Cap Pinar: Streit um Militär‑Erweiterung in Alcúdia – Alltag gegen Übungsfläche

Cap Pinar in Alcúdia: Streit um Militär‑Erweiterung trifft Alltag und Landschaft

Pläne des Verteidigungsministeriums, das Übungsgelände am nördlichen Cap Pinar um fast 145 Hektar zu vergrößern, sorgen in Alcúdia für Unruhe. Es geht um mehr als gesperrte Pfade – es geht um Lebensqualität, Landwirtschaft und Schutzräume an der Küste.

Wer darf noch spazieren, joggen und die Pinien riechen? Die Erweiterung am Cap Pinar bringt Fragen

Am nördlichen Zipfel von Alcúdia, dort wo der Wind oft nach Kiefernharz riecht und die Wellen leise an die Felsen klopfen, ist in den letzten Tagen die Stimmung merklich angespannter. Das Verteidigungsministerium hat Pläne vorgelegt, das bestehende Übungsgelände am Cap Pinar um knapp 145 Hektar auszuweiten. Die zentrale Frage lautet nicht nur: Braucht das Militär mehr Platz? Sondern: Auf wessen Kosten soll das gehen?

Mehr als Land auf dem Papier: Alltag und Nutzung werden tangiert

Die vorgeschlagene Erweiterung würde beliebte Fußwege, Zugänge zur Küste und Flächen, die von Landwirt*innen und Jäger*innen genutzt werden, in einen militärisch geprägten Raum rücken. Für die Morgengänger mit Hund, die Radausflügler und die Sonntags-Familien ist das ein greifbarer Einschnitt. Aus den Cafés am Hafen hört man Sätze wie: „Die Ruta gehört zu unserem Wochenende.“ Gleichzeitig sorgen sich Bauern um die Erreichbarkeit ihrer Felder und Olivenhaine. Das Rathaus von Alcúdia hat bereits Einspruch angekündigt – ein Signal, dass hier mehr auf dem Spiel steht als ein formaler Eingriff. Militärpläne am Cap Pinar: Droht Alcúdia ein Stück Alltag verloren zu gehen?

Was oft übersehen wird

In der öffentlichen Debatte fehlen bislang einige wichtige Aspekte. Erstens: Wasser und Boden. Die trockenen Hänge am Cap Pinar sind sensibel; neue Erschließungen können Erosion, veränderte Entwässerung und damit Probleme für benachbarte Felder bedeuten. Zweitens: Natur und Nachtruhe. Geräusche von Übungen, aber auch Licht und Frequenz von Flügen können Brutstätten und auch die Ruhe von Schnorchlern und Tauchern stören. Drittens: Rechtliche und historische Eigentumsfragen – manche Pfade sind alte Wege, die von Familien seit Generationen genutzt werden; ihre rechtliche Stellung ist oft komplizierter, als es auf Karten aussieht. Dazu kommen rechtliche Fragen, die oft über die einfache Wahrnehmung hinausgehen.

Konkrete Sorgen aus dem Dorf

Wer morgens um sieben mit dem Hund am Strand ist, fürchtet temporäre Sperrungen oder laute Übungen; wer Oliven erntet, sorgt sich um die Logistik. Ein Jäger, der lieber anonym bleibt, bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen Regeln, aber keinen Übergriff auf Lebensgrundlagen.“ Und in kleinen Kneipen am Hafen, zwischen Kaffeeduft und dem leisen Kreischen der Möwen, wird klar: Es geht auch um Identität – um Orte, an denen Familien picknicken oder Jugendliche erste Küstenausflüge machen. Alcúdia kauft kolonie Gatamoix: Natur, Kultur und Bildung für den Puig de Sant Martí

Wie man den Konflikt sinnvoll lösen könnte

Ein reines „Militär ja oder nein“ greift zu kurz. Besser wäre ein pragmatischer, transparenter Prozess mit konkreten Leitplanken:

- Umwelt- und Wassergutachten: Bevor Flächen umgewidmet werden, müssen Erosionsrisiken, Wasserverfügbarkeit und Biodiversität geprüft werden. Das schafft Fakten statt Spekulation.

- Zeitlich begrenzte Sperrungen: Übungen könnten außerhalb der Hauptsaison oder an klar definierten Tagen stattfinden, sodass Tourismus und lokale Freizeit geringfügig beeinträchtigt werden.

- Genaue Kartierung alter Wege: Historische Pfade sollten anerkannt und, falls nötig, umgeleitet, markiert und rechtlich geschützt werden.

- Lokaler Lenkungsausschuss: Ein Gremium mit Gemeinde, Bewohner*innen, Landwirt*innen, Naturschützer*innen und Militär könnte Einsätze planen, Transparenz sicherstellen und schnell auf Probleme reagieren.

- Kompensations- und Zugangsregelungen: Für betroffene Bauern oder Nutzer*innen könnten Ausgleichszahlungen und garantierte Zugangszeiten vereinbart werden. Alcúdia plant Entsalzungs-Ausbau: Wer zahlt, wer braucht das Wasser wirklich?

Besserer Dialog statt Amtsstuben-Entscheid

Formell läuft das Einspruchsverfahren – das bietet Zeit. Umweltgutachten, offene Karten und moderierte Gespräche wären jetzt sinnvoll. Zu oft enden solche Konflikte in langen Rechtsstreitigkeiten; hier wäre ein Modell mit klaren, praktisch erprobten Kompromissen sinnvoll: GPS‑basierte temporäre Sperrzonen statt dauerhafter Sperrflächen, lärmmindernde Übungsszenarien, und feste Informationskanäle für die Bevölkerung.

Wer am Cap Pinar lebt oder sonntags dort unterwegs ist, zeigt Verständnis für Sicherheitsinteressen. Aber die Stimmung ist klar: Das Freiluftleben, die kleinen Pfade, die Rastplätze unter den Pinien – das gehört zur Insel. Es ist an der Zeit, dass diese Stimmen nicht nur in Cafés und bei Bürgerversammlungen zählen, sondern in verbindlichen Vereinbarungen mit dem Militär.

Kurzfristig gilt: Bleiben Sie informiert über Bekanntmachungen der Gemeinde. Und wenn Sie eine Meinung haben: Melden Sie sich bei der nächsten Bürgerversammlung. Entscheidungen, die hier fallen, prägen den Alltag am Cap Pinar für Jahrzehnte.

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