Son Bonet: Stadtwald oder Solarpark? Proteste gegen Solaranlage in Marratxí

Son Bonet im Zwiespalt: Stadtwald oder Solarpark?

Rund 200 Anwohner protestierten in Son Bonet gegen Pläne, eine Solaranlage auf als öffentlichen Raum ausgewiesener Fläche zu errichten. Zwischen Flip‑Flops, Hunden und Kaffeeduft steht nun die Frage im Raum: Wie lässt sich Energiewende mit Schutz des städtischen Grünraums verbinden?

Son Bonet im Zwiespalt: Stadtwald oder Solarpark?

Am frühen Samstagnachmittag füllte sich die Wiese neben dem kleinen Flughafen Son Bonet mit Menschen, Stimmen und dem leisen Dröhnen gelegentlicher Propellermotoren. Etwa 200 Anwohnerinnen und Anwohner hatten Transparente aufgehängt: „Stadtwald statt Panels“, „Unser Grün, unsere Luft“. Es roch nach frisch gebrühtem Kaffee von einem Stand an der Ecke; Hunde liefen zwischen Menschenbeinen umher, ein Kind zeigte stolz ein handgemaltes Schild.

Die zentrale Frage: Wem gehört öffentlicher Raum?

Im Kern geht es nicht nur um Solarpaneele. Es geht um die Rechts- und Zweckbestimmung einer Parzelle, die der städtische Flächennutzungsplan als öffentlichen Raum ausweist. Genau dort, sagen die Protestierenden, will der Flughafenbetreiber eine großflächige Solaranlage errichten. Die Stimmung auf der Kundgebung war entschlossen, aber sachlich: Redebeiträge kamen von langjährigen Nachbarn, lokalen Gemeinderätinnen und engagierten jungen Leuten, die eine andere Vision für ihr Viertel entwerfen. Die Diskussion über den Schutz des Stadtgrüns bleibt wichtig, wie auch der Streit um 17 Ombubäume auf der Plaza Llorenç Villalonga, der zeigt, dass es auch in anderen Bereichen Widerstand gegen Rodungen gibt.

Die Leitfrage ist einfach formuliert und schwer zu beantworten: Muss die Energiewende auf Kosten von städtischem Grün gehen, oder gibt es praktikable Alternativen, die beides ermöglichen?

Was in der öffentlichen Debatte oft fehlt

Bei vielen Solarprojekten spielen Klima- und Energieargumente die Hauptrolle — das ist wichtig und richtig. Aber in Son Bonet drängen praktische und lokale Aspekte nach vorn: Wie verändert ein Solarpark das Mikroklima? Welche Wege und Zufahrten sind für Wartung nötig und bringen dann zusätzliches Verkehrsaufkommen? Wer profitiert wirtschaftlich von der Anlage — die Kommune, ein privater Betreiber, oder Dritte?

Wenig diskutiert wird außerdem die Frage der Bodenversiegelung. Großflächige Aufstellflächen bedeuten oft, dass natürlicher Boden abgedeckt wird. Das trifft in einer innerstädtischen Lage nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Erholungsqualität für Anwohnerinnen und Anwohner, was ähnlich wie der Alarm in Palma thematisiert wird, wo Nachbarn sich gegen Baumfällungen wehren.

Politik, Protest und die Rechtslage

Der Bürgermeister von Marratxí erschien demonstrativ bei der Versammlung und bekräftigte, dass alle Fraktionen vor den letzten Wahlen die Fläche als öffentliches Grün erhalten wollten. Das ist ein politischer Rückhalt für die Bewegung — doch politische Zusagen sind nicht automatisch rechtlich bindend. Entscheidend werden die laufenden Genehmigungsverfahren und der Vertrag zwischen Flughafenbetreiber, Stadt und möglichen Investoren sein.

Die Protestierenden fordern eine schriftliche Zusage aus dem Rathaus: keine Umwidmung. Parallel kündigten sie Petitionen und weitere Aktionen an. Formal scheint das Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen zu sein; dies gibt den Anwohnern Verhandlungsspielraum — und macht den Zeitpunkt der Auseinandersetzung besonders wichtig.

Konkrete Chancen und Lösungsansätze

Statt in Schwarz-Weiß zu denken, lohnt sich ein Blick auf kombinierte Lösungen: Was, wenn öffentliche Flächen bevorzugt für Parkanlagen, Spielplätze oder städtische Wälder reserviert werden — und Solaranlagen stärker auf Dächer, Parkhäuser und Randflächen ausgelagert werden? Die Insel hat viele geeignete Dächer und bereits versiegelte Flächen, die für Photovoltaik genutzt werden könnten.

Weitere Optionen: agrivoltaische Systeme, die Landwirtschaft und Energiegewinnung kombinieren, oder Bürgerenergieprojekte, bei denen lokale Genossenschaften Anteile an Anlagen halten. Solche Modelle bringen Einnahmen in die Gemeinde und stärken Akzeptanz, ähnlich wie in Diskussionen um Son Banya, wo die Balance zwischen Natur und Entwicklung ebenfalls ein Thema ist.

Ein weiterer praktischer Vorschlag wäre, Planung und Pflege so zu gestalten, dass Solarflächen mit Grünelementen kombiniert werden: Schatten spendende Hecken, Blühstreifen für Insekten und flexible Flächen, die in trockeneren Monaten als Erholungsraum nutzbar sind.

Das weniger sichtbare Problem: Wer trägt die Kosten?

Bei Diskussionen um erneuerbare Energie fällt selten offen aus, wer welche Kosten übernimmt — und wer die Gewinne einstreicht. Kommt ein privater Betreiber mit Pachtvertrag, fließt Geld in Unternehmensbilanzen. Ist die Kommune Betreiberin, bleiben Einnahmen vor Ort, aber auch Verantwortung für Wartung und Folgekosten.

Transparente Kosten‑Nutzen‑Rechnungen und ein Beteiligungsmodell für Anwohner könnten helfen, Vertrauen zu schaffen. Öffentliche Informationsabende, unabhängige Umweltgutachten und Bürgerforen wären konservativ, aber nötig.

Wie es weitergehen könnte

Die Nächsten Wochen werden zeigen, ob aus dem moralischen Rückenwind eine juristische Festigung wird. Die Anwohner planen weitere Aktionen; Unterschriftenlisten und Informationsstände sind angekündigt. Auf Verwaltungsebene werden Gespräche nötig sein: eine verbindliche Flächennutzungsentscheidung, klare Umweltauflagen und eventuell ein Alternativplan für dezentrale Solarprojekte.

Son Bonet ist ein kleines Stück Mallorca, aber die Debatte dort steht stellvertretend für eine größere Frage auf der Insel: Wie gestalten wir die Energiewende, ohne unsere städtischen Lebensqualitäten zu opfern? Die Antwort liegt nicht allein an der Wiese neben dem Flugplatz — sie liegt an Verhandlungstischen, in Planungsbüros und in den Händen der Bürgerinnen und Bürger, die darauf drängen, dass auch neue Projekte wie der Umbau von Luis Sitjar dem Gemeinwohl dienen.

Hinweis: Die Angaben zur Teilnehmendenzahl basieren auf Augenzeugenberichten der Versammlung; eine offizielle Stellungnahme des Flughafenbetreibers lag zum Zeitpunkt der Veranstaltung nicht vor.

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