Pierce Brosnan auf Mallorca: Der Star als Nachbar

Pierce Brosnan auf Mallorca: Ein Bond, der mit Straßenschuhen kommt

Pierce Brosnan auf Mallorca: Ein Bond, der mit Straßenschuhen kommt

Pierce Brosnan dreht in Sa Fortalesa, spaziert durch Palma und isst in Valldemossa – und wirkt dabei wie ein Nachbar, nicht wie ein Stern am Himmel.

Pierce Brosnan auf Mallorca: Ein Bond, der mit Straßenschuhen kommt

Wie ein Filmset die Insel und die Menschen kurzzeitig verändert

Wenn man an einem Januarvormittag am Passeig del Born entlanggeht, hört man das übliche Gemurmel von Cafés, das Klappern von Tassen und ab und zu ein entferntes Hupen aus der Via Roma. Letzte Woche mischte sich in dieses Geräuschbild ein neues Motiv: das leise Klacken von Kameratechnik und Stimmen auf Englisch – und irgendwann eine Figur, die man sofort erkennt. Pierce Brosnan, 72, unterwegs ohne Inszenierung, mit Jacke gegen den kühlen Ostwind und einem Lächeln, das hier niemand überrumpelt.

Die größeren Schlagzeilen drehen sich um Sa Fortalesa de Pollença: eine Festung auf einer Halbinsel im Norden, meterhohe Mauern, kaum einsehbar, seit Jahren in Privatbesitz. Dort steht momentan ein Produktionsteam, gedreht wird die zweite Staffel von MobLand, mit anderen Namen der internationalen Filmwelt. Sa Fortalesa bietet Sicht aufs Meer und absolute Ruhe – ideal für Sequenzen, die nicht gestört werden dürfen. Für die Insel bedeutet das: genaue Absperrungen, Security, Arbeitsplätze hinter den Kulissen und Neugier in den Dörfern rundherum.

Was überrascht: Brosnan wirkt außerhalb der Dreharbeiten nicht wie ein zurückgezogener Star. In Palma besuchte er die Kathedrale, hörte zu, ließ sich Details zeigen und trat nach der Besichtigung wie jeder andere Tourist wieder hinaus auf die Sonne am Platz. Danach ein Stopp in der Fundació Miró, interessiertes Nicken, kein Gehabe. Solche Szenen gehören zum Alltag hier, aber selten mit so einer bekannten Person.

Ein weiterer, sehr mallorquinischer Moment: Valldemossa. In dem kleinen Restaurant La Posada sitzt man eng, hört das Klirren von Besteck, den Wind durch die Bäume. Brosnan bestellte lokale Spezialitäten – Kroketten, Tintenfisch, Pa amb oli – und teilte nichts Weltbewegendes, nur Lachen mit dem Service. Als Dessert stand Crema Catalana auf dem Tisch; dazu ein Weißwein aus Binissalem. Keine Show, kein Auftritt, eher ein Mensch, der es genießt.

Und abends, im Born 8, trank er einen Cocktail namens “The Great Lebowski”. Das war kein Aufputz, eher ein Abschluss eines langen Tages. Solche kleinen Szenen zeigen etwas, das Mallorca gut tut: Prominenz, die nicht abhebt, sondern Teil des Ortes wird. Die Menschen an der Bar erzählen noch heute, wie normal sich alles anfühlte – und wie freundlich.

Warum ist das gut für die Insel? Filmproduktionen bringen Arbeit für Techniker, Catering, Location-Manager und Hotels. Sie rücken handwerkliche Berufe ins Blickfeld, die oft im Verborgenen bleiben. Außerdem wecken sie kulturelle Neugier: Touristen interessieren sich plötzlich für die Miró-Stiftung oder die stille Schönheit von Valldemossa abseits der Sonnenliegen. Ein bekanntes Gesicht, das sich höflich verhält, löst eher Austausch als Abschottung aus.

Alltagsbeobachtung: Auf dem Weg vom Zentrum nach Portixol hört man Möwen, manchmal den Geruch von gegrilltem Fisch aus einem der kleinen Strandlokale. Eine Filmcrew auf der Insel heißt aber nicht nur Absperrungen; es bedeutet auch Lieferwagen voller Technik, Stimmen, die auf Englisch und Spanisch durcheinander sprechen, und morgens mehr Menschen in kleinen Cafés. Das ändert die Routine, kann sie aber auch bereichern – wenn Produktion und Nachbarschaft respektvoll miteinander umgehen.

Mein Ausblick: Solche Besuche könnten öfter passieren, wenn Mallorca weiter als Ort für ernsthafte, international sichtbare Produktionen gilt. Wichtig ist, dass die Balance stimmt: Die Insel profitiert wirtschaftlich und kulturell, wenn die Dreharbeiten Rücksicht auf Landschaft, Bewohner und lokale Abläufe nehmen. Ein Promi, der in der Schlange für Eintrittskarten ansteht oder in einem kleinen Lokal Croquetas isst, ist eine Erinnerung daran, dass Inselalltag und große Kunst durchaus zusammenpassen.

Am liebsten bleibt die Erinnerung an jene Szene in Valldemossa: Brosnan mit einem Löffel Crema Catalana, das Licht schräg durch Olivenzweige, und die Kellnerin, die ihn wie jeden anderen bedient. Kein Red Carpet, kein Blitzlichtmeer – nur ein Mann, der sich Zeit nimmt. Und die Insel, die kurz den Atem anhält und dann weitermacht, reicher an einer kleinen Geschichte, die man gerne weitererzählt.

Für Dich gelesen, recherchiert und neu interpretiert: Quelle

Ähnliche Nachrichten