Bellver: Eintritt verdoppelt — Schutz, Stadtkasse oder Sperre für Zufallsbesucher?

Schloss Bellver: Eintritt verdoppelt — Für wen bleibt der Zugang offen?

Palma erhöht die Eintrittspreise am Bellver: 4 Euro sollen 8 Euro werden, Event-Gebühren steigen stark. Zwischen Sanierung, Stadtkasse und Zugänglichkeit entzündet sich ein Konflikt.

Für die Stadt ein Gewinn, für Spaziergänger eine Hürde — oder beides?

Die schräge Sonne am Passeig wirft lange Schatten über den Kiefern des Bellver-Hügels, es riecht nach Pinienharz und Espresso, und am Tor stehen zwei Rentner und beraten, ob sie den Rundgang künftig nur noch von außen machen. Das ist das Bild, das am besten beschreibt, worum es bei der Debatte im Rathaus geht: Für wen ist das Schloss Bellver eigentlich da — für die Stadtkasse, die Tourist:innen oder die Nachbarschaft?

Warum die Preise steigen

Die Stadtverwaltung hat im Rahmen der Haushaltsberatungen vorgeschlagen, den regulären Eintritt von 4 auf 8 Euro anzuheben. Argument: Die Preise seien seit 2013 unverändert geblieben und lägen damit deutlich unter vergleichbaren historischen Stätten. Finanzpolitisch klingt das simpel: Statt rund 800.000 Euro jährlich könnten künftig etwa 1,6 Millionen Euro in den städtischen Topf fließen. Dazu sollen Gebühren für private und kommerzielle Events massiv steigen — Beispiele in den Vorschlägen reichen von bisherigen Abrechnungen in der Größenordnung von 250.000 Euro bis hin zu geplanten Gebühren von bis zu 750.000 Euro für große Luxus-Events.

Gleichzeitig kündigte Palma an, rund 300.000 Euro im Haushalt 2026 für eine "museale Neugestaltung" des Bellver und Arbeiten an historischen Toren der Altstadt vorzusehen. Das klingt nach sinnvoller Pflege — aber die Frage bleibt: Werden die Mehreinnahmen tatsächlich dort ankommen, wo sie gebraucht werden?

Was in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommt

Die Diskussion dreht sich schnell um Zahlen. Doch es gibt mindestens drei Aspekte, die bisher weniger beleuchtet wurden:

1) Alltagstauglichkeit statt Ticketpolitik: Für viele Mallorquiner:innen ist das Schloss ein Ort für kurze Auszeiten, ein kleiner Spaziergang nach dem Markt oder das Ziel eines Sonntagnachmittags. Eine Verdopplung schlägt bei Gelegenheitsbesuchern stärker durch als bei regelmäßigen Tourist:innen, die ohnehin mehrere Attraktionen planen.

2) Preise als Steuerungsinstrument — beabsichtigt oder unabsichtlich: Höhere Tarife können bewusst zur Besucherlenkung genutzt werden. Das wäre kein Fehler, sondern eine Chance — wenn die Stadt das offen kommuniziert und Kapazitätsmanagement mit Qualitätssteigerung koppelt. Wird das nicht transparent gemacht, entsteht schnell der Verdacht: Einnahmenmaximierung statt Kulturschutz.

3) Nebenwirkungen auf andere öffentliche Räume: Wenn der kleine, gut zugängliche Park um Bellver teurer wird, suchen Menschen andere Orte auf — oft weniger geeignete Ecken in der Stadt, die kein Besucher-Management kennen. Das kann Druck auf lokale Nachbarschaften erhöhen.

Konkrete Chancen und praktikable Lösungen

Die Preiserhöhung muss nicht nur Problem sein. Sie kann Teil eines intelligenten Konzepts werden, das Schutz, soziale Zugänglichkeit und Finanzausstattung verbindet. Vorschläge, die gerade in Cafés an der Ciutat leise laut werden:

Gezielte Staffelung: Unterschiedliche Tarife für Gelegenheitsbesucher:innen, Familien, Resident:innen und Tourist:innen. Nicht alles gleich teuer machen — Sonderkonditionen für Senioren, Studierende und Menschen mit niedrigem Einkommen erhalten.

Transparenz und Rechenschaft: Offenlegung, wofür Mehreinnahmen verwendet werden. Ein eigener Fond für Erhalt, Pflege der Grünzonen und barrierefreie Zugänge würde Vertrauen schaffen.

Begrenzte Event-Kontingente: Höhere Eventgebühren sind sinnvoll, um Kommerzveranstaltungen zu regulieren. Gleichzeitig könnten echte Kultur- und Bildungsprojekte zu günstigeren Konditionen angesetzt werden. Ein klarer Kriterienkatalog verhindert, dass der Schlosspark zum reinen Luxus-Bühnenboden wird.

Community-Tage und Open-Access-Stunden: Regelmäßige, kostenlose Tage für Anwohner:innen oder zeitlich begrenzte freie Zugänge am frühen Morgen. So bleibt der Ort im Alltag der Ciutat präsent, nicht nur ein Touristenziel.

Kurzfristig könnte die Stadt zudem prüfen, ob eine gestaffelte Einführung der Erhöhung Sinn macht — etwa erst für kommerzielle Buchungen, später für Einzeltickets.

Ein Blick in die Zukunft

Die Verdoppelung des Eintritts ist mehr als eine fiskalische Maßnahme. Sie ist eine politische Entscheidung darüber, wie Palma sein kulturelles Erbe organisiert: als öffentlich zugängliche Ressource oder als knapper, bepreister Raum. Wer in diesen Tagen den Passeig entlanggeht, hört das entfernte Hupen der Fähre, das Klappern von Kaffeetassen und das leise Räuspern von Ratsdebatten.

Für die beiden Rentner am Tor könnte eine einfache Lösung gefunden werden: vergünstigte oder kostenlose Jahreskarten für Resident:innen. Für die Stadt bietet sich die Chance, die zusätzlichen Mittel sichtbar in Erhalt und bessere Besucherführung zu investieren — statt sie im allgemeinen Haushalt verschwinden zu lassen. Andernfalls droht die Verdopplung, genau jene spontane Nähe zu zerstören, die das Bellver für viele Mallorquiner:innen ausmacht.

Die Debatte geht weiter. Im Rathaus wird hinter verschlossenen Türen gerechnet und abgewogen. Draußen aber bleibt das leise Streitgespräch: Ist ein Museum, das wächst, noch für alle da? Oder wird es bald nur noch für jene erreichbar sein, die bereit sind, zu zahlen? Die Antwort wird zeigen, wie Palma seine Stadt und seine Menschen priorisiert — und ob sich der Aufschrei in den Cafés langfristig beruhigt oder erst richtig losgeht. Das Palma in zwei Preisen zeigt, wie die Situation sich verändert.

Ähnliche Nachrichten