
Wenn wenige viele Wohnungen besitzen: Wie die Balearen sich verändern
Auf den Balearen wächst die Zahl der Wohnungen, die in Händen weniger Eigentümer landen. Warum das für Mallorcas Alltag und Wohnraum prekär ist — und welche Lösungen greifen könnten.
Wenn wenige viele Wohnungen besitzen: Wie die Balearen sich verändern
Wenn wenige viele Wohnungen besitzen: Wie die Balearen sich verändern
Leitfrage: Wie gefährlich ist die wachsende Konzentration von Wohnraum auf den Balearen für Einheimische und die Inselkultur?
Auf den Straßen von Palma, wenn die Morgensonne auf die alten Fassaden der Plaça Major fällt und die Bäckereien anfangen, Croissants zu blasen, merkt man schnell: Wohnungen sind nicht nur Quadratmeter. Sie sind Heimat, Treffpunkt, Geschäft und oft die letzte Chance für Familien, in der Nähe ihrer Arbeit zu bleiben. Aktuelle Katasterzahlen zeigen: Auf den Balearen gehören knapp 38.300 Wohnungen Eigentümern, die mehr als fünf Immobilien besitzen. Das sind rund 6 Prozent aller Wohnungen. Vor zehn Jahren waren es etwa 30.700. Besonders auffällig wächst die Gruppe der Eigentümer mit sechs bis zehn Wohnungen, während die Zahl der Einzelbesitzer sinkt. Wenn Wohnzimmer zu Schlafzimmern werden.
Das klingt nach Statistik, ist aber eine Landschaftsveränderung. Wer eine Wohnung kauft, denkt vielleicht an Rendite, an Ferienvermietung oder an Portfolioerweiterung. Wenn dieselben Hände dutzende Schlüssel halten, verändert sich das Mietangebot, die Preislage und auch die Nachbarschaft. In Gassen wie dem Carrer de Sant Miquel oder am Paseo Marítimo merkt man das an weniger Stammmietern, an leer stehenden Türen, die öfter renoviert werden — nicht aus Liebe zum Haus, sondern als Vorbereitung für die nächste kurzfristige Vermietung.
Kritische Analyse: Die Konzentration schafft mechanische Effekte. Mehr großflächiger Bestand führt zu höherer Professionalisierung der Vermietung, damit zu höherer Fluktuation. Kurzfristige Vermietung verdrängt oft langfristige Mieter, weil die Rendite auf Tages- oder Wochenbasis einfacher höher zu erreichen ist. Gleichzeitig wächst die Marktmacht von Großbesitzern bei Verhandlungen, Renovierungsstrategien und Preisbildung. Das drückt die Verhandelbarkeit für Einzelpersonen und lokale Familien, die nach wie vor von einem stabilen Mietmarkt abhängig sind. Mallorca im Würgegriff der Spekulation, ist hier ein weiteres relevantes Thema.
Was im öffentlichen Diskurs oft fehlt: konkrete Zahlen hinter der Wohnungskonzentration, Gradmesser für Ferienvermietung versus dauerhaften Wohnraum und die Frage nach Eigentümerstrukturen. Wer sind die Eigentümer mit sechs bis zehn Wohnungen — natürliche Personen, Firmen, ausländische Investoren? Die breite Debatte über „zu viele Ferienwohnungen“ verschluckt die Nuancen: Marktkonzentration kann auch bedeuten, dass Entscheidungen über Wohnraum außerhalb der Gemeinden oder Familien getroffen werden. Außerdem hört man selten, wie Leerstand, Spekulation und Renovierungszyklen zusammenwirken.
Eine Alltagsszene: Ein Restaurantbesitzer in Portixol wäscht am Nachmittag Teller und schaut auf eine Straße, in der dienstags die Rentner Boccia spielen. Früher grüßten sich die Boccia-Spieler mit der Familie von nebenan; heute sind dort oft Türen mit Nummern, Payment-Terminals und fremde Namen. Der Wirt seufzt, fügt Zucker in den Café con leche und sagt: \"Die Leute sind nicht mehr dieselben, es ist schneller und anonymer geworden.\" Solche kleinen Beobachtungen zeigen, wie Besitzverhältnisse die soziale Struktur verändern.
Konkrete Lösungsansätze: Transparenz und Steuerung sind machbar — wenn politisch gewollt. Ein öffentlich einsehbares Eigentumsregister, das feststellt, wenn natürliche Personen oder juristische Einheiten über einen Schwellenwert hinaus Wohnungen anhäufen, würde Debatten versachlichen. Ergänzend könnten Aufsichtsregeln für Ferienvermietungen greifen: Begrenzung der Zahl von Kurzzeitvermietungen pro Eigentümer in beliebten Vierteln, strengere Sanktionen bei illegaler Vermietung und eine stärkere Anrechnung von Zweckentfremdung bei der Grundsteuer.
Finanzpolitische Hebel helfen: eine progressive Belastung für große Immobilienportfolios, die Einnahmen direkt in sozialen Wohnungsbau oder in Förderprogramme für Erstkäufer auf dem Festland der Insel umleitet. Außerdem könnten Kommunen Anreize für genossenschaftliches Wohnen setzen: leerstehende Bestände kämen so in lokale Hände, Mieterschutzrechte würden gestärkt, und langfristige Vermietung würde wieder attraktiver. Wohnen in der Krise beleuchtet, warum auf den Balearen jetzt vor allem Mieter die Rechnung zahlen.
Auf operativer Ebene fehlen häufig Personal und Digitalsysteme bei den Gemeinden, um Verkäufe, Nutzungsänderungen und Zweckentfremdung zuverlässig zu überwachen. Ein einheitliches Meldeverfahren für Vermietungen, gekoppelt an Bußgelder bei Verstößen, wäre eine pragmatische Maßnahme. Ebenso wichtig: Beratungsprogramme für kleine Vermieter, die bei Umwandlung in Ferienwohnungen oft den schnelleren Weg wählen — mit Beratung und Anreizen könnten sie gehalten werden, dauerhaft zu vermieten.
Fazit: Die Zahlen — knapp 38.300 Wohnungen in den Händen von Eigentümern mit mehr als fünf Immobilien, ein Anstieg gegenüber 30.700 vor zehn Jahren — sind kein abstraktes Problem. Sie sind ein Indikator für ein ökonomisches und soziales Ungleichgewicht, das in unseren Vierteln hörbar wird: weniger Kinder auf dem Spielplatz, mehr Koffer vor den Haustüren, andere Öffnungszeiten im Supermarkt. Lösungen gibt es, sie brauchen Mut zur Regelung, Transparenz und eine lokale Politik, die nicht nur auf Tourismusprofite schaut. Sonst droht Mallorca, Schritt für Schritt, ein Stück seiner Nachbarschaftlichkeit zu verlieren. Balearen im Preissog, hier stellen sich die Fragen, wer sich noch Mallorca leisten kann.
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