
Mein erstes Orangenabenteuer auf Mallorca – 1976 in Cala d'Or
Mein erstes Orangenabenteuer auf Mallorca – 1976 in Cala d'Or
Eine persönliche Erinnerung an Flugzeugrauch, Telefonzellen, frische Ensaimadas und Orangen vom Feld: wie Mallorca in den 1970ern schmeckte und klang.
Mein erstes Orangenabenteuer auf Mallorca – 1976 in Cala d'Or
Ein Kurztrip mit viel Geschmack: Fliegen, Strandküsse (verboten) und der Duft frisch geernteter Orangen
Es war 1976, und der Weg auf die Insel führte mich in einer Tristar-Maschine von Düsseldorf nach Palma. Im Flugzeug gab es damals noch ein kleines Bordmahl, Zigarettenrauch war erlaubt, und die Welt wirkte größer, weil Reisen nicht so beiläufig wie heute waren, wie in Als Mallorca noch mit Propellern begann beschrieben. Ich erinnere mich an die leichte Vibration beim Start, das Klirren eines Tabletts und an das erste Mal, als ich unter mir die Pinienkronen von Cala d'Or erkannte.
Am Boden war vieles anders als heute. Telefonate liefen über Münztelefone; das Münzfach rasselte, wenn man alle paar Minuten eine Verbindung ergattern wollte. Die Warteschlangen vor den Kabinen wirkten wie kleine soziale Treffpunkte: man hörte Pläne, laute Begrüßungen und gelegentlich ein Lachen, wenn wieder jemand mit einem Drahtstück eine Freisprechtrick versucht hatte. Es gab weder Supermärkte mit endlosen Regalen noch große Tankstellenketten; den Wein kaufte man in der Cooperativa in Felanitx in den bekannten fünf-Liter-Korbflaschen, und das Brot war meist Baguette – gut genug für den Tisch.
Der Markt am Sonntag – das kann ich bis heute riechen – war eine Mischung aus Zitrusduft, frischem Fisch und der schweren Süße von Mallorcas Ensaimadas, die vor allem die Kinder anzogen. Den Fisch bekamen die Leute direkt am kleinen Hafen, der damals deutlich kleiner war als heute. Am Kai standen einige Fischer, sortierten Netze und tauschten die Nachrichten des Tages aus; der Hafen wirkte wie ein Dorfkern, umgeben von Pinien und dem Rascheln der Nadeln.
Die Regeln der Zeit waren sicht- und spürbar: Küssen in der Öffentlichkeit galt noch als anstößig, oben ohne war tabu, und Namen wie die Balnearios sprachen für sich. Für uns war das ein Teil des Charmes. Das Leben lief langsamer, die Nächte waren einfacher: wenn ein Gewitter kam, konnte die Insel für Stunden im Dunkeln liegen; Kerzen und Streichhölzer lagen bereit, und gekocht wurde mit Gas. Ein kleiner Sonnenuntergang, ein improvisiertes Abendessen, und das Leben fühlte sich unmittelbar an, ein Eindruck, den auch Mallorca im Rückspiegel aufgreift.
Praktische Dinge waren Abenteuer. Tanken bedeutete, zur alten Zapfsäule an der Plaça Espanya in Felanitx zu fahren und zu hoffen, dass geöffnet war. In Cala d'Or gab es zwar eine Tankstelle am Hafen, doch ihre Öffnungszeiten waren eine Überraschung. Und beim Fliegen konnten Zwischenstopps in Linz oder Ibiza den Rückweg unerwartet verlängern – aber das gehörte dazu, wie Ruhig an den Flughafen nahelegt.
Ein ganz besonderer Moment: die Orangen. Ich sammelte welche direkt vom Feld – saftig, noch warm von der Sonne. Das Gefühl, mit schmutzigen Händen und klebrigen Fingern durch die Felder zu laufen, das Knacken der Schale zwischen Daumen und Zeigefinger, das war ein kleines Fest. Solche einfachen Freuden zeigen mir bis heute, warum Menschen sich an diese Insel hängen: Gerüche, Geschmack und die unmittelbare Verbindung zur Landschaft.
Es gab Kurioses: ein tragbarer Fernseher mit zwei V-Antennen, der manchmal nur Schneeflocken zeigte; spezielle Läden für Spirituoses, in denen Bier und Branntwein gekauft wurden; und Produkte, die man von zu Hause mitbrachte, weil die Auswahl begrenzt war. All das machte die Zeit überschaubar und gleichzeitig lebendig.
Heute, wenn ich durch die schattigen Gassen von Cala d'Or gehe, höre ich das Knirschen von Kies unter den Schuhen, das ferne Klappern eines Bootes und sehe Touristen mit Smartphones, die vieles sofort finden können, wie in Mallorca aus erster Hand: Stimmen von der Playa de Palma beschrieben. Aber an einem Stand, wo localer Wein in Korbflaschen angeboten wird, an einem Marktstand mit frischem Obst oder bei einer Bäckerei mit warmen Ensaimadas, entdecke ich dieselbe Ruhe, die mir 1976 so gutgetan hat.
Warum sind solche Erinnerungen gut für Mallorca? Weil sie uns daran erinnern, dass die Insel nicht nur aus Postings und Hotels besteht, sondern aus kleinen, greifbaren Momenten: dem Geschmack einer frisch gepflückten Orange, dem Gespräch mit dem Fischer am Hafen, dem Klang einer Telefonmünze, die fällt. Diese Details nähren die Identität der Orte und helfen, Verantwortungsbewusstsein zu schaffen für das, was erhalten bleiben soll.
Mein kleiner Ausblick: Wenn wir heute lokale Märkte unterstützen, die Cooperatives besuchen und den Kindern wieder beibringen, wie man eine Orange richtig schält, bewahren wir mehr als Aromen. Wir bewahren Geschichten. Wer die Insel kennenlernen will, lässt sich Zeit, nimmt sich einen Kaffee (oder die eigene Kaffeetasse) und geht an einem Sonntag auf den Markt. Die Insel dankt es mit Geschmack und Erinnerungen.
Über den Erzähler: Ein ehemaliger Exportleiter, inzwischen Rentner und Bewohner des Ostens Mallorcas, der im Alltag mal malt, mal schreibt und gern mit einem Spaziergang durch Pinienhaine beginnt.
Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle
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