
Impressionistischer Saisonauftakt im Auditorium: Farben, Klang und Spätromantik
Ein Abend im Auditorium, der zwischen spanischer Dämmerung und spätromantischer Wucht pendelt. Pablo Mielgo, Davide Cabassi und ein Orchester, das Geschichten erzählt.
Wenn der Saisonstart nach Meeresluft und Espresso schmeckt
Der Abend begann, wie so viele Abende hier im Herbst auf Mallorca: ein kurzer Schauer, der den Asphalt glänzen ließ, das leise Klackern der Regentropfen auf den Veranden am Hafen und der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee, der aus dem Foyer wehte. Im Auditorium war die Spannung greifbar. Kein konventioneller Auftakt – vielmehr eine Einladung, den Ohrensessel zu verlassen und sich treiben zu lassen. Unter der Leitung von Pablo Mielgo setzte das Programm genau auf diese Balance: impressionistische Klangflächen, dazwischen Spätromantik mit geballter Energie. Eine tolle Übersicht über die Saison bietet unser Impressionistischer Saisonauftakt im Auditorium.
Turina: kleine Szene, große Intimität
Das Eröffnungsstück, Oración del torero von Joaquín Turina, wirkte wie ein geöffneter Vorhang zu einer privaten Szene. Kein lautes Fanfarenspiel, sondern eine kontemplative Miniatur: ein Torero, ein Stoßgebet, ein Atemzug. Das Orchester malte diese Stille mit warmem Pinselstrich. Man hörte das leise Rascheln der Programmbögen, das entfernte Murmeln der Zuschauer – und genau diese Nähe machte den Moment besonders mallorquinisch: große Emotionen, aber ohne Pathos.
De Falla und Debussy: zwischen Strandspaziergang und feinem Nieselregen
Mit Manuel de Falla landete das Publikum in den Noches en los jardines de España. Das Klavier, gespielt von Davide Cabassi, trug hier die Erinnerung an Abendsonne und salzige Luft. Cabassi spielte präzise, mit einem eigenen Atem, der die bekannten Farben nicht nachahmte, sondern neu erzählte. Einige Passagen fühlten sich an wie ein Spaziergang am Paseo Marítimo nach Sonnenuntergang: Schritt, Blick aufs Wasser, ein Leuchten am Horizont. Das Event wirkte wie ein glanzvoller Saisonauftakt.
Dazwischen entspann sich Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune wie ein zarter Nieselregen über dem Parc de la Mar. Die berühmten Flötenmotive schwebten so klar, dass man den Schatten der Palmen fast hören konnte. Es war die Kunst des Nichtzu-viel-Tuns, die hier begeisterte: Klangräume, die Luft zum Schwingen bringen und den Raum füllen, ohne ihn zu übermalen.
Strauss’ Don Juan: Sturm mit Blick aufs Meer
Zum Abschluss drehte Richard Strauss die Intensität auf. Sein Don Juan ist kein höfischer Held, sondern ein Getriebener — wild, fordernd, schillernd. Das Orchester wuchs, riss sich an Tempi und Dynamik, und für einen Moment stand das gesamte Auditorium unter Strom. Es war dramatisch, manchmal unbequem, aber genau diese Unbequemlichkeit macht klassische Abende spannend: Man verlässt nicht nur die Halle, man nimmt ein Erlebnis mit nach draußen. Für weitere Informationen zu ähnlichen Abendprogrammen, werfen Sie einen Blick auf unsere Abokonzert in Palma.
Solche Konzerte tun der Insel gut. Sie bringen Touristinnen und Touristen, aber vor allem die Bewohner Mallorcas zusammen, schaffen einen kulturellen Treffpunkt, der auch den kleinen Kaffeestand im Foyer mit Leben füllt. Die Musik dehnt die Abende, verlängert die Saison – und sorgt dafür, dass Palma auch in den ruhigeren Monaten pulsiert.
Mein Tipp: Früh kommen, einen Espresso im Foyer genießen, den regenfarbenen Himmel über dem Hafen betrachten und die Programme durchblättern. Wer später noch nachklingen will, findet viele Interpretationen online. Aber das Kleine, das Intime dieses Abends, das bleibt nur vor Ort: die Stimmen im Nachgang, das leise Diskutieren über Tempi und Klangfarben, das Gefühl, dass Musik an diesem Abend etwas mit uns gemacht hat.
Ich bin nach dem Konzert den Kai entlang gelaufen. Die Noten schwirrten noch im Kopf, das Meer rauschte, und irgendwo lachte jemand über eine scharfe Passage. So klingt ein Saisonstart, der neugierig macht auf mehr.
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