
Wenn die Aurora über Mallorca tanzt: So erleben Sie das Himmelsballett
Zwischen dem 20. und 29. Oktober gibt es erhöhte Chancen auf Polarlichter über Mallorca. Wo Sie am besten schauen, wie Sie sich anziehen und was Kamera und Augen brauchen — ein praktischer Guide für eine Nacht, die man nicht vergisst.
Wenn der Norden kurz Besuch ansagt
Man stellt sich das vor wie ein kleines Wunder: grün-rosa-violette Vorhänge, die über den mallorquinischen Himmel wehen. Zwischen dem 20. und 29. Oktober steigt die Sonnenaktivität etwas an – genug, dass die Aurora gelegentlich bis zu uns reicht. Solche Abende sind selten. Und genau deshalb lohnt es sich, vorbereitet zu sein: die richtige Stelle, die richtige Zeit und ein bisschen Geduld.
Warum die Lichter bis hierher kommen können
Kurz gefasst: die Sonne schleudert energiereiche Teilchen ins All. Treffen sie auf Sauerstoff und Stickstoff in unserer oberen Atmosphäre, entsteht Licht. Normalerweise spielt sich das Schauspiel weit nördlich ab, doch bei starken geomagnetischen Stürmen dehnt sich das Aurora‑Oval aus. Dann braucht es nur einen dunklen, klaren Nachthimmel – und Mallorca steht auf der Gästeliste.
Die besten Plätze auf der Insel
Helle Straßenlampen sind der natürliche Erzfeind jeder Himmelsbeobachtung. Suchen Sie ruhigere, dunkle Orte: die Kämme der Serra de Tramuntana, die Nordspitze beim Cap de Formentor, Aussichtspunkte bei Sóller oder den Puig de Galatzó. Letzterer hat keine Parkhäuser, nur Pinien, das Rauschen des Winds und gelegentlich einen Kauz – perfekte Zutaten. Der Mirador Es Colomer bietet zusätzlich Meergeräusche und freien Blick nach Norden. Kleine Parkplätze und enge Straßen? Besser vorher anreisen und respektvoll parken.
Wann rausgehen, wie sich kleiden
Gehen Sie nach 22:00 Uhr los; die Dunkelheit bietet dann meist die beste Sicht. Der Oktober macht abends frisch: warme Jacke, Mütze, Decke und feste Schuhe sind Pflicht. Packen Sie eine Thermoskanne mit heißem Getränk ein – ein bisschen so, als würde Paco um die Ecke seinen Kaffee holen, Hund Tim liegt brav zu seinen Füßen und die Sterne kommen langsam heraus. Augen brauchen etwa 20 Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen; verzichten Sie also auf weißes Licht. Eine Rotlicht‑Taschenlampe ist Gold wert.
Was Sie wahrscheinlich sehen und wie Sie fotografieren
Meist beginnt es als blasser, grünlicher Schleier. Wird der geomagnetische Sturm stärker, treten rosa oder violette Töne hinzu. Mit bloßem Auge wirkt das Ganze am authentischsten; Ferngläser bieten kaum Gewinn. Für Fotos: stabiles Stativ, offene Blende (kleine Blendenzahl), ISO zwischen 1600 und 3200 und Belichtungszeiten von 8 bis 20 Sekunden – je nach Intensität und Bewegung der Bänder. Moderne Handys können überraschen, sind aber oft verrauscht; testen Sie verschiedene Einstellungen und halten Sie Akkus warm, denn Kälte reduziert die Leistung schnell.
Worauf Sie vorab achten sollten
Prüfen Sie kurz vor dem Aufbruch einen Aurora‑Dienst und den lokalen Wetterbericht. Für Einsteiger gilt: Ein Kp‑Index ab 6 erhöht die Chancen deutlich. Wichtig ist eine freie Sichtrichtung nach Norden; ein Hügel hilft, aber am meisten zählt die Dunkelheit. Und: Respektieren Sie die Insel – kein Müll, keine Blockaden auf schmalen Wegen, leise sein. Wenn nur der Wind singt, ein entferntes Wellenrauschen und vielleicht das Bellen eines Hundes, hat die Nacht schon gewonnen. In solchen Momenten können auch schwache, flüsternde Bänder sichtbar werden.
Ein Abend, der bleibt
Ob nun die Aurora kommt oder nicht – der Ausflug lohnt sich allein wegen der Stille, der klaren Luft und einem Sternenhimmel, der im Oktober besonders tief wirkt. Packen Sie Decke und Thermoskanne ein, suchen Sie einen dunklen Mirador, und lassen Sie sich überraschen. Kommt das Himmelsballett, so ist das eine dieser Nächte, die man später gerne weitererzählt. Und wenn nicht: Palma wacht am nächsten Morgen wieder laut und warm auf – die Erinnerung an die ruhige Nacht aber bleibt. Weitere Informationen über die beeindruckenden Himmelsansichten finden Sie in unserem Artikel Ein Himmel wie ausgemalt: Mallorcas Abend in Farben.
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