
Wandern um Lluc: still werden, tief durchatmen, weitergehen
Wandern um Lluc: still werden, tief durchatmen, weitergehen
Im winterlichen Tal von Lluc liegen Ruhe und Wege so nah beieinander, dass selbst kurze Touren wie kleine Wallfahrten wirken. Drei Strecken, die sich lohnen.
Wandern um Lluc: still werden, tief durchatmen, weitergehen
Kurze und längere Wege rund um den Wallfahrtsort, die im Winter besonders gut tun
Wer Palma hinter sich lässt und über die kurvige Straße nach Inca fährt, spürt schon auf den letzten Metern ins Tal eine andere Luft: feucht, balsamisch von Eicheln und Moos, manchmal trägt sie einen Hauch von Feuerholz. Am Parkplatz von Lluc bleibt das Motorengeräusch zurück; stattdessen hört man Glocken, Schritte auf altem Pflaster und das entfernte Rufen eines Hirtenhundes. Genau hier beginnt die beste Medizin gegen Jahresendroutinen: ein Paar feste Schuhe und ein offenes Herz.
Für Leute, die nicht den ganzen Tag unterwegs sein wollen, gibt es eine feine, gut gangbare Runde Richtung Coll Batalla. Der Pfad steigt moderat an, zeigt zerklüftete Felsen zwischen Kiefern und gibt nach gut einer Stunde zurückblickend den Blick frei auf den Wallfahrtskomplex mit seiner schwarzen Madonna. Besonders an klaren Wintertagen wirkt die Landschaft wie abgeschnitten vom Trubel der Küste; wer Glück hat, erlebt ein paar Sonnenstrahlen, die durch die Kiefern fallen und alles kurz warm machen.
Ebenfalls ab Lluc lässt sich eine etwa sieben Kilometer lange Schleife laufen, die an der Ruhezone Es Pixarells und an der kleinen, verwitterten Höhle „Sa Cometa des Morts” vorbeiführt. Hier wechselt der Untergrund zwischen Waldboden und schmalen, steinigen Stücken; man bewegt sich öfter über 500 Meter Höhe und passiert einen kleinen, steinbedeckten Hügel, den manche Einheimischen scherzhaft „Mysterienhügel” nennen. Die Strecke ist eine gute Mischung aus Spaziergang und bisschen Abenteuer – ideal, wenn man halb Tag und halb Seele unterwegs sein will.
Wer die Herausforderung sucht, peilt höhere Gipfel an: Puig Tomir (rund 1.103 Meter) im Nordosten, Puig Roig (etwa 1.003 Meter) im Nordwesten und vor allem die Massanella (ca. 1.364 Meter) lassen sich von Lluc aus erreichen. Diese Touren sind keine Samstagsspaziergänge mehr. Für den Aufstieg zur Massanella empfiehlt sich das Auto bis zum Coll de Batalla zu stellen und von dort auf markierten Wegen – unter anderem Abschnitte des GR 222 – aufzusteigen. Für eine vollständige Runde sollte man rund sieben Stunden und Trittsicherheit einplanen; die Aussicht oben rechtfertigt das Schwitzen: Serra de Tramuntana in Etagen, und wenn der Winter etwas üppiger war, sogar weiße Kuppen.
Ein besonderer Ort für Leute, die auf Natureindrücke mit etwas Theatralik Wert legen, ist das so genannte „Auge Gottes”. Die Anfahrt erfolgt über die Ma-10 Richtung Pollença; beim Kilometer 14,2 nahe einer Finca lässt sich das Auto parken. Der Weg zum Puig de ses Moles (rund 703 Meter) führt durch abwechslungsreiches Gelände und endet bei einer höhlenartigen Öffnung mit einem Blick, der das Meer tief unten einschließt. Die Strecke ist etwa sieben bis acht Kilometer lang und wird mit fünf Stunden Gehzeit angegeben; Stellenweise ist es anspruchsvoll, aber wer oben steht, fühlt sich seltsam frei und ruhig zugleich.
Praktische Tipps: Im Winter sind die Hütten wie Son Amer (auf etwa 531 Metern) oft einsamer als sonst – eine gute Gelegenheit für eine Rast. Auf den kürzeren Runden reichen warme Schichten, Proviant und ausreichend Wasser; für die Gipfel braucht man festes Schuhwerk, etwas Kartenkenntnis oder eine GPX-Datei (bei spanischsprachigen Plattformen wie Wikiloc findet man viele Tracks unter dem Stichwort Lluc). Parkplätze am Lluc-Komplex und am Coll de Batalla sind die üblichen Ausgangspunkte, respektvoller Umgang mit der heiligen Stätte ist selbstverständlich: keine lauten Gruppen, kein Müll.
Warum das gut für Mallorca ist: Diese Routen verteilen Besucher in die weniger frequentierten Bergzonen und verlängern die Saison abseits der Strände. Pilgerzimmer und kleine Unterkünfte in der Umgebung profitieren, lokale Bodegas und Bars sehen im Winter Gäste an den Tischen – kleine Wirtschaftskreisläufe also, die von leisem Tourismus leben. Für uns Insulaner sind die Wege eine Erinnerung daran, dass Mallorca mehr ist als Promenade und Paella: dass es Orte gibt, an denen man bei jedem Schritt sofort runterfährt.
Wer das nächste Mal in Lluc aussteigt, macht am besten folgendes: erst die Kirche ansehen, kurz sitzen, dann los. Atmen. Gehen. Zurückkehren – und, wenn möglich, einen heißen Kaffee mit Einheimischen teilen. Kein großes Programm, nur gute Wege und das tun, was hier am besten gelingt: einfach sein.
Tags: Wandern, Lluc, Serra de Tramuntana, Pilgern
Häufige Fragen
Ist Wandern auf Mallorca im Winter gut möglich?
Kann man rund um Lluc auch kurze Wanderungen machen?
Wie schwer ist die Wanderung von Lluc zur Massanella?
Was sollte ich für eine Wanderung in der Serra de Tramuntana einpacken?
Wo kann man am Wallfahrtsort Lluc parken, wenn man wandern will?
Gibt es auf Mallorca eine schöne, eher ruhige Wanderung mit Aussicht auf das Meer?
Ist die Wanderung um Lluc auch für gemütliche Wanderer geeignet?
Was macht Wandern in Lluc auf Mallorca so besonders?
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