
„Einfach schön, weil schlicht“: Deutsche Weihnachtsmesse füllt die Seu von Palma
Am 25. Dezember versammelten sich viele deutschsprachige Gläubige in der Kathedrale von Palma. Eine ökumenische Messe, Predigten von katholischen und evangelischen Seelsorgern und spürbare Verbundenheit prägten den Nachmittag.
„Einfach schön, weil schlicht“: Deutsche Weihnachtsmesse füllt die Seu von Palma
„Einfach schön, weil schlicht“: Deutsche Weihnachtsmesse füllt die Seu von Palma
Leitfrage: Was macht die deutschsprachige Weihnachtsmesse in der Seu von Palma so schlicht und berührend?
Am Nachmittag des 25. Dezember suchten zahlreiche deutschsprachige Besucher Zuflucht in der Kathedrale La Seu in Palma. Die Messe begann pünktlich um 16.40 Uhr und dauerte knapp eine Stunde. Vor der beeindruckenden Fassade, wo der Wind vom Meer die Palmenblätter rascheln ließ, war die Stimmung ruhig und erwartungsvoll.
Die Leitung des Gottesdienstes übernahmen Vertreter beider Konfessionen: Pfarrer Andreas Falow aus der katholischen Gemeinde sowie das evangelische Pfarrerehepaar Holmfried Braun und Martje Mechels. Ihre Worte verbanden christliche Weihnachten mit einfachen, lebensnahen Bildern; oft reichte ein kurzer Satz, um im Raum eine spürbare Nähe herzustellen. Anwesend war außerdem Monseñor Gabriel Amengual, der dem ökumenischen Treffen Respekt zollte.
Routiniert und ohne Pomp: So ließe sich die Feier beschreiben. Kerzenlicht spielte auf den gotischen Säulen, die Orgel setzte sparsamen Klangteppich, und dazwischen hörte man das gelegentliche Klappern von Absätzen auf dem Steinboden. Man sah Familien, Rentner und Menschen, die extra aus dem Norden angereist waren – die Mischung von Einheimischen und Zugezogenen machte das Bild komplett.
Eine Familie aus Niedersachsen, die Schimpfs, war bereits das 20. Mal dabei. Sie haben ein Haus auf der Insel und pendeln häufig zwischen Mallorca und der Heimat. „Die Kinder sind damit aufgewachsen“, sagte der Vater. Für sie gehört der deutschsprachige Gottesdienst zur Weihnachtstradition: schlicht, menschenfreundlich und ein Anlass zur gemeinsamen Besinnung.
Solche Treffen zeigen, wie sehr Rituale selbst an einem touristisch geprägten Ort wie Palma Anker sein können. In den Gesprächen nach dem Gottesdienst hörte man Nachbarschaftsbekanntschaften, Austausch über Feiertagspläne und die leisen Pläne, sich im neuen Jahr wiederzusehen. Vor der Kathedrale mischten sich die Glocken mit dem Stimmengewirr von Menschen, die sich Zeit ließen für einen Kaffee oder einen kurzen Plausch.
Wer den Abend länger in der Altstadt blieb, erlebte später einen weiteren Feierpunkt: Um etwa 23 Uhr leitete Bischof Sebastià Taltavull einen Gottesdienst auf Spanisch und Katalanisch. Eine besondere Bemerkung dazu: Der traditionelle Sibyllengesang, der sonst meist von einem Mädchen vorgetragen wird, wurde diesmal erstmals seit vielen Jahrzehnten von einem Jungen dargeboten. Toni López Descallar trat vor, und die alte Melodie entfaltete in seiner Stimme eine unerwartete Schwere.
Das Wetter passte zur Stimmung: milde 13 °C, lockere Wolken, keine Eile auf den Straßen. Die Kombination aus vertrauten Ritualen und der entspannten Inselruhe machte den Tag für viele Besucher zu einem kleinen Geschenk.
Ausblick: Wer Wert auf Besinnlichkeit und Bekanntes legt, wird hier weiterhin Anlaufpunkte finden. Solche Gottesdienste sind mehr als liturgische Akte; sie sind Treffpunkte einer Gemeinschaft, die zwischen zwei Ländern verkehrt und im Dezember besonders deutlich spürbar wird. Vielleicht die schönste Erkenntnis des Tages: Man braucht keinen großen Aufwand, um den Weihnachtsabend gemeinsam zu begehen – oft reicht Schlichtheit, ein offenes Ohr und die Bereitschaft, zusammenzukommen.
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