Rafael Fiol: Gospel und Dimonis verbinden Kulturen in Palma

Rafael Fiol: Zwischen Gospel und Feuer — ein Mallorquiner, der verbindet

Rafael Fiol: Zwischen Gospel und Feuer — ein Mallorquiner, der verbindet

Ein Chorleiter am Strand, ein Dimoni in Fortí: Rafael Fiol bringt Gospel und Volksbrauch zusammen. Wie seine Arbeit in Kirche und Pyrogruppen Menschen vernetzt — und warum das gut für Mallorca ist.

Rafael Fiol: Zwischen Gospel und Feuer — ein Mallorquiner, der verbindet

Vom Kirchenchor an der Playa de Palma bis zu den Feuern der Dimonis im Fortí

Wenn morgens um kurz nach sechs die Luft über Playa de Palma noch frisch und leicht bewölkt ist und die Straßenarbeiter an der Playa de Palma ihre ersten Fahrzeuge parken, hört man manchmal schon Stimmen aus der Kirche Porciúncula. Kein lautes Proben, eher ein warmes Stimmengewirr: ein Blick hinter die Türen zeigt eine bunte Schar, die sich aufs Singen einstimmt. Dahinter steht Rafael Fiol — in Palma geboren, mit einer Familientradition in Musik, zugleich auf den Festen der Insel als Dimoni unterwegs.

Fiol leitet die Palma Gospel Singers, eine Gruppe, die seit 2015 an diesem Kirchenstandort aktiv ist. Rund 64 Menschen singen dort das Jahr über zusammen; Sopran, Alt und Tenor sind so verteilt, dass der Klang im Kirchraum seine Balance findet. Für Fiol ist Gesang ein Werkzeug: nicht nur Noten und Töne, sondern ein Weg, Leute zusammenzuführen. Das merkt man, wenn in einer Probe Lachen zwischen den Einsätzen auftaucht oder jemandem die Stimme zittert und die anderen mit einem Haltepunkt auffangen.

Parallel dazu bewegt sich Fiol in einer ganz anderen Sphäre: als Mitglied einer Colla, die sich „Teufel der Höhle des schwarzen Ziegenbocks“ nennt und ihren Sitz im alten Velodrom im Fortí hat. Etwa 40 Personen bilden diese Truppe — Feuerspucker, Blasebalgbläser, Sensenmänner und eben die Dimonis in ihren charakteristischen Kostümen. Beigefarbene Kapuzen, Beine mit schuppenartiger Zeichnung und eine Palette aus Braun- und Olivtönen machen die Outfits wiedererkennbar. Die Masken sind nicht nur Verkleidung, sie sind Werkzeuge, um eine Rolle anzunehmen und die festliche Energie auf die Straße zu bringen.

Beide Welten — die ruhigen Proben im Kirchenraum und die laut knisternden Correfocs beim Sant Antoni — mögen auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. In der Praxis ergänzen sie sich. Gospelworkshops bringen Menschen unterschiedlichen Alters und Herkünften zusammen; die Teufelsläufe bündeln kollektive Rituale, die in Mallorcas Volkskultur seit Jahrhunderten verwurzelt sind. Wer Fiol bei einem Auftritt erlebt, spürt, dass es ihm nicht um Show allein geht, sondern um Gemeinschaftsbildung: Sängerinnen, Sänger und Maskenträger schaffen gemeinsam Erinnerungen.

Ein Aspekt, der in jüngerer Zeit an Gewicht gewonnen hat, ist die Rolle externer Unterstützung. Projekte wie diese erhalten finanzielle Förderung aus dem Tourismussektor, unter anderem über Programme großer Anbieter und Stiftungen, die lokale Initiativen fördern. Solche Partnerschaften ermöglichen Probenräume, Material für Kostüme und Angebote für Workshops — und sie öffnen Türen zu neuen Publika, ohne die Authentizität der Bräuche zu verwässern, wenn sie sensibel gemanagt werden.

Was bedeutet das konkret für Mallorca? Zum einen: kulturelle Vielfalt ist ein Plus. Ein Gospelchor, der in El Arenal singt, bereichert das musikalische Angebot für Einheimische und Gäste. Zum anderen: traditionelle Ereignisse wie die Correfocs bleiben lebendig, wenn junge Leute die Rolle der Dimonis übernehmen und eigene Charaktere entwickeln. Beides zusammen stärkt Nachbarschaften — von der Straße vor der Porciúncula bis zum Fortí-Velodrom — und bietet nachhaltige Erlebnisse, die über reines Konsumieren hinausgehen.

Wer einen praktischen Einstieg sucht: Schaut euch eine Probe der Palma Gospel Singers an oder besucht einen offenen Workshoptag der Colla im Fortí. Für Veranstalter ist die Idee naheliegend, Gospelstücke als Intro zu Volksfesten zu nutzen oder kurze Bildungsprojekte in Schulen zu bringen. Für Touristiker gilt: echtes Miteinander passiert nicht auf dem Flyer, sondern am Probenplatz und hinter der Maske.

Am Ende bleibt ein Bild: Nach einer Correfoc-Nacht auf der Plaça, wenn die Funken langsam verglühen und der Geruch von Rauch noch in den Gassen hängt, hört man irgendwo das ferne Echo eines Gospelchors. Zwei scheinbar verschiedene Klänge, die auf Mallorca gut zusammenpassen — weil hier Menschen aus unterschiedlichen Welten gern zusammenfinden, um etwas zu schaffen, das bleibt.

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