
Madò Jerònia wird 109: Campos feiert seine rüstige Urgroßmutter
Madò Jerònia wird 109: Campos feiert seine rüstige Urgroßmutter
In Campos wird gefeiert: Jerònia Coll Mesquida ist 109 Jahre alt und gilt als älteste Bewohnerin der Balearen. Ein Porträt über Alltag, Familie und die kleinen Dinge, die lange halten.
Madò Jerònia wird 109: Campos feiert seine rüstige Urgroßmutter
Eine Frau, ein Rollator, viel Musik und der Duft von Mallorcas Küche
Am Samstag, dem 17. Oktober, füllte sich eine kleine Festhalle im Nachbarort Felanitx mit Stimmen, Lachen und dem leisen Klirren von Kaffeetassen. Dort saß Jerònia Coll Mesquida, Jahrgang 1917, und nahm die Geburtstagswünsche ihrer Familie entgegen. 109 Jahre — das ist auf den Balearen ein bemerkenswertes Alter, und in Campos spricht man seit Tagen über die rüstige Frau, die im Alltag oft einfach nur Madò Jerònia genannt wird.
Man muss kein Biologe sein, um zu merken, dass an ihrem Leben nicht nur das Alter besonders ist, sondern auch die Mischung aus Alltäglichem und Vertrautem: Früher Schneiderin, zeitweise Verkäuferin in einer Bäckerei, später Jahrzehnte Arbeit auf den Feldern mit ihrem Mann Sebastià — das sind Dinge, die man hier in der Inselmitte immer noch an Trägerinnen von Traditionen sieht. 1991 verlor sie ihren Mann. Aus der Ehe gingen zwei Töchter sowie vier Enkel und fünf Urenkel hervor. Die Familie füllte an jenem Samstag die Tische und brachte die nötige Wärme für eine Kirche ohne Glocken, die nur durch die Stimmen der Gäste erklang.
Täglich trifft man Jerònia im Tageszentrum von Campos. Dort verbringt sie einige Stunden des Tages, spielt Bingo, singt alte Lieder und ist ein vertrauter Anblick für die Angestellten und die anderen Besucherinnen. Dass sie nicht mehr gut sieht und hört, gehört zum Bild — aber es hält sie nicht davon ab, sich an den einfachen Routinen zu erfreuen. Mit einem Rollator bewegt sie sich in kleinen, sicheren Schritten durch ihren Alltag; das ergibt ein Bild, das viele in Campos lächeln lässt, weil es bezeugt: Altern bedeutet Hiersein, nicht Verschwinden.
Natürlich wird sofort die Frage gestellt: Liegt es an der Ernährung? An der sogenannten mediterranen Kost mit Olivenöl, Gemüse, Fisch und Brot? Jerònia isst gern die Produkte der Insel, sagt die Familie. Das allein erklärt nicht alles, aber es ist ein Puzzleteil: frisches Essen, wenig Hektik, Nachbarschaftshilfe und tägliche Bewegung — das sind Zutaten, die in vielen Geschichten über langlebige Menschen vorkommen. Auf Mallorca, wo Märkte noch nach dem Klang von Gespräch und dem Geruch von Orangen riechen, wird so ein Lebensstil sichtbar.
Die Gemeinde zeigte ihre Achtung: Vertreterinnen und Vertreter aus Campos und Felanitx kamen vorbei, um Glückwünsche zu überbringen. Solche Besuche sind hier mehr als eine formale Geste; sie sind Zeichen, dass eine Kleinstadt ihre älteren Bewohner pflegt und würdigt, und sie rücken zudem Fragen zum Schutz älterer Menschen in den Blick. Auch die Mitarbeitenden des Tageszentrums sehen Jerònia nicht nur als Berechtigte eines Angebots, sondern als Teil des täglichen Miteinanders: Sie singt Lieder aus früheren Zeiten, sie lacht, wenn beim Bingo eine Zahl fehlt, und am Ende des Tages begleitet man sie mit dem Gefühl, etwas Gemeinsames getan zu haben.
Es sind die kleinen Szenen, die bleiben: die Morgensonne auf der Plaza de Campos, die Verkäuferinnen, die das Brot zurechtschneiden, das entfernte Läuten einer Kirchenglocke, wenn das Wetter es zulässt, oder das Rascheln eines Zeitungsblatts auf einer Parkbank. Solche Details zeigen, wie Alltag und Geborgenheit sich über Jahrzehnte formen. Und sie erklären, warum Menschen wie Jerònia in Erinnerung bleiben: nicht wegen eines einzigen Moments, sondern wegen der Summe vieler kleiner Gewohnheiten.
Für die Insel hat so eine Geschichte eine einfache Botschaft. Erstens: Ältere Menschen sind keine Randgruppe; sie sind Trägerinnen von Kultur, Sprache und Erinnerungen. Zweitens: Angebote wie Tageszentren funktionieren — sie halten den Kontakt, bieten Struktur und lassen Teilhabe zu. Drittens: Gemeinschaftliches Feiern, Nachbarschaft und der Austausch zwischen Jung und Alt gehören zur Substanz mallorquinischer Dörfer.
Was können wir daraus mitnehmen? Wenn wir auf den Wochenmarkt in Campos gehen, können wir nicht nur Orangen und Käse kaufen, sondern auch ein Stück Alltagspflege sehen. Wer Zeit hat, kann ehrenamtlich in Einrichtungen mithelfen, einfach zuhören oder bei Festen die Tische decken. Solche kleinen Einsätze sind praktisch und spürbar wirksam. Und für die jüngeren Generationen ist es eine Einladung, die Brücke zu schlagen: Alte Lieder lernen, Rezepte nachkochen, Geschichten aufschreiben.
Madò Jerònia selbst bleibt unaufgeregt. Ihre Familie beschreibt sie als lebensfroh. Die Besucher, das Tageszentrum, die Melodien aus vergangenen Jahrzehnten und die vertrauten Produkte der Insel scheinen ihr zu genügen. In einer Welt, die oft nach spektakulären Lösungen sucht, ist das fast schon ein Freiheitsversprechen: Die tägliche, bodenständige Art zu leben kann sehr lang halten.
Am Ende des Tages, wenn die Sonne hinter den Hügeln von Campos verschwindet und die Stimmen der Feiernden noch lange nachklingen, bleibt das Bild einer Inselgemeinschaft, die sich um ihre Älteren kümmert. Das ist kein großes Projekt, sondern gelebter Alltag — und vielleicht ist genau das die schönste Form von Nachhaltigkeit.
Ausblick: Wer die Insel liebt, kann damit beginnen, die Brücken zwischen Jung und Alt zu stärken. Ein Besuch im Tageszentrum, ein Telefonanruf bei einer älteren Nachbarin oder das Weitergeben eines Familienrezepts sind kleine Schritte. Und wer weiß: Vielleicht gilt eine unserer Enkelinnen oder Enkel in einigen Jahren ebenfalls als lebendes Stück Inselgeschichte.
Häufige Fragen
Welche Reisezeit lohnt sich besonders, um Mallorca zu erleben und dabei auch kleine Orte wie Campos kennenzulernen?
Wie ist das Wetter auf Mallorca typischerweise im Herbst?
Gibt es auf Mallorca gute Möglichkeiten zum Baden abseits der großen Strände?
Welche Aktivitäten eignen sich auf Mallorca für einen entspannten Tag abseits der Strände?
Welche Rolle spielen Tageszentren und Gemeinschaftseinrichtungen in Orten wie Campos?
Was macht die mallorquinische Küche besonders und wie lässt sie sich bei einer Reise erleben?
Wie kann man authentische mallorquinische Traditionen erleben, ohne touristisch zu wirken?
Wie kann man ältere Menschen in der Gemeinde unterstützen – konkret in Orten wie Campos?
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