Bauarbeiten im Hafen von Port d’Andratx mit Baggern, Rohrleitungen und abgesperrtem Straßenbereich.

Großbaustelle in Port d’Andratx: Wer zahlt den Preis für die Kanal-Erneuerung?

Großbaustelle in Port d’Andratx: Wer zahlt den Preis für die Kanal-Erneuerung?

Im Hafen von Port d’Andratx laufen Arbeiten zur Modernisierung des Abwassersystems – mehr als 4,1 Millionen Euro, schwere Maschinen, Angst vor Lärm und Lieferengpässen. Eine kritische Betrachtung, was fehlt und wie die Insel die Baustelle besser stemmen könnte.

Großbaustelle in Port d’Andratx: Wer zahlt den Preis für die Kanal-Erneuerung?

Leitfrage: Lässt sich die Modernisierung des Abwassersystems mit Alltag, Tourismus und Hafenleben verträglich verbinden?

Seit Anfang Januar rumpeln Bagger und Walzen durch den Hafen von Port d’Andratx. Die Gemeinde hat angekündigt: Das Abwassersystem wird modernisiert, die Kläranlage soll erneuert werden, das Projekt kostet mehr als 4,1 Millionen Euro. Auf den ersten Blick eine notwendige Investition. Für die Menschen, die hier jeden Morgen den Kaffee an der Mole trinken, die Fischer, die ihre Netze richten, und Ladenbesitzer, die im Wochenrhythmus Ware anliefern müssen, ist das aber auch ein spürbarer Einschnitt.

Die offizielle Botschaft ist beruhigend: Die Arbeiten beschränken sich auf die Fahrbahn, Gehwege und Zugänge zu Häusern und Geschäften bleiben frei; der erste Abschnitt im Hafenbereich soll noch vor Ostern fertig sein. Das klingt gut – und doch bleibt die Sorge: Wenn schwere Lkw mit Betonringen morgens um sechs die schmale Hafenstraße befahren, stauen sich die Lieferungen und die Parkplätze am Morgen sind weg. Der Duft von gebratenem Fisch mischt sich mit Dieselabgasen, und an einem regnerischen Tag wird aus der Baustelle schnell eine Schlammpiste.

Werfen wir einen kritischen Blick auf die Abläufe. Erstens: Zeitplanung. Ein Abschluss „vor Ostern“ ist eine grobe Vorgabe, kein verlässlicher Termin. Baustellen verzögern sich, Material‑ oder Personalengpässe können die Arbeiten in die touristische Hochsaison ziehen — wie bereits bei ähnlichen Projekten auf der Insel beobachtet wurde, etwa bei der Fahrbahnerneuerung Paguera–Andratx. Zweitens: Kommunikation. Aktuelle Hinweise reichen zwar, aber wer morgens einen Handwerker oder eine Lieferung erwartet, braucht kurzfristige, präzise Informationen – und das nicht nur per Aushang, sondern über Whatsapp‑Gruppen der lokalen Geschäfte, Aushänge an Anwohnern und deutlichere Baustellenschilder.

Was im öffentlichen Diskurs bislang zu kurz kommt: die ökologische Seite. Eine Kläranlagen‑Erneuerung kann Emissionen und Gerüche reduzieren, wenn Technik und Betrieb stimmen. Aber begleitende Maßnahmen — regelmäßiges Monitoring der Wasserqualität, klare Angaben zur Entsorgung von Baggergut und zum Umgang mit möglichen Altlasten — sind selten Gegenstand der Öffentlichkeitsarbeit, wie Berichte zur Sanierung am Hafen zeigen. Ebenso wenig wird diskutiert, wie der Hafenbetrieb während der Bauzeit im Detail geschützt wird: Wo können Fischer temporär anlegen, wie werden Bootslieferungen abgewickelt?

Eine Alltagsszene: Am frühen Morgen sitzt die Wirtin einer kleinen Tapas‑Bar am Hafen, gießt leidenschaftslos ihren dritten Kaffee und schaut dem Baggermann zu. Die Nachbarin bringt frisches Brot, der Lieferwagen bleibt diesmal drei Gassen weiter stehen. Ein Tourist bleibt stehen, fotografiert die Maschine, zuckt mit den Schultern und dreht sich wieder um. Solche Momentaufnahmen zeigen, dass das Leben weitergeht — aber nicht ohne Störungen.

Konkrete Lösungsansätze, die sofort umzusetzen wären: 1) Präzise Zeitfenster für Lieferungen festlegen und kommunizieren; zentrale Ladezonen außerhalb der engsten Hafenstraße einrichten. 2) Nacht‑ oder Frühschichten für lärmintensive Arbeiten vermeiden oder klar regeln, damit Anwohner Nachtruhe behalten. 3) Ein digitales Baustellen‑Update (täglicher Status per Messenger und Aushang) für Gewerbetreibende und Anwohner. 4) Umweltmonitoring durch unabhängige Proben vor Ort und transparente Veröffentlichung der Ergebnisse. 5) Temporäre Park‑ und Fußgängerführungen, gut ausgeschildert und barrierefrei, damit alteingesessene Geschäfte nicht Kunden verlieren.

Diese Vorschläge sind nicht teuer, sie erfordern Organisation und den Willen der Gemeinde und der Baufirma, vor Ort eng zusammenzuarbeiten. Es ist ein Unterschied, ob eine Baustelle als notwendiges Übel wahrgenommen wird oder als Projekt, das mit Blick auf Menschen, Tourismus und Umwelt gestaltet wird, wie auch Vergleiche mit Projekten wie der Sanierung Peguera–Port d’Andratx nahelegen.

Fazit: Die Erneuerung der Abwasserinfrastruktur in Port d’Andratx ist richtig und überfällig. Die Frage bleibt, wie gerecht die Lasten verteilt werden. Wenn die Gemeinde mehr in präzise Kommunikation, Schutz der lokalen Wirtschaft und Umweltüberwachung investiert, muss nicht nur der Kanal erneuert werden — sondern auch das Vertrauen der Nachbarschaft. Ohne solche Maßnahmen droht die Baustelle, länger und teurer zu werden, als der ursprüngliche Kostenvoranschlag nahelegt. Und das ist eine Lektion, die nicht nur Port d’Andratx, sondern viele Orte auf Mallorca gerade lernen.

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