
Als Mallorca noch mit Propellern begann
Bevor Apps und Billigflieger das Reisen bestimmten, brachten Propeller, Caravelle und Tristar Urlauber auf die Insel. Ein lokaler Rückblick auf die Fluglinien, die Mallorca prägten — mit Geräuschen, Gerüchen und ein bisschen Heimweh.
Als Mallorca noch mit Propellern begann
Früher, als Ferien noch ein Ritual im Reisebüro waren, sah Mallorca anders aus. Man steckte Zettel in Ordner, trug Koffer durch verrauchte Flughallen und wartete auf den Aufruf am Lautsprecher, dessen Knacken heute fast nostalgisch klingt. Mein Onkel Werner schwört, dass ein verregneter Mittwoch in Düsseldorf mit einer stämmigen Reiseberaterin und einem Papierrucksack voller Tickets mehr Vorfreude erzeugte als jede App heute.
Pioniere mit Propellercharme
Die ersten Flüge zur Insel glichen Expeditionen. Vickers Viking oder Douglas DC‑4: Propeller surrten, das Flugfeld roch nach Motoröl und Benzin, Polster knarrten. Es war kein Massentourismus, es war ein Privileg, das man sich leistete. Manche Fluggäste kannten sich; man tauschte Tipps über Hotels und die beste Sangría aus, noch bevor man Palma erreicht hatte. Die Landung war ein kleines Ereignis, begleitet vom Klappern der Fahrwerksklappen und dem leisen Murmeln der Insel, die sich unter den Flügeln zeigte.
Die Jet-Ära und ihr Sound
Mit der Caravelle begann ein anderes Kapitel. Die Maschine brachte Geschwindigkeit, neues Design und — für manche — sogar eine Bordbar, von der man sich heute mit einem Augenzwinkern erzählt. Später rollten größere Typen wie die Lockheed L‑1011 Tristar über die Startbahn. Airlines wie LTU und Condor wurden zu Sommermarken: Werbung, Katalogbilder und das Versprechen von Sonne. Auf den Rollfeldern sah man die Boeing 727, die Douglas DC‑9 und später die erste Generation der A320‑Familie und 737er. Jedes Triebwerk hatte seinen eigenen Puls. Am frühen Morgen, gegen 06:30 am Flughafen Palma, kann man das noch hören — ein anderes Dröhnen als das der neuen Generationen, älter und irgendwie handwerklicher.
Namen, die Mallorca prägten
Viele Gesellschaften bestimmten über Jahre, woher Urlauber kamen. Einige, wie Condor, blieben fast selbstverständlich. Andere, wie Südflug, Air Commerz, Bremenfly oder Hamburg Airlines, tauchten auf und verschwanden wieder. Manchmal wirkten die Start-ups wie lokale Helden: Sie organisierten Sonderflüge, füllten Urlaubsorte mit neuen Gästen und sorgten dafür, dass Dörfer wie Calvià oder Alcúdia über dem Sommer aufblühten. In Stuttgart und München hatte man seine Favoriten, aus Hamburg kamen oft kreative Ideen, in Frankfurt entstanden größere Anbieter.
Regionale Spuren im Alltag
Die Präsenz bestimmter Airlines hinterließ Spuren: Reiseleiter, die dieselbe Uniform trugen, Hotelgäste mit vertrauten Routinen, Zeitungen mit regelmäßigen Anzeigen. Auf den Märkten und in den Tapas‑Bars lernte man neue Wörter, Preise schienen sich saisonal zu verändern, und selbst die Müllabfuhr in einigen Orten wusste genau, wann die Hochsaison begann. Piloten, die nach Dienstschluss ein kleines Glas in der Hafenbar tranken, erzählten vom Handwerk des Fliegens. Ältere Flughafenmitarbeiter erinnern sich noch an die Zeiten, als man einen Koffer persönlich verabschiedete.
Was geblieben ist — und was nicht
Heute dominieren A320 und 737 das Bild, der Check‑in ist meist digital, und Billigflieger haben die Reise für viele möglich gemacht. Das hat Mallorca verändert — positiv und kompliziert zugleich. Mehr Gäste bringen mehr Leben, aber auch neuen Druck auf Infrastruktur und Landschaft. Trotzdem: An manchen kühlen Morgen, wenn die Sonne über der Sierra de Tramuntana gerade die Dächer in Gold taucht, sitzt jemand mit einem Kaffee am Terminalfenster und lauscht. Ein alter Pilot sagt dann gern: „Da war mehr Handwerk drin.“ Ich lächle, nehme einen Schluck, sehe eine A320 rollen und denke: Jede Generation hat ihren Sound — und ihre eigenen Geschichten, die auf der Insel hängenbleiben.
Ein lokaler Blick auf die Fluggeschichte Mallorcas — mit einem Augenzwinkern und dem Klang vergangener Motoren im Ohr.
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