
„Ich liebe Deutschland“ – wie Maria Sureda als Fremdenführerin Brücken baut
„Ich liebe Deutschland“ – wie Maria Sureda als Fremdenführerin Brücken baut
Eine Frau aus Manacor, die als Au-pair in Münster begann, leitet heute deutschsprachige Touren für Residenten und Zweithausbesitzer auf Mallorca. Ein Porträt über Sprache, Neugier und die kleinen Begegnungen, die Touristen zu Freunden machen.
„Ich liebe Deutschland“ – wie Maria Sureda als Fremdenführerin Brücken baut
Von Manacor nach Münster und zurück: Warum ihre Touren bei Residenten so beliebt sind
Es gibt diese Leute auf der Insel, die man sofort wiedererkennt: freundlich, pünktlich, mit einem Rucksack voller Anekdoten und der Ruhe, die nur jemand hat, der Dörfer und Kirchenfester wie seine Westentasche kennt. Maria Sureda ist so eine Person. Geboren 1970 in Manacor, hat sie an der Universität der Balearen Tourismus studiert und sich vor drei Jahrzehnten entschieden, Menschen die Insel zu zeigen – auf Deutsch.
Der Weg dahin war kein gerader. Anfangs wollte Maria Dolmetscherin werden; ein entsprechendes Studium gab es damals nicht auf den Balearen. Also das Studium in Tourismus, dann ein Sieben-Monats-Aufenthalt als Au-pair in Münster – als Übung für die Sprache. Erinnerungen an jene Zeit erzählt sie gern: November in der Stadt, Weihnachtsmarkt, der Geruch von gebrannten Mandeln, lange Fahrradfahrten durch die Region und Erdbeerfelder am Wegesrand. "Ich habe Deutschland in mein Herz geschlossen", sagt sie heute. Und: "Dort habe ich gelernt, dass Sprache auch Nähe schafft."
Zurück auf Mallorca entdeckte Maria durch Zufall die Nachfrage nach deutschsprachigen Führungen. Eine Mallorquinerin aus Petra hatte ihr davon berichtet; Maria begann systematisch zu lernen. Später verfeinerte sie ihre Kenntnisse mit Privatlehrern und einem einfachen Trick: viel Auswendiglernen fachlicher Wendungen. Sie erklärt das so: Viele Fachbegriffe kommen aus dem Lateinischen und wirken für sie vertrauter als manche Alltagssprache eines Muttersprachlers. Dazu kommt Geduld und die Freude an Grammatik – ja, an den verschiedenen Wortgeschlechtern, die sie inzwischen sehr schätzt.
Seit 2018 ist Maria besonders bekannt bei deutschsprachigem Residenten- und Zweithausbesitzerpublikum. Die Zusammenarbeit mit der deutschen Kulturmanagerin Ingrid Flohr entstand über das Projekt Itinerem, initiiert von Diego Zaforteza, das Landgüterrouten im Mittelmeerraum verbindet. Die Touren reichen von ruhigen Dorfspaziergängen bis zu Themenführungen durch Palma, von Besuchen in Gärten bis zu Landgutbesichtigungen. Wer mit Maria unterwegs ist, hört genaue Beschreibungen, historische Zusammenhänge und kleine, persönliche Geschichten über Familien, Feste und Handwerk – alles serviert mit einem Lächeln und pünktlich wie ein Zugfahrplan.
Das Publikum? Pünktlich, aufmerksam, neugierig. Für Maria sind das ideale Voraussetzungen. "Es macht mir Freude, wenn Gäste spüren, dass sie nicht nur sehen, sondern verstehen dürfen", sagt sie. Residenten schätzen, dass die Spaziergänge kein Drill sind, sondern ein Gespräch: über Mallorcas Steinmauern, Olivenbäume, altertümliche Dorfstrukturen und die moderne Inselentwicklung.
Im Alltag ist Maria eine Verknüpfung zwischen zwei Welten. Sie lebt auf Mallorca, aber die Erinnerung an Münster bleibt lebendig: die kühlen Morgen, der Duft nach Holz und Gewürzen, das Gefühl, als Fremde willkommen zu sein. Auf den Touren merkt man das: Eine leicht deutsche Präzision trifft auf mallorquinisches Temperament. Das Ergebnis sind Gruppen, die häufig wiederkommen und Empfehlungen aussprechen.
Warum das gut für Mallorca ist? Solche Guides tragen zur Qualität des Reisens bei. Sie sorgen dafür, dass Besucher und Residenten die Insel nicht nur als Kulisse wahrnehmen, sondern als Gesellschaft mit Geschichte. Lokale Führer wie Maria bringen wirtschaftlichen Nutzen für kleine Betriebe, fördern die Kenntnis regionaler Produzenten und entschleunigen das typische Sightseeing-Tempo.
Als kleine Anregung für die Insel: Mehr Förderung für zweisprachige Kulturangebote würde helfen, diese Brücken weiter auszubauen. Sprachkurse, Austauschprogramme oder gezielte Förderungen für Kulturrouten wie Itinerem können helfen, die Zahl der fachkundigen lokalen Begleiter zu erhöhen.
Am Ende bleibt ein Bild, das sich leicht visualisieren lässt: Ein kleiner Platz in einem Bergdorf zur Mittagszeit, der Duft von Kaffee und Pà amb oli, und eine Gruppe, die aufmerksam einer Frau aus Manacor zuhört, die mit Herz und Hand erzählt. Das ist Mallorcas sanfte Stärke: Menschen, die ihre Heimat erklären, weil sie sie lieben.
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