
Feli vom "Deutschen Eck": Wie eine Wirtin die Playa de Palma zusammenhält
Feli vom "Deutschen Eck": Wie eine Wirtin die Playa de Palma zusammenhält
Im Herzen der Playa de Palma sorgt Felicitas Bohrmann seit Jahren dafür, dass aus Gästen Nachbarn werden. Ihr Geheimnis: Nähe, Beständigkeit und ein Sinn für Ordnung — selbst bei wildfremden Partygängern.
Feli vom "Deutschen Eck": Wie eine Wirtin die Playa de Palma zusammenhält
Der Wind trägt den Duft von Brathähnchen über die Uferpromenade, irgendwo fallen Biergläser aneinander, und vor dem Lokal stehen Menschen in schrillen Kostümen — Adiletten mit weißen Socken leuchten im kühlen Januarlicht. So sieht ein Nachmittag im "Playa de Palma" an der Playa de Palma aus, wenn Felicitas Bohrmann hinter dem Tresen steht. Kein Szenario für stumme Bedienungen: Hier wird gelacht, gerufen und erzählt, als säße man im Wohnzimmer einer großen, lauten Familie.
Felicitas ist 41, vor Jahren aus Deutschland hierhergezogen und seit 2010 ein fester Bestandteil der Playa. Sie hat als junge Frau schon in der Gastronomie gelernt, wie man im Durcheinander Hände, Teller und Nerven zusammenhält. Ihr Weg führte über das Restaurant XII Apóstoles zurück an die Küste, ehe sie ins Deutsche Eck wechselte — ein Lokal, das ihr heute genauso vertraut ist wie den vielen Stammgästen, die regelmäßig wiederkommen.
Im Laden sind etwa 30 Leute beschäftigt; viele bleiben Jahre. Das fällt auf. Personalfluktuation ist in dieser Branche sonst eine Konstante. Hier nicht. Die Gründe sind simpel: verlässliche Abläufe, ein Teamgefühl und das persönliche Interesse der Chefin an den Menschen, die an den Tischen sitzen oder hinter dem Tresen stehen. Wenn jemand zu lange nichts isst oder zu viel trinkt, mischt sich Felicitas ein — nicht um zu belehren, sondern um aufzupassen. Viele Gäste erzählen, sie hätten im Deutschen Eck schon Weihnachten gefeiert oder seien während eines Mallorca-Urlaubs hier eingekehrt und blieben seither treue Besucher.
Was den Alltag am Ballermann so verträglich macht? Ein Mix aus klaren Regeln und menschlicher Wärme. Felicitas erzählt, dass Ausraster selten sind; meist reicht eine direkte, kurze Ansage. Ärgerlich findet sie vor allem eines: die verstreuten Aufkleber, die Besucher überall hinterlassen. Ihre Antwort darauf ist pragmatisch und ein bisschen charmant — ein Stickeralbum, in das Gäste ihre Souvenirs kleben dürfen, statt die Wände zu verunzieren. Eine kleine Regel, die die Stimmung erhält und die Ordnung bewahrt.
Privat funktioniert die Balance ähnlich: Im Sommer sind die Arbeitsmonate lang und intensiv, im Winter bleibt mehr Zeit für Reisen mit Mann Michael und der zehnjährigen Tochter. Die Familie lebt hier, arbeitet hier — und feiert gelegentlich auch mit den Gästen auf der Partymeile. Trotz eines Altersunterschieds von 16 Jahren zwischen Felicitas und Michael ist das Verhältnis eng verzahnt; im Betrieb gilt eher: Kompetenz vor Konzessionen.
Die Szene am Tresen — das Klirren, das Geschnatter, die kleine Fürsorge, wenn jemand schwächelt — ist mehr als touristischer Kitsch. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Gastronomie auf Mallorca funktionieren kann: nicht nur als Ort des Konsums, sondern als sozialer Treffpunkt, der Arbeit und Nachbarschaft verbindet. Solche Lokale schaffen Verlässlichkeit für Beschäftigte und ein Gesicht für die Destination, das viele wiederkommen lässt.
Was andere Wirte und Betriebe von Felicitas lernen können, ist keine Raketenwissenschaft: vertraute Abläufe, echtes Interesse an der Crew, klare, einfache Regeln — und kleine, kreative Lösungen für wiederkehrende Ärgernisse. Ein Stickeralbum statt Kleber an der Wand ist so ein kleiner, wirksamer Trick. Ebenso helfen feste Arbeitspläne, gemeinsame Essen für Mitarbeiter in ruhigeren Monaten und lokale Stammgast-Abende, um die Bindung zu stärken.
Die Playa braucht diese Art von Beständigkeit. In einer Branche, die oft von Saisonwellen und schnellen Gewinnen geprägt ist, wirken Orte wie das Deutsche Eck bodenständig. Sie bieten Arbeitsplätze, schaffen Gemeinschaft und geben der Promenade ein menschliches Gesicht — auch an grauen Januartagen, wenn die Temperatur bei rund 15–16 °C liegt und die Adiletten trotzdem getragen werden. Vielleicht ist das die eigentliche Stärke: ein Ort, an dem Fremde zu Bekannten werden und die Insel dadurch ein Stück wohnlicher bleibt.
Ein kleiner Ausblick: Wenn mehr Betriebe solche Alltagsregeln pflegen, könnte Mallorca künftig noch entspannter erscheinen — für Besucher wie für die Menschen, die hier arbeiten. Inspiration liegt oft im Kleinen: ein offenes Ohr, eine feste Schicht, ein Stickeralbum. Feli macht es vorm, und die Playa schaut zu — mit einem Lächeln und einem vollen Glas in der Hand.
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