Palma als Städteziel: Erfolg und Warnsignal

Palma als Städteziel: Erfolg – und ein klares Warnsignal

Palma als Städteziel: Erfolg – und ein klares Warnsignal

Palma klettert im Ranking der spanischen Städtedestinationen nach oben: höhere Zimmerpreise sichern starke Erträge. Doch der starke Einbruch der Inlandsnachfrage und Probleme bei Mobilität werfen Fragen auf.

Palma als Städteziel: Erfolg – und ein klares Warnsignal

Leitfrage: Kann Palma die hohen Erlöse aus steigenden Zimmerpreisen behalten, ohne dass die Stadt darunter und ihre Bewohnerinnen leiden?

Was die Zahlen sagen

Die Bilanz für 2025 liest sich auf den ersten Blick gut: Der durchschnittliche Ertrag pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) lag bei 123,2 Euro, ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber 2024. Der durchschnittliche Zimmerpreis stieg um 9,8 Prozent auf 151,5 Euro. Gleichzeitig fiel die Auslastung leicht um zwei Prozent, die internationale Nachfrage legte um 1,3 Prozent zu, während der Inlandstourismus um 16,9 Prozent einbrach. Unter dem Strich blieb die Besucherzahl praktisch stabil (-0,2 Prozent).

Warum das kein reiner Grund zum Jubeln ist

Hohe Preise bedeuten mehr Einnahmen – aber nicht automatisch Vorzüge für die Stadt. Wenn Betreiber die Einnahmen primär über erhöhte Raten sichern, kann das zwei Effekte haben: Zum einen verschiebt sich das Publikum hin zu zahlungskräftigeren Kurzreisenden; zum anderen geraten lokale Gäste und Arbeitnehmerinnen ins Hintertreffen. Sichtbar wird das in Vierteln wie dem Passeig des Born oder rund um den Port, wo Cafés häufiger internationale Besucher bedienen und die Stammkundschaft seltener wird. Taxifahrer an der Estació Intermodal erzählen von Buchungen, die sich zunehmend auf kurze Flughafenfahrten für Gutbetuchte konzentrieren, statt auf tägliche Pendlerfahrten.

Wettbewerb und Struktur

Im nationalen Vergleich liegt Palma hinter Barcelona (RevPAR 143,1 Euro), San Sebastián (131,4 Euro) und Madrid (125,9 Euro). Exceltur bewertet Palmas Wettbewerbsfähigkeit mit 106,7 Punkten – über dem Landesdurchschnitt. Besonders gut schneidet die Stadt bei Governance und strategischem Management ab. Schwächen werden bei der Zugänglichkeit und innerstädtischen Mobilität gesehen, also genau dort, wo An- und Abreise sowie die Verteilung von Tourist:innen entscheidend sind.

Was im öffentlichen Diskurs oft fehlt

Die Debatte dreht sich zu sehr um Einnahmen und Ranglisten. Kaum wahrgenommen wird die Frage nach sozialer Durchlässigkeit: Ob Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie die steigenden Mieten noch tragen können. Oder wie die Verteilung der Gäste sich auf kleine Geschäfte und traditionelle Handwerksbetriebe auswirkt. Ebenso wenig wird offen über saisonale Schieflagen gesprochen: Wen zieht Palma in der Nebensaison an, wenn die Spitzenpreise fallen?

Eine Alltagsszene, die spricht

Am späten Vormittag der Plaça Major sitzt eine ältere Mallorquinerin mit Einkaufstasche vor ihrem Stammbäcker. Der Laden hat die Preise moderat erhöht, doch die Binnenkundschaft bleibt aus. Gleichzeitig macht eine Reisegruppe Fotos an der Kathedrale; ihr Reiseleiter erklärt die Geschichte, und die Gruppe zieht weiter. Dieses Nebeneinander – Einheimische, die fehlen, und Kurzbesucher, die kommen – beschreibt die neue Realität.

Konkrete Lösungsansätze

- Diversifizieren statt nur Preise anheben: Offene Pakete für Wochenenden in der Nebensaison, spezielle Angebote für Inlandsgäste und vergünstigte Kurzaufenthalte für Bewohnerinnen und Pendler könnten die Binnenbuchungen stabilisieren. - Mobilität verbessern: Häufigere Bus- und Nachtverbindungen, klarere Radwege vom Flughafen in die Innenstadt und eine bessere Taktung von Fähren würden die Zugänglichkeit stärken. - Transparente Daten, lokale Kontrolle: Eine städtische Beobachtungsstelle, die Belegung, Herkunft der Gäste und Preisentwicklung in Echtzeit sammelt, würde Entscheidungen fundierter ermöglichen. - Qualifizierung und Wohnraum: Programme für Mitarbeiterinnen im Tourismus zur Lohnentwicklung und flankierende Maßnahmen für bezahlbaren Wohnraum verhindern, dass das Personal wegzieht.

Kurzes, scharfes Fazit

Palma steht wirtschaftlich gut da – aber nicht ohne Spannungen. Die Einnahmen aus höheren Zimmerpreisen sind ein Trumpf, kein Freifahrtschein. Ohne Mut zur Steuerung von Mobilität, gezielte Angebote für den Binnenmarkt und Maßnahmen für die Menschen, die den Alltag der Stadt ausmachen, droht aus einem kurzfristigen Triumph eine längerfristige Schieflage. Wer an Palmas Stränden spaziert oder morgens durch die Carrer de Sant Miquel geht, sieht es an kleinen Dingen: Es sind nicht die Zahlen allein, die eine Stadt lebenswert machen.

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