
Nur noch Stau: Was Lucas Cordalis richtig sieht — und was wir auf Mallorca ändern müssen
Nur noch Stau: Was Lucas Cordalis richtig sieht — und was wir auf Mallorca ändern müssen
Lucas Cordalis spricht aus, was viele Einwohner denken: Staus statt Strandidylle. Warum das so ist, was im Diskurs fehlt und welche konkreten Schritte helfen könnten.
Nur noch Stau: Was Lucas Cordalis richtig sieht — und was wir auf Mallorca ändern müssen
Leitfrage: Warum stehen die Straßen still, obwohl die Insel nie mehr Besucher hatte — und wer trägt Verantwortung?
Vor vier Uhr früh ist es noch ruhig in Santa Ponça. Die Gasse zum Bäcker riecht nach frischem Ensaimada, Fischer motoren ihre Boote, Kinder strampeln auf dem Weg zur Schule. Zwei Stunden später quillt dieselbe Straße über, die Klimaanlagen laufen auf Anschlag, die Sirene eines Krankenwagens versucht sich durch einen Blechteppich zu winden. Dass ein eingesperrtes Gefühl von „Nur noch Stau“ die Stimmung prägt, hat jüngst auch Lucas Cordalis beschrieben. Er lebt seit Jahrzehnten hier. Seine Beobachtung trifft den Nerv vieler Anwohner: Wo früher Platz und Ruhe waren, dominieren heute Blechlawinen.
Die kritische Analyse beginnt mit einfachen Fakten: mehr Menschen, mehr Autos, mehr Wohnungen, die nicht dauerhaft bewohnt werden. In den letzten Jahren haben steigende Preise dazu geführt, dass Beschäftigte — Reinigungskräfte, Kellner, Pflegepersonal, Handelspersonal — in günstigere Orte ziehen und täglich in die touristischen Zentren pendeln. Das verschiebt nicht nur die Wohnverteilung, es verlängert Spitzenzeiten auf den Straßen und bringt die Infrastruktur an ihre Grenzen. Die Ma-1 und die Zufahrten zu Palma, Portals Nous oder Santa Ponça sind morgens und abends regelmäßig verstopft; an warmen Tagen kommt noch die zusätzliche Belastung durch Ausflugsverkehr hinzu.
Im öffentlichen Diskurs dominieren zwei Töne: wütende Klagen über „die Touristen“ und defensive Beteuerungen von Politik und Wirtschaft, dass der Tourismus Arbeitsplätze schaffe. Was dabei fehlt, ist die Mitte: Stimmen der Pendler, der Nachbarn, der kleinen Firma, die den Verkehr jeden Tag erlebt. Selten wird über die Feinheiten gesprochen — etwa über Leerstandsmuster, über die genauen Pendeldistanzen, über Fahrzeiten außerhalb der Ferienmonate oder über Arbeitszeiten, die sich vielleicht an die Verkehrsströme anpassen könnten. Ebenfalls kaum Thema: die Rolle von Kurzzeitvermietungen bei der Verdrängung von Langzeitmieten und wie Parkraumpolitik den Verkehr antreibt.
Eine konkrete Alltagsszene: Auf der Avenida Gabriel Roca in Palma, dem Passeig Marítim, stehen Lieferwagen in zweiter Reihe, Passanten weichen aus, die Busspur wird geblockt — und das Klima in der Mittagshitze knistert. Ein Taxifahrer, den ich kenne, erzählt von Schichten, die sich verlängern, weil Hotelseingänge stauen; eine Grundschullehrerin in Santa Ponça berichtet von Kindern, die mehr Zeit im Auto verbringen als auf dem Schulhof. Diese kleinen Geschichten addieren sich zu einem Strukturproblem.
Was also wäre zu tun? Konkrete Lösungsansätze lassen sich in mehrere Bereiche gliedern: Wohnen, Verkehr und Regulierung.
Wohnen: Mehr bezahlbarer Wohnraum ist zentral. Gemeinden können Flächen für sozial verträglichen Wohnungsbau reservieren, kommunale Wohnprojekte fördern und Leerstand gezielt erfassen und besteuern. Ideen wie eine stärkere Belegungsquote für Neubauten oder ein stärkerer Fokus auf langfristige Mietverträge statt touristischer Kurzvermietung können Entspannung bringen.
Verkehr: Öffentliche Mobilität verbessern — nicht nur in Palma, sondern Richtung Westen und Südwesten (Santa Ponça, Magaluf, Andratx). Mehr Busspuren, Taktverdichtung in Hauptverkehrszeiten, Park-&-Ride-Punkte an Zufahrten zur Insel-Haupterschließung (MA-1) und Anreize fürs Fahrradpendeln könnten Stoßzeiten verkürzen. Arbeitgeber sollten über flexible Schichten und Homeoffice-Optionen nachdenken; für viele Hotels oder Einrichtungen sind flexible Arbeitszeiten technisch möglich, wenn sie organisatorisch unterstützt werden.
Regulierung und Steuerung: Eine transparente Registrierung aller touristischen Vermietungen hilft, das Angebot zu kontrollieren. Eine gezielte Zweitwohnungssteuer oder höhere Abgaben auf dauerhaft leer stehende Apartments würden Renditegedanken relativieren. Einnahmen aus Touristenabgaben sollten direkt in Verkehrs- und Wohnprojekte vor Ort fließen — sichtbar und kontrollierbar.
Wichtig ist: Das sind keine schnellen Wundermittel. Sie brauchen politischen Willen, Koordination zwischen Inselregierung, Gemeinden und Unternehmen sowie eine Portion Pragmatismus. In Palma heißt das auch, dass Maßnahmen entlang der Passeig Marítim bis nach Santa Ponça gedacht werden müssen, nicht nur in einzelnen Zonen.
Was im öffentlichen Diskurs fehlt, ist die Geduld, zwischen Schuldzuweisungen und schönen Bildern zu arbeiten. Es braucht Erhebungen über Pendelströme, konkrete Zahlen zu leerstehenden Wohnungen und einen ehrlichen Dialog mit den Menschen, die hier arbeiten und leben. Oft entscheiden Kleinigkeiten — ein abgestuftes Parksystem, eine zusätzliche Buslinie zur Rushhour, eine lokale Genossenschaft für Mietwohnungen — über spürbare Verbesserungen.
Fazit: Lucas Cordalis hat recht, wenn er sagt, dass die Insel sich verändert. Die Frage ist nicht nur, ob wir lamentieren, sondern ob wir anfangen, die richtigen Hebel zu bewegen. Wer in Palma den Motor startet und in Santa Ponça im Stau steht, erlebt die Folgen. Die Herausforderung ist, diese Folgen sichtbar zu machen — und anschließend anzupacken.
Häufige Fragen
Warum gibt es auf Mallorca zu bestimmten Zeiten so viel Verkehr, besonders morgens und abends?
Wie könnte der Verkehr für Pendler in Palma entlastet werden?
Welche Rolle spielt der Wohnungsmarkt bei der Verkehrssituation auf Mallorca?
Wie lässt sich touristische Vermietung regulieren, um den Verkehr zu entlasten?
Welche Orte auf Mallorca leiden besonders unter Stau?
Welche Rolle spielen Zeiten und Schichtpläne der Arbeitgeber für den Verkehr?
Wie können Besucher die Verkehrsbelastung reduzieren?
Was bedeutet die Sichtweise von Lucas Cordalis für die Zukunft Mallorcas?
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