Ausstellungsraum mit historischen Filmplakaten und einem antiken Projektor in La Misericòrdia, Palma.

Palmas Kinogeschichte in La Misericòrdia: Ein Stück Stadtgeschichte zum Ansehen

Palmas Kinogeschichte in La Misericòrdia: Ein Stück Stadtgeschichte zum Ansehen

Im Kulturzentrum La Misericòrdia in Palma läuft die Ausstellung „Palma, ciudad de cines“ mit Originalplakaten, alten Projektoren und einem Kurzfilm über das Verschwinden der Kinos.

Palmas Kinogeschichte in La Misericòrdia: Ein Stück Stadtgeschichte zum Ansehen

Wer in diesen Tagen durch Palma spaziert und eine kleine Pause vom Stimmengewirr der Straßen, vom Klappern der Busse und vom Duft frisch gebrühten Kaffees braucht, findet im Kulturzentrum La Misericòrdia eine überraschend warme Zeitreise. Die Ausstellung „Palma, ciudad de cines“ öffnet Türen zu einer Epoche, in der Kinos Säle voller Stimmen, Flüstern und aufgeregtem Popcornknistern waren.

Die Schau versammelt Fundstücke aus verschiedenen Jahrzehnten: fünf Plakate aus dem einstigen Kino Metropolitan stehen neben alten Projektoren, gedruckten Programmheften und weiteren Objekten, die man aus Filmarchiven kennt, hier aber mit Fingerspitzen nah an der Wirklichkeit. Diese Gegenstände erzählen nicht nur von Filmen, sondern von Abenden mit Freunden, von Schulvorstellungen und von Stadtteilen, die ihren Treffpunkt verloren haben.

Begleitend zur Ausstellung läuft ein kurzer Dokumentarfilm in Dauerschleife. Er setzt keine langen akademischen Texte dagegen, sondern lässt Räume, Stimmen und Bilder für sich sprechen: Wie veränderte sich Palma, als die Kinos schlossen? Was blieb von den architektonischen Kleinoden? Der Film ist sachlich, dabei oft leise sentimental — genau die richtige Mischung, um Erinnerung nicht zu überfrachten, sondern zugänglich zu machen.

Bei der Eröffnung war das Kulturzentrum gut besucht. Besuchende blieben stehen, zeigten einander Details auf den Plakaten, lachten über längst vergessene Programmtexte oder fielen für einen Moment in stille Betrachtung. So eine Szene passiert oft in Palma: Menschen, die unterwegs sind, bleiben am Rande einer Ausstellung stehen und finden plötzlich Gesprächsstoff, Geschichten und Verbindungen zur eigenen Vergangenheit.

Warum das für Mallorca wichtig ist? Solche Ausstellungen erinnern daran, dass Stadtleben nicht nur aus touristischen Highlights besteht. Kinos waren soziale Treffpunkte, sie prägten Viertel, schufen kleine Ökonomien rund um Säle und Cafés. Indem wir diese Erinnerung pflegen, erkennen wir auch, welche Orte wir heute besonders schützen und fördern sollten — Räume, die Begegnung ermöglichen, Kultur zugänglich machen und Nachbarschaften Identität geben.

Praktisch: Die Ausstellung ist noch bis zum 11. April geöffnet. Wer planen will: Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden; danach lädt ein nahegelegenes Café zur Diskussion über die Lieblingsfilme der Familie ein. Ein Nachmittag hier kann also schnell zu einem intergenerationellen Ausflug werden — Großeltern bringen Anekdoten, Enkel sortieren Poster nach Farben.

Die Schau ist keine nostalgische Retro-Party, sie ist eher ein ermunternder Aufruf. Erinnern heißt nicht verharren. Die Ausstellung regt an, über neue Formen von Begegnungsorten in Palma nachzudenken: Pop-up-Kinoabende, Projektionen im Freien, gemeinschaftlich organisierte Filmreihen in kleineren Häusern. Das sind einfache Ideen, aber wenn man durch die Räume von La Misericòrdia geht, spürt man, dass gerade diese kleinen Initiativen eine große Wirkung entfalten können.

Wer die Ausstellung besucht, nimmt also nicht nur historische Objekte mit nach Hause, sondern auch die Vorstellung, dass Stadtleben wieder lebendiger werden kann — oft mit wenigen Mitteln und viel Gemeinschaftssinn. Ein kleines Stück Palmesischer Erinnerung, liebevoll arrangiert und leicht zu erreichen für alle Neugierigen.

Bildhinweis: Ausstellungsmaterial und Fotos wurden vom Consell de Mallorca zur Verfügung gestellt.

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