Archivvideo zeigt Mallorca 1972: Wie der Tourismus die Insel veränderte

Archivvideo auf TikTok: Wie Mallorca die Deutschen für sich gewann – ein Blick zurück

Archivvideo auf TikTok: Wie Mallorca die Deutschen für sich gewann – ein Blick zurück

Ein kurz geteilter Film auf TikTok weckt Bilder vom Mallorca der frühen 1970er: volle Strände, Busladungen Reisender und Hotels, die die Insel veränderten. Warum uns das heute noch etwas angeht.

Archivvideo auf TikTok: Wie Mallorca die Deutschen für sich gewann – ein Blick zurück

Ein Found-Footage aus den 1970er-Jahren zeigt das erste große Ankommen

Auf einmal ist es wieder da: ein knapp zweiminütiger Film, der derzeit in Sozialen Netzwerken die Runde macht und uns auf eine Zeitreise an die Strände und Straßen der Insel mitnimmt. Ohne Schlagworte, ohne Filter – nur Körnung, Stimmen aus einem Off und Bilder von Menschen, Koffern und Bussen. Man sieht Flugzeuge, Busse am Flughafen Son Sant Joan und Menschen, die mit leichten Koffern und großen Erwartungen aussteigen.

Die Szenen wirken vertraut und doch fremd. Am Passeig Mallorca könnten einem die kleinen Details begegnen: ein Tippen von Gegenständen auf dem Asphalt, ein Verkäufer der laut ruft, das leise Klirren von Espressotassen im Café an der Ecke. Auf den Aufnahmen sind volle Strände zu sehen, Hotels mit Schildern in mehreren Sprachen und Gasthäuser, die offenbar den Geschmack von Besucherinnen und Besuchern aus dem Norden berücksichtigen. Das Bild ist kein romantisches Postkartenmotiv, sondern das einer Insel, die gerade beginnt, sich neu zu ordnen.

Was das Video zeigt, ist kein Vorwurf und keine Verkitschung, sondern ein Moment, in dem Mallorca sich in eine neue Rolle begibt: zu einem Ort, den Menschen aus ganz Europa regelmäßig ansteuern. Reisebusse bringen Gruppen zu Ausflugszielen, kleine Reisebüros arrangieren Touren, und an der Küste entstehen Einkommen und Konflikte zugleich. Man sieht die positiven Seiten – Arbeitsplätze, volle Terrassen, Begegnungen – und kann sich denken, dass das auch Herausforderungen nach sich zieht.

Für uns, die wir auf der Insel leben oder sie oft besuchen, ist das auf einigen Ebenen eine Art Lehrstück. Die Bilder erinnern daran, wie schnell sich das Gesicht eines Ortes ändern kann. In Palma riecht es heute noch nach Meer und Öl fürs Zweirad, aber die Stadt hat andere Sorgen: nachhaltiger Verkehr, bezahlbarer Wohnraum, Erhalt kleiner Läden. Die Archivbilder führen vor Augen, dass Entwicklungen nicht aus dem Nichts kommen, sondern Schritt für Schritt entstehen – oft begleitet von der alltäglichen Geräuschkulisse eines Flughafens, dem rasselnden Laut eines Busmotors, dem Gelächter auf einer Hotelterrasse.

Ein kleiner, fast banaler Gewinn: Nostalgie verbindet. Wer die Clips anschaut, bleibt nicht neutral. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner erinnern sich an damals und erzählen auf Plaça Major vielleicht Anekdoten, während junge Menschen online nachfragen, wie die Insel wirklich war. Das schafft Gespräch, manchmal ein Lächeln, manchmal Diskussionen – beides lebt Kultur.

Warum ist das gut für Mallorca? Weil Erinnerung handlungsfähig macht. Wer versteht, wie Tourismus begann und welche Folgen er hatte, kann heute informierter mitentscheiden. Das gilt für Politik und Wirtschaft, für Hoteliers und kleine Gewerbetreibende genauso wie für Anwohnerinnen und Anwohner an beliebten Stränden. Die Rückschau liefert Stoff für konkrete Ideen: gezieltere Besucherlenkung, Schutz bestimmter Küstenabschnitte, Förderung von lokalen Betrieben statt reiner Standardangebote.

Auf der Plaça de les Tortugues oder an der Playa de Palma sind die Herausforderungen anders als vor fünfzig Jahren, aber die Lektion bleibt: Veränderungen lassen sich begleiten, nicht nur erleiden. Ein Archivclip auf einer App mag nur Sekunden dauern, doch er löst Gespräche aus. Vielleicht ist das die stärkste Wirkung: die Lust, zu fragen, was wir erhalten wollen und was wir bereit sind neu zu denken.

Und am Ende bleibt eine kleine Alltagsszene, die nichts von Heldentum hat: ein Busfahrer, der auf dem Flughafen die Türen öffnet, ein Paar, das sich die Sonnencreme teilt, ein Cafébesitzer, der die ersten Tassen serviert. Solche Bilder sind es, die eine Insel formen. Wer aufmerksam hinschaut, kann aus der Vergangenheit etwas für die Zukunft mitnehmen – und sei es nur das Rezept für den perfekten Café con leche nach einem langen Flug.

Ausblick: Solche Fundstücke animieren dazu, Erinnerungen zu sammeln und lokale Initiativen zu unterstützen, die Geschichte und Alltag verbinden: Stadtführungen mit Zeitzeugen, Archivprojekte in Schulen oder kleine Ausstellungen in Gemeindehallen. Kein Retrospektiv-Kitsch, sondern praktische Erinnerungspflege – das ist ein Weg, aus einem kurzen Video echten Mehrwert für die Insel zu machen.

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