
„Unser Büro ist die Insel“: Wann Dreharbeiten zur Chance und wann zur Belastung für Mallorca werden
Julian Looman pendelt für Dreharbeiten oft monatelang nach Mallorca. Was nach Glamour klingt, ist für die Insel weit mehr: Jobs, Logistik und die Frage, wie realitätsnah Serien Mallorca zeigen sollten. Ein Blick hinter die Kulissen — mit konkreten Ideen, wie Filmproduktionen fairer und nachhaltiger mit dem Alltag der Insel umgehen können.
Wenn das Set am Meer liegt: Arbeit, Alltag und die Frage nach Verantwortung
Man tritt aus der Bar an Palmas Hafen, der Wind trägt Salz und Espresso-Duft, und irgendwo schreit eine Möwe — so beginnt für viele Drehs die Arbeitswoche. Julian Looman bringt das in ein Bild: „Unser Büro ist die Insel.“ Das klingt verführerisch, weil man sofort an Filmlicht und Strandspaziergänge denkt. Blickt man hinter die Kulissen, zeigt sich aber ein gemischtes Bild: Luxus-Locations und schroffe Nordküsten, Wochen mit 12-Stunden-Tagen, aber auch gewöhnliche Familienroutinen zwischen Aufnahmeset und Schulranzen.
Die Insel als Arbeitsplatz — nicht nur als Postkarte
Seit 2019 zieht Loomans Rolle als Kommissar immer wieder Produktionscrews nach Mallorca. Sechs bis sieben Monate am Stück zu drehen sei keine Seltenheit. Das bedeutet für die Insel nicht nur Scheinwerfer: Hotels, Catering, Location-Scouts, Handwerker, Fahrer und Sicherheitsdienste profitieren — oft über Monate hinweg. Es entstehen Einkommen, aber auch Anforderungen an Logistik und Infrastruktur: Straßensperrungen, Parkverbote in engen Ortskernen und zusätzliche Belastung für ohnehin volle Müllentsorgung oder Wasserressourcen. Informationen zu den Auswirkungen von Dreharbeiten finden sich auch in einem Artikel über Nachhaltigkeit bei Netflix-Drehs für Mallorca.
Zwischen Authentizität und Zuspitzung: Wie wird Mallorca gezeigt?
Looman sagt, die Serie bleibe fiktional, berühre aber reale Phänomene wie Partyszene oder Kriminalität. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann ehrliche Darstellung Debatten anstoßen und Probleme sichtbar machen. Andererseits prägt ein wiederholtes Bild vom Party-Magaluf oder der Villa des Millionärs das Image der Insel fernab der Leinwand. Die Frage bleibt: Spiegelt eine Kamera die Vielfalt Mallorcas — Dörfer mit jahrhundertealten Traditionen, Fischer, Wochenmärkte — oder reproduziert sie Stereotype, die den Alltag der Bewohner überdecken? Ein weiterer Aspekt ist, wenn man bedenkt, dass für viele Mallorquiner mehrere Jobs notwendig sind, wie auch in dem Artikel Warum Mallorcas Menschen oft mehrere Schichten schieben thematisiert wird.
Familie, Routine und der Alltag hinter dem Set
Abseits des Glamours lebt Looman in kleinen Wohnungen, kocht selbst, pendelt mit der Familie durch Europa. Das Bild eines Schauspielers, der sonntags mit seinen Kindern am Hafen von Portixol spaziert und dann montags wieder ein Mikrofon anlegt, zeigt eine Seite, die man selten in Pressefotos sieht: Dreharbeiten verändern Alltagsrhythmen, fordern Rücksichtnahmen von Schulen, Nachbarn und Gewerbe. Für viele Einheimische ist ein Set kein Event, sondern ein zusätzlicher Teil des Wochenplans. Digitalisierung hat zudem Einzug gehalten, was für einige Familien Mehrwert bringt, wie in dem Bericht über Workation auf Mallorca beschrieben wird.
Kritische Leitfrage: Wie kann Mallorca profitieren, ohne seine Alltagsqualität zu verlieren?
Die gute Nachricht: Produktionen bringen viel. Die schwierige: Sie bringen auch Konflikte. Was fehlt, sind oft verbindliche Regeln und lokale Beteiligung. Ich schlage drei konkrete Schritte vor, die sowohl Crews als auch Bewohner entlasten und Werte schaffen:
1. Lokale Beschäftigung priorisieren. Bei Casting, Handwerk und Catering sollten verbindliche Quoten für InsulanerInnen gelten. Das schafft Einkommen und Know-how auf der Insel.
2. Film-Liaisons in Gemeinden. Ein Ansprechpartner in jeder Gemeinde könnte Dreharbeiten koordinieren, Anwohner informieren und Ruhezeiten durchsetzen. Transparenz vermeidet Ärger und schafft Vertrauen.
3. Nachhaltigkeitsauflagen. Wasser- und Energieverbrauch, Müllmanagement und Verkehrskonzepte sollten Teil jeder Drehgenehmigung sein. Kleine Maßnahmen — Transportpools, umweltschonende Generatoren, Zeitfenster für Lieferungen — reduzieren Belastungen spürbar.
Loomans Satz „Es ist anstrengend, aber es ist auch schön“ fasst das Dilemma gut zusammen. Die Insel bietet Bilder, Geschichten und Arbeitsplätze. Die Herausforderung ist, diese Ressourcen so zu nutzen, dass BewohnerInnen nicht nur Kulisse, sondern Partnerinnen und Partner der Produktion sind — und dass der Klang der Möwen über Palma nicht bald übertönt wird von Generatoren, die niemand wirklich braucht.
Wer durch die Gassen von Santa Catalina schlendert oder an der Cala Formentor frühmorgens dem Fischerboot zuschaut, spürt: Mallorca ist mehr als eine Serie. Wenn Produktion und Insel fair zusammenarbeiten, kann daraus ein Gewinn für beide Seiten entstehen — mit Respekt vor dem Alltag und etwas weniger Scheinwerferlicht. Der Kunstraum und die Möglichkeit für Einwohner, Teil der Produktion zu sein, sind hierbei entscheidend, wie bei den aktuellen Filmcrew-Auditions in Camp de Mar zu sehen ist.
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