
Nächtliche Pilgerreise: „Lluc a Peu“ verbindet Mallorcas Gemeinden
Tausende Pilger ziehen wieder nachts von Palma zum Kloster Lluc. Gemeinschaft, Ausdauer und kurze Straßensperrungen prägen die Tradition – Tipps für Zuschauer und Autofahrer.
Eine nächtliche Tradition, die nachklingt
Wenn die Uhr in Palma 23:00 Uhr anzeigt und die Plaza Güell in sanftem Laternenlicht leuchtet, ist ein kleines Wunder der Insel unterwegs: der Pilgerlauf „Lluc a Peu“. Mit Stirnlampen, Taschenlampen und manchmal nur dem Schein ihres Handys machen sich Menschen aller Altersgruppen auf den Weg. Kinder mit roten Mützen, Rentner mit fest geschnürten Wanderschuhen, junge Läufer im Takt des eigenen Atems – die Straße wird zu einem Stück gelebter Gemeinschaft.
Die Route: Mehr als nur Kilometer
Die bekannte Strecke führt über Santa Maria, durch die Weinorte Binissalem, vorbei an Caimari bis hinauf zum Kloster Lluc. Manche starten noch früher in Inca oder aus kleineren Dörfern entlang der Route. Auf den Landstraßen mischen sich das leise Knirschen von Steinen, das Zirpen der Grillen und ab und zu ein freundliches „Ànims!“ von Dorfbewohnern, die Tee, Wasser oder ein aufmunterndes Wort reichen. Es sind die kleinen Gesten, die den Lauf besonders machen.
Praktisches für Teilnehmer und Anwohner
Kurzentschlossene können sich noch heute ab 16:30 Uhr an der Plaza Güell anmelden. Für Autofahrer heißt das aber: Geduld. Besonders die Ma-20 und Ma-13 sind zeitweise betroffen, wie in der Nachtwallfahrt nach Lluc beschrieben. Polizeibeamte und freiwillige Helfer regeln den Verkehr. Ein Tipp an die Zuschauer: Sucht euch einen sicheren Platz, bringt eine Decke und etwas zu trinken mit, und denkt an Reflektoren – Mallorcas Straßenlaternen haben an dieser Nacht nämlich Nachtschicht.
Eine lange Nacht, ein stilles Ziel
Für viele ist „Lluc a Peu“ eine Ausdauertrophäe. Einige sind bis zu zwölf Stunden unterwegs; die Ersten werden gegen 6:00 Uhr morgens am Kloster erwartet. Dort, zwischen Pinien und kühler Bergluft, herrscht eine andere Stimmung: Ruhe statt Trubel, Kerzen statt Scheinwerfer, ein gemeinsames Durchatmen nach der Anstrengung. Das Kloster empfängt die Ankommenden mit offener Tür – für viele ein stiller spiritueller Höhepunkt, für andere schlicht ein Ort, an dem man die Beine ausruhen und den Sonnenaufgang über dem Tramuntana-Gebirge bewundern kann.
Mehr als ein Sportereignis
„Lluc a Peu“ ist nicht nur ein Lauf, es ist ein öffentliches Versprechen: Wir halten zusammen. Ob für eine Stunde am Straßenrand klatschend oder zwölf Stunden auf dem Asphalt wandernd – die Insel zeigt, wie Verbundenheit aussieht. Die Veranstaltung stärkt lokale Vereine, bringt flüchtige Begegnungen ins Leben und füllt frühmorgendliche Cafés in den Dörfern, die nach dem Lauf einfache Frühstücke servieren, davon erzählen auch die Pilgermärsche und ihre Auswirkungen.
Ein kleiner, unvermeidlicher Nebenaspekt sind die logistischen Herausforderungen. Aber Mallorcas Ehrenamtliche sind routiniert: Streckenposten, Wasserstationen und die Zusammenarbeit mit Gemeinden sorgen für Sicherheit. Ein freundlicher Hinweis an alle: Respektiert Privatwege, nehmt euren Müll wieder mit und helft so, die Route auch für die kommenden Jahre attraktiv zu halten.
Blick nach vorn
Wer dieses Jahr nicht dabei sein konnte, sollte sich das Ereignis für nächstes Mal vormerken. Der Lauf ist eine Einladung: an Sportlerinnen und Spaziergänger, an Familien und Nachbarn, an Zuagroaste und Inselkinder. Lluc a Peu zeigt, wie schön gemeinschaftliche Tradition sein kann – lautlos, mit Sternenhimmel über den Hügeln und dem beruhigenden Geräusch vieler Schritte, die in dieselbe Richtung gehen.
Weitere Infos zu Startzeiten, Anmeldung und Straßensperrungen gibt es bei den Ortspolizeien und den lokalen Veranstaltern – oder einfach morgen früh bei einem Café in Caimari nachfragen, wenn die letzten Teilnehmer ankommen, vielleicht auch Informationen zur Nachtpilger und Motorradrundfahrt erfragen.
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