
Drei schwere Unfälle in einer Nacht: Alarm auf Mallorcas Straßen
In einer einzigen Nacht am 17. August kollidierten in Pollença, Palma und Andratx mehrere Fahrzeuge. Drei Menschen liegen schwer verletzt in Son Espases. Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme — und konkrete Maßnahmen.
Drei schwere Unfälle in einer Nacht: Alarm auf Mallorcas Straßen
Die Nacht auf den 17. August endete für mehrere Menschen auf Mallorca dramatisch. Innerhalb weniger Stunden gab es auf der Insel drei schwere Verkehrsunfälle — in Pollença, Palma und Andratx. Mehrere Verletzte liegen derzeit in der Notaufnahme des Krankenhauses Son Espases. Die Kette der Ereignisse stellt eine einfache, aber unbequeme Frage: Wie sicher sind Mallorcas Straßen nachts wirklich — und was muss sich ändern, damit so etwas seltener passiert?
Pollença: Radfahrer gegen Linienbus
In Pollença, an der Kreuzung Carrer del Port, krachte es gegen 23:40 Uhr. Augenzeugen sprechen von einem lauten Schlag, Taschenlampen, die in der dunklen Straße umherzuckten, und einem Busfahrer, der sichtlich unter Schock stand. Ein 54-jähriger Radfahrer wurde schwer verletzt. Sanitäter versorgten ihn vor Ort, bevor er nach Son Espases gebracht wurde. Sein Zustand wurde zunächst als ernst, aber stabil gemeldet.
Palma: Motorradfahrer verliert Halt auf nassem Asphalt
In Palma kam es in den frühen Morgenstunden zu einem weiteren Zwischenfall: Ein Motorrad stürzte auf offenbar nasser Fahrbahn, der Fahrer schlitterte gegen den Bordstein und zog sich schwere Beinverletzungen zu. Passanten beschreiben eine Szene, in der das Aufheulen der Rettungswagen die sonst ruhige Straßenecke durchschnitt. Auch dieser Verletzte wurde in Son Espases aufgenommen.
Andratx: Frontalzusammenstoß mit eingeklemmten Fahrern
Der schwerste Crash ereignete sich nahe der MA-1-Ausfahrt Richtung Port d’Andratx: Zwei Fahrzeuge kollidierten frontal, beide Fahrer mussten von der Feuerwehr aus ihren Autos geschnitten werden. Fotos der Einsatzkräfte zeigen aufgeblähte Airbags, zertrümmerte Seitenscheiben und Trümmer auf der Fahrbahn. Selbst ein unruhiger Hund, der kurz nach dem Unfall an der Unfallstelle auftauchte, wurde später von der Polizei beruhigt und weggebracht. Auch diese Verletzten wurden nach Son Espases gebracht; nähere Angaben zu Alter und Geschlecht liegen bislang nicht vor.
Leitfrage: Einzelne Unfälle oder Muster?
Solche Nächte werfen die Frage auf, ob es sich um Unglücksfälle ohne Zusammenhang handelt oder ob strukturelle Probleme auf der Insel zusammenkommen: enge Küstenstraßen, fehlende oder schlecht ausgeleuchtete Kreuzungen, unvorhergesehene Nässe durch Seespray oder lokale Schauer, dazu sommerliche Müdigkeit bei Fahrern. Besonders die MA-1, aber auch Nebenstrecken durchs Tramuntana-Gebirge, sind abends gefährlich — Kurven, schlechter Seitenaufbau, kaum Platz für Ausweichmanöver.
Was bisher zu kurz kommt
In der öffentlichen Diskussion werden oft nur Schuldfragen gestellt: Wer fuhr zu schnell? Wer übersah wen? Weniger beleuchtet wird, wie sich Infrastruktur, Verkehrslenkung und Prävention ergänzen oder versagen. Beispiele, die wir häufiger sehen sollten: fehlende Radwege an viel befahrenen Strecken, unzureichende Beleuchtung an Kreuzungen, kaum getrennte Fahrspuren für Motorräder und den zunehmenden touristischen Verkehr, und ein Mangel an gezielten Nachtschichten der Verkehrskontrolle.
Konkrete Vorschläge — ein pragmatischer Maßnahmenkatalog
Einige sinnvolle Maßnahmen könnten kurzfristig Leben retten:
1. Mehr Sichtbarkeit für alle Verkehrsteilnehmer: Bessere Straßenbeleuchtung an Unfallschwerpunkten, reflektierende Markierungen und zusätzliche Warnschilder auf kurvigen Küstenabschnitten.
2. Geschwindigkeitskontrollen und Verkehrspatrolien: Zeitlich verlegte Kontrollen in den späten Abendstunden, wenn Müdigkeit und Alkohol häufiger eine Rolle spielen.
3. Rad- und Motorradfreundliche Infrastruktur: Mehr geschützte Radwege, deutlichere Trennungen zu Busspuren und verbesserte Beläge, die bei Nässe besseren Grip bieten.
4. Schulung und Prävention: Fortbildungen für Bus- und Berufskraftfahrer, Kampagnen für Touristen über lokale Verkehrsregeln und saisonale Gefahren sowie Aufklärungsworkshops in Gemeinden.
5. Rettungskette stärken: Schnelleres Absichern der Unfallstellen durch Polizei und Feuerwehr, klare Abläufe, damit Ersthelfer helfen können, ohne Rettungskräfte zu behindern.
Ein Blick nach vorn
Die Bilder aus Andratx, die Notversorgung in Pollença und der rücksichtslos wirkende Rutsch in Palma sind Mahnungen. Mallorca ist laut in der Hochsaison, es riecht nach Meer und Abgasen, die Straßen sind enger als auf Kontinenten, und viele Menschen sind unterwegs — Einheimische, Saisonkräfte, Touristen. Sicherheitsverbesserungen verlangen finanzielle Mittel, politischen Willen und die Bereitschaft der Gesellschaft, Verhaltensweisen zu ändern.
Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und ihren Familien. Wer etwas gesehen hat, wird gebeten, sich bei der nächsten Polizeidienststelle oder über die Nummer 062 an die Guardia Civil zu wenden. Die Behörden ermitteln weiter; wir bleiben dran und berichten, sobald neue Details bekannt werden.
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