigt.

Konkrete Maßnahmen, die jetzt helfen könnten

Was nützt Moralpredigt? Besser sind konkrete Vorschläge, die lokal umsetzbar sind — pragmatisch, nicht populistisch:

Kurzfristig: mehr mobile Alkoholkontrollen an Wochenenden und zu Feiertagen, sichtbare Präsenz der Guardia Civil an bekannten Hotspots, zusätzliche Rettungsposten für Nacht‑Ereignisse, klare Kennzeichnung von Unfallkritischen Kurven. Einfache technische Hilfen wie reflektierende Leitpfosten und rumble strips könnten sofort die Konzentration der Fahrenden erhöhen.

Mittel‑ bis langfristig: ein abgestimmtes Nachtnetz aus Bussen und Taxirabatten in den Sommermonaten, Kooperationen mit Bars und Veranstaltern für Heimfahr‑Tickets, verpflichtende Sicherheitsschulungen in Fahrerschulen mit Fokus auf Nachtverkehr und Drogenrisiken. Auch die Prüfung der Streckengestaltung auf der Ma‑19 — etwa zusätzliche Trennbarrieren oder Temporeduzierungen — wäre ratsam. Dies wurde auch im Zusammenhang mit dem Frontalcrash auf der Ma-13 bei Alcúdia diskutiert.

Und ganz praktisch: Jeder Anschnallen‑Aufkleber in Bar‑toiletten, jeder bereitgestellte Fahrdienst am Wochenende und jede zusätzliche Stunde Polizeiaufkommen kann Leben retten. Oft sind es nicht die großen Programme, sondern kleine, beständige Maßnahmen.

Nachwirkungen für die Nachbarschaft

Für Anwohner und Pendler blieb die Erinnerung an eine unruhige Nacht: die Blaulichter, der Stau, das Freiräumen der Straße. Solche Szenen wirken nach, sie verändern Gespräche in der Nachbarschaft, die Fahrweise mancher Pendler und das Vertrauen in die Sicherheit der Strecke. Die Ermittlungen der Guardia Civil werden jetzt klären, ob Anzeigen folgen und welche verkehrsrechtlichen Konsequenzen auf den Fahrer zukommen.

Am Ende liegt die Verantwortung bei vielen: bei denen, die feiern, den Konzepterstellern für Nachtmobilität, den Bars und nicht zuletzt bei der Politik, die Infrastruktur und Kontrollen organisiert. Ein Tipp, so banal wie wichtig: Anschnallen, nüchtern bleiben oder das Taxi nehmen — das erspart viel Tragik und Ärger. Und manchmal eben auch ein Leben.

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