
Einigung im Krankentransport: Ruhe, aber keine Lösung auf Dauer
Der angekündigte Generalstreik im öffentlichen Krankentransport auf Mallorca ist abgewendet. Die Vereinbarung bringt kurzfristig Entlastung – doch die zentrale Frage bleibt: Reicht das für die dauerhafte Versorgung der Insel?
Einigung im Krankentransport: Ruhe, aber keine Lösung auf Dauer
Als am frühen Morgen die ersten Krankentransporte wieder ruhig über die Ma-23 Richtung Son Espases rollten, atmete die Insel hörbar auf. Die Sirenen in Palma waren nicht das Zeichen eines Ausnahmezustands, sondern nur die gewohnte, unaufdringliche Begleitung eines normalen Dienstes. Nach zähen Verhandlungen haben Gewerkschaften und Arbeitgeber eine Vereinbarung getroffen — der angekündigte Generalstreik im öffentlichen Krankentransport ist vom Tisch. Mehr dazu erfahren Sie hier.
Die Vereinbarung: Mehr Pause, mehr Personal — aber kein Zeitplan
Auf dem Papier stehen jetzt konkrete Punkte: einheitliche Verpflegungspauschalen, garantierte Pausenzeiten und die Zusage, im kommenden Jahr zusätzliche Stellen zu schaffen. Für die Beschäftigten bedeutet das spürbare Verbesserungen im Alltag: planbare Pausen, eine warme Mahlzeit auch während langer Schichten und weniger Überstunden zumindest auf dem Papier. Kein Wunder, dass am Getränkestand vorm Krankenhauspersonalzimmer plötzlich wieder häufiger gelacht wird.
Doch die Vereinbarung lässt wichtige Fragen offen: Wann genau werden die neuen Stellen ausgeschrieben? Wie viele werden wirklich finanziert — und sind es Festanstellungen oder prekäre Teilzeitverträge, die die Personalprobleme nur kaschieren? Die Antwort darauf entscheidet, ob die Einigung eine Dauerlösung oder nur ein Beruhigungspflaster ist. Diese Fragen wurden auch bereits beim TIB-Streik thematisiert.
Eine leise, aber brisante Realität
In der öffentlichen Debatte ging es viel um Pausen und Pauschalen. Weniger beachtet wurde, was den Krankentransport langfristig schwächt: saisonale Spitzen, die Zerklüftung der Dienste zwischen städtischen Kernen und entlegenen Gemeinden, die Belastung durch Tourismus und die hohe Fluktuation im Personal. In Orten wie Cala Millor oder Andratx können Engpässe völlig andere Auswirkungen haben als in Palma — Fahrzeiten werden länger, Ruhezeiten knapper.
Außerdem spielt die Wartung der Fahrzeuge eine Rolle, die bei knapper Kasse oft hinten ansteht. Ein Krankenwagen ist nicht nur ein Fahrer und eine Trage, sondern ein rollendes medizinisches Gerät, das regelmäßig geprüft und modernisiert werden muss. Wenn das fehlen, steigen die Ausfallzeiten — und damit die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem echten Notfall die richtige Hilfe nicht rechtzeitig ankommt.
Die zentrale Frage: Reicht dieses Paket für die Versorgungssicherheit?
Das ist die Leitfrage, die die Einigung begleitet. Kurzfristig hat die Insel gewonnen: Patienten können sich weiter auf geregelte Transporte verlassen, Urlauber bleiben während ihrer Pausen sicher. Langfristig braucht es jedoch verbindliche Zusagen — klare Zeitpläne, nachhaltige Budgets und Maßnahmen gegen Personalfluktuation. Andernfalls droht die nächste Auseinandersetzung in zwei Jahren. Dies wurde bereits bei einem Zehn Tage Busstreik deutlich.
Konkrete Chancen und Vorschläge
Aus Mallorcas Perspektive bieten sich mehrere pragmatische Ansätze: Erstens, eine transparente Ausschreibung neuer Stellen mit Mindestvertragslaufzeiten, damit Erfahrung nicht gleich wieder verloren geht. Zweitens, finanzielle Anreize für Dienste in Randgebieten — Zuschläge für Nacht- und Bergschichten (etwa im Tramuntana-Gebirge) würden gezielt Lücken schließen. Drittens, ein gemeinsames Monitoring: Arbeitgeber, Gewerkschaften und Gesundheitsbehörde sollten halbjährlich Reaktionszeiten und Ausfälle veröffentlichen. Viertens, eine mobile Ruhe- und Versorgungsstelle an touristisch stark frequentierten Punkten wie Port d'Alcúdia in der Hochsaison, damit Fahrer echte Pausen bekommen.
Und nicht zu vergessen: lokale Ausbildungswege stärken. Kurse an Berufsschulen auf der Insel, Praktika in Rettungsdiensten und klare Karrierepfade könnten junge Leute an den Job binden — auch wenn sie nach der Saison oft der Versuchung ins Ausland widerstehen müssen.
Fazit: Durchatmen, aber aufmerksam bleiben
Die Einigung hat der Insel zunächst Ruhe beschert. In den kommenden Wochen wird man an den Einsatzstellen wieder häufiger vertraute Stimmen hören: das Klacken der Handschellen, das leise Rufen ins Funkgerät, die kurzen Gespräche über das Wetter am Paseo Marítimo bei der Übergabe. Doch die wirkliche Arbeit beginnt jetzt: aus Absichtsbekundungen dauerhafte Strukturen zu machen. Wenn das gelingt, bleibt Mallorca trotz Touristenandrang und Sommerhitze gut versorgt. Wenn nicht, könnte der nächste Ausstand nur eine Frage der Zeit sein.
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