
Grünes Kerosin aus Düsseldorf: Ein Pilot, viele Fragen für Mallorca
Ein Essener Start‑up plant in Düsseldorf strombasiertes Kerosin nach dem Power‑to‑Liquid‑Prinzip – Eurowings hat die ersten 3 Jahre Abnahme zugesagt. Für Mallorca reichen die 150 Tonnen Pilotkapazität nur für einige Dutzend Flüge. Warum das Projekt trotzdem wichtig ist und welche Hürden noch offen sind.
Grünes Kerosin aus Düsseldorf: Ein Pilot, viele Fragen für Mallorca
Am Flughafen Düsseldorf könnte demnächst eine kleine, ungewöhnliche Fabrik stehen: Ein Team aus Essen will dort per Power‑to‑Liquid strombasiertes Kerosin produzieren. Laut Projektvereinbarung hat Eurowings die Abnahme der ersten drei Produktionsjahre zugesagt. Ein positives Signal — doch hinter dem Versprechen verbergen sich technische, energiepolitische und wirtschaftliche Knackpunkte, die auch uns auf Mallorca beschäftigen sollten.
Was ist geplant – und was bedeutet das für die Strecke Düsseldorf–Mallorca?
Die Anlage soll CO₂ direkt aus der Umgebungsluft abscheiden (Direct Air Capture), dieses mit grünem Wasserstoff verbinden und so sogenanntes Sustainable Aviation Fuel (SAF) herstellen. Strom treibt Elektrolyse und die weiteren chemischen Schritte. Für die Pilotphase sind rund 150 Tonnen pro Jahr angepeilt. Das klingt nach Fortschritt, ist aber real betrachtet sehr klein: Bei der derzeit möglichen Beimengung von SAF bis zu 50 Prozent reicht das für nur einige Dutzend Hin‑ und Rückflüge zwischen Düsseldorf und Palma. In dieser Situation könnte es hilfreich sein, von einem Kerosin-Engpass zu erfahren, der aktuell bei anderen Flughäfen für Unsicherheit sorgt.
Auf Mallorca, wo der Lärm der Rollfelder, das Rattern der Koffer auf dem Paseo Marítimo und die frühen Fliegerlandungen unseren Alltag prägen, wäre das eher ein sichtbares Symbol als ein tatsächlicher Beitrag zur Verkehrswende. Aber Symbole sind wichtig — sie testen Abläufe, schaffen Erfahrungswerte und geben der Branche Daten, auf die sie hoffen kann.
Die großen Fragen, die selten laut gestellt werden
Technisch ist Power‑to‑Liquid faszinierend, doch die entscheidenden Fragen betreffen Energieeffizienz, Kosten und Skalierung. DAC‑Verfahren sind energieintensiv, Elektrolyse benötigt viel Strom, und die gesamte Kette ist heute teurer als fossiles Kerosin. Weniger diskutiert wird oft die Frage, woher der grüne Strom in großem Maßstab kommen soll, ohne die lokale Stromversorgung zu belasten. Auf Mallorca bedeutet das: Wenn wir wirklich SAF einsetzen wollen, brauchen wir zusätzliche, verlässliche Erzeugung — sei es Sonne auf Dächern, Solarfelder abseits touristischer Zonen oder vermehrt Offshore‑Lösungen.
Ein weiterer, oft übersehener Aspekt ist die Flächen‑ und Wasserfrage: Photovoltaik, Elektrolyseure und DAC‑Anlagen benötigen Raum und in einigen Prozessen auch Kühlung oder Wasser. Auf einer dicht genutzten Insel wie Mallorca müssen solche Planungen mit dem örtlichen Raum‑ und Umweltschutz kompatibel sein.
Warum der Düsseldorfer Pilot trotzdem Bedeutung hat
Reallabore wie dieses zeigen, wo die Prozesse instabil sind, welche logistischen Probleme Flughäfen beim Betanken mit SAF haben und wie genaue CO₂‑Bilanzen erstellt werden müssen. Wenn die Düsseldorfer Anlage zuverlässig 150 Tonnen produziert und Eurowings sie abnimmt, liefert das konkrete Zahlen zu Kosten, Ausfallzeiten und Kettenlogistik — Daten, die große Investoren und Politik brauchen, um Entscheidungen zu treffen.
Und für Mallorca gibt es einen praktischen Pfad: Inselstrecken sind ideale Testkorridore. Kurze Routen, klare Frequenzen, überschaubare Kerosinmengen — hier kann man am schnellsten Erfahrungen sammeln, Fehler korrigieren und die Wirtschaftlichkeit unter realen Bedingungen prüfen. Auf diesem Weg ist es interessant zu bemerken, was Düsseldorfs Jet-Verbindung für Mallorca tatsächlich bedeutet.
Konkrete Schritte, damit aus Pilotprojekten echte Wirkung wird
Ein Pilot allein genügt nicht. Nötig sind:
1. Skalierungspläne: Klare Roadmaps, wie eine Pilotkapazität in den Megatonnen‑Bereich gebracht werden kann — mit Transparenz zu Kostenkurven und Bedarf an Elektroenergie.
2. Regionale Energiepartnerschaften: Flughäfen und Inselverwaltungen sollten gemeinsam mit Erzeugern verbindliche Kapazitäts‑Ziele vereinbaren: zusätzliche PV‑Flächen, PPA‑Modelle und mögliche Offshore‑Projekte.
3. Finanzielle Anreize: Blending‑Mandate, CO₂‑Preise oder Anschubförderung können die Preisschere zu fossilem Kerosin verringern. Ohne politische Signale bleibt SAF teuer und marginal.
4. Transparente CO₂‑Bilanzierung: Die gesamte Lieferkette — von Herstellung über Transport bis zur Verbrennung — muss sauber bilanziert werden. Nur so lässt sich glaubwürdig kommunizieren, welchen Nutzen solche Projekte bringen.
Ein leiser Hoffnungston — und viel Arbeit
Beim frühen Abflug auf dem Aeropuerto de Son Sant Joan verblasst das Licht über der Tramuntana, Motoren knattern, Menschen trinken letzten Café con Leche – und der Gedanke an saubereren Treibstoff klingt plötzlich nicht mehr abgehoben. Das Düsseldorfer Vorhaben ist kein Heilmittel, aber ein Prüfstein: Funktioniert die Technik, lassen sich Prozesse optimieren und Kosten senken. Gelingt die Skalierung in Verbindung mit massivem Ausbau erneuerbarer Energien, können Inselstrecken wie die zwischen Düsseldorf und Mallorca Vorreiter werden.
Bis dahin bleibt es eine Gratwanderung zwischen Hoffnung und Realität: Pilotanlagen schaffen Wissen — ob sie aber schnell genug zur Lösung für den Massenverkehr werden, hängt an Strompreisen, Politik und mutigen Investitionen. Für Mallorca heißt das konkret: Wir sollten beobachten, Einbindung in Testkorridore fordern und lokale Erzeugungskapazitäten aufbauen, sonst bleiben solche Projekte schöne Schlagzeilen statt spürbarer Veränderung. Ein Beispiel dafür sind die Landstrom-Projekte an den Häfen, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen könnten.
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