
Danke, Mama. Danke Papa. Danke Fiskus? Was die Schenkungsbefreiung auf Mallorca wirklich bringt
Danke, Mama. Danke Papa. Danke Fiskus? Was die Schenkungsbefreiung auf Mallorca wirklich bringt
Die Abschaffung der Schenkungssteuer auf den Balearen hat 5.089 Empfänger entlastet – 94,39 Millionen Euro blieben im Familienkreis. Ein Reality-Check: Wer profitiert, wer zahlt den Preis?
Danke, Mama. Danke Papa. Danke Fiskus? Was die Schenkungsbefreiung auf Mallorca wirklich bringt
Leitfrage: Entlastet die Abschaffung der Schenkungssteuer auf den Balearen vor allem Familien oder öffnet sie Türen für neue Schlupflöcher und Ungleichheiten?
Seit dem 25. Juli 2025 gilt auf den Balearen keine Schenkungssteuer mehr für Geldübertragungen zwischen direkten Angehörigen. Im ersten vollen Jahr nach der Reform blieben nach offiziellen Angaben exakt 5.089 Empfänger von der Steuer verschont – das Finanzamt verzichtete auf rund 94,39 Millionen Euro. Hochgerechnet bedeutet das eine durchschnittliche Ersparnis von etwa 18.550 Euro pro Person. Für 392 Fälle, in denen Geldgeschenke zum Erwerb der ersten Immobilie dienten, summiert sich die Ersparnis auf gut 7,19 Millionen Euro, durchschnittlich rund 18.341 Euro pro Begünstigtem.
Die Zahlen klingen wie ein Geschenk an die Mittelschicht. Doch wer einmal morgens durch die Carrer de Sant Miquel schlendert, die Lieferwagen am Passeig Mallorca hupen hört und Familien vor dem Notar in Plaça d'Espanya beobachtet, ahnt: Die Sache ist nicht nur schwarz auf weiß. Vor der Reform waren viele Geldflüsse formal als Privatdarlehen verpackt, nur um die siebenprozentige Steuer zu umgehen. Die neue Regel schafft Rechtssicherheit für solche Übertragungen – ein Plus für Familien, die ihren Kindern plötzlich offen helfen können, ohne juristische Basteleien.
Der Blick muss aber breiter sein. Die Abschaffung fiel zusammen mit starken Entlastungen bei der Erbschaftssteuer in direkter Linie. Zusammen profitierten fast 6.000 junge Menschen von den Erleichterungen; die Gesamtersparnis überstieg die Marke von 100 Millionen Euro. Das klingt nach massiver Entlastung – doch wer profitiert am meisten? Die offiziellen Durchschnittswerte verschleiern die Verteilung: Ein großzügiger Immobilienbesitzer, der mehreren Kindern erhebliche Beträge überträgt, erzielt weitaus größere Effekte als eine Familie mit kleinem Ersparnis.
Ein zweiter Punkt: Nicht-Residenten können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls von den Befreiungen profitieren, wenn das betreffende Vermögen auf den Inseln liegt (Immobilie oder Konto). Das öffnet Möglichkeiten, aber auch Fragen: In vielen Herkunftsländern gelten eigene Freibeträge und Steuerpflichten; die heimische Steuerbehörde kann also nacherheben. Bei Immobilienübertragungen fällt zudem für den Schenkenden die kommunale Wertzuwachssteuer („Plusvalía”) an; auf staatlicher Ebene wird – falls ein Verkauf als spekulativ gilt – auf den Gewinn eine Steuer von 19 Prozent fällig. Auf dem Papier ist die Schenkung steuerfrei, in der Praxis entstehen also oft andere Belastungen. Für Hinweise zu grenzüberschreitenden Steuerfolgen lohnt sich ein Blick auf die Seiten der spanischen Steuerbehörde ebenso wie auf Informationen der Regierung der Balearen.
Was fehlt in der öffentlichen Debatte? Erstens eine ehrliche Rechnung für Kommunen: Wenn jährlich Dutzende Millionen an Einnahmen wegfallen, woher sollen Städte die Personalkosten in Ämtern oder Investitionen in Schulen finanzieren? Zweitens eine Prüfung, ob die Maßnahme die Immobilienpreise indirekt beeinflusst, weil Familien leichter Startkapital liefern können. Drittens Transparenz: Es gibt kaum belastbare Daten darüber, wie viele extrem hohe Schenkungen darunter sind.
Alltagsbild: Auf dem Wochenmarkt von Santa Catalina zahlt ein älterer Herr bar seine Orangen, redet über die Enkel, die gerade ihre erste Wohnung beziehen. Solche Szenen erklären den politischen Druck. Familien wollen unbürokratische Hilfe – und das ist nachvollziehbar. Aber Solidarität unter Verwandten darf nicht automatisch zum Steuerparadies werden.
Konkrete Vorschläge: 1) Meldepflichten mit Staffelung: Schenkungen über bestimmten Schwellen sollten transparent erfasst werden, ohne die kleinen, alltäglichen Hilfen zu belasten. 2) Gezielte Freibeträge für Ersterwerbender statt pauschaler Nullregelung könnten Einkommensungleichheiten abmildern. 3) Bei Immobilienübertragungen sollten Kommunal- und Staatssteuern (Plusvalía, Spekulationssteuer) reformiert werden, damit klare und faire Regeln gelten. 4) Für Nicht-Residenten: verpflichtende Info-Blätter über mögliche Steuerfolgen in der Heimat, damit keine bösen Überraschungen folgen. 5) Begleitstudie: Die Regierung sollte die Verteilungswirkung nach sechs und zwölf Monaten ausweisen.
Fazit: Die Abschaffung der Schenkungssteuer hat vielen Mallorquinern tatsächlich Geld gelassen und unzählige bürokratische Umwege überflüssig gemacht. Doch die Rechnung ist komplexer als die Schlagzeile „Steuer weg, Geld da“. Wer künftig unter den Platanen am Passeig sitzt und dem Gespräch über das Haus lauscht, merkt: Es geht nicht nur um Zuwendungen zwischen Eltern und Kindern, sondern um Fragen von Fairness, lokalem Gemeinwohl und rechtlicher Klarheit. Eine Reform, die schenkt, sollte auch erklären, wie die Gemeinschaft die Rechnung teilen soll.
Häufige Fragen
Gilt auf Mallorca bei Geldgeschenken an Kinder noch Schenkungssteuer?
Wie viel spart man auf Mallorca durch die neue Schenkungsregel ungefähr?
Kann ich auf Mallorca Geld von meinen Eltern für die erste Wohnung bekommen, ohne Schenkungssteuer zu zahlen?
Welche Steuern fallen bei einer Immobilienschenkung auf Mallorca trotzdem noch an?
Gilt die Schenkungssteuerbefreiung auf Mallorca auch für Nicht-Residenten?
Warum wird die Abschaffung der Schenkungssteuer auf Mallorca kritisiert?
Was müssen Familien auf Mallorca bei einer Geldschenkung rechtlich beachten?
Welche Städte auf Mallorca profitieren besonders von der neuen Schenkungssteuer-Regel?
Ähnliche Nachrichten
Kartoffeln, Indie und Wein: Mallorca feiert an diesem Wochenende
Live‑Musik in Palma, die Fira Nocturna de la Patata in Sa Pobla und ein kleines Weinfest in Pina – ein Wochenende, das D...

Meer vor Mallorca heizt sich auf: Fast sechs Grad in zwei Wochen – Wie gefährdet sind Küste und Alltag?
SOCIB-Messungen zeigen: Die Durchschnittstemperatur des Balearenmeers stieg binnen 15 Tagen um rund 5,7 °C. Eine Bestand...
Palma: Netzwerk für verbotene Taser und Schlagringe zerschlagen – ein Reality-Check
Nach Festnahme in El Vivero: Ermittler beschlagnahmten Tasernachbauten, Schlagringe, automatische Messer und große Menge...

Wenn der Pool mehr trinkt als die Stadt: Tourismus und Wasserstress auf Mallorca
Eine Studie zeigt: Urlauber verbrauchen auf den Balearen bis zu sechsmal mehr Wasser als Anwohner. Warum das Problem nic...

Abends in Sa Pobla: Die Fira Nocturna de la Patata lockt mit Pommes, Pizza und Kartoffel-Brownie
Wenn die Glocken der Plaza Major zum Abend rufen, duftet Sa Pobla nach Bratöl und frischen Kartoffeln. Die Fira Nocturna...
Mehr zum Entdecken
Entdecke weitere interessante Inhalte

Bootsfahrt mit BBQ entlang des Es Trenc Strandes

Privater Transfer vom Flughafen Mallorca (PMI) nach Pollensa
