Ausländische Käufer in Palma: Deutsche, Schweden und die Folgen für die Stadt

Wer kauft Palma leer? Deutsche, Schweden und die Viertel im Wandel

Wer kauft Palma leer? Deutsche, Schweden und die Viertel im Wandel

Zwischen Dezember 2024 und November 2025 zeichnet das Statistikportal der Notarkammer ein klares Bild: Ausländische Investoren prägen bestimmte Viertel Palmas. Was bedeutet das für Bewohner und Mieter?

Wer kauft Palma leer? Deutsche, Schweden und die Viertel im Wandel

Leitfrage: Verdrängen Investitionen von Kaufinteressenten aus Deutschland und Schweden die einheimische Nachfrage in Palma – und welche Folgen hat das für Mieter, Nachbarschaften und das Stadtbild?

Was die Zahlen sagen

Die Statistik der Notarkammer für den Zeitraum Dezember 2024 bis November 2025 zeigt: Unter den ausländischen Käuferinnen und Käufern nehmen Deutsche den größten Anteil ein. Konkret entfallen rund 31,8 Prozent aller Käufe, die von Nichtspaniern getätigt wurden, auf deutsche Interessenten. Insgesamt stammen fast 30 Prozent aller abgeschlossenen Kaufverträge in Palma aus dem Ausland.

In manchen Postleitzahlzonen wird der Markt von Käufen aus dem Ausland dominiert. Am auffälligsten ist die Gegend um die Avinguda Jaume III: hier machen Nichtspanier etwa sechs von zehn Käufen aus. Auch Strandabschnitte wie Can Pastilla und Playa de Palma weisen hohe Anteile ausländischer Käufer auf.

Welche Viertel steigen – welche fallen

Die Preisdynamik ist ungleich verteilt. In Vierteln wie Santa Catalina, Son Rapinya und Son Vida kletterten die Quadratmeterpreise um mehr als ein Drittel. Das historische Zentrum führt die Liste der teuersten Quadratmeter an: rund 6.102 Euro pro Quadratmeter sind dort derzeit verzeichnet. Gleichzeitig gab es Rückgänge: Im Bereich Sindicat lagen die Preise im genannten Zeitraum deutlich niedriger (rund -15,6 Prozent), und in Nou Llevant, El Molinar und Portitxol sanken die Werte um etwa sieben Prozent.

Kritische Analyse

Die reine Zahl der Käufe sagt nichts über die Nutzung: Wird eine Immobilie als Erstwohnsitz genutzt, als Zweitwohnsitz, als langfristig vermietetes Apartment oder als reine Ferienwohnung? Die Notardaten unterscheiden nach ansässigen und nicht ansässigen Käufern, das hilft, ist aber nicht vollständig. Deshalb bleiben Fragen offen: Wie viele der Verkäufe führen zu Wohnungen, die dauerhaft dem Markt für Langzeitmieter entzogen werden? Wie viele Objekte stehen leer und werden nur zeitweise genutzt?

Ein weiterer Punkt: Preissteigerungen in Straßen mit guter Ausstattung und zentraler Lage schlagen direkt auf die Nachbarschaft durch. Wer in Palma täglich unterwegs ist, merkt das an veränderten Schaufenstern, mehr Maklerbüros und an Cafés, wo immer öfter Schwedisch oder Deutsch zu hören ist. Diese Veränderungen sind nicht abstrakt – sie verändern, wo Menschen einkaufen, wo Kinder in Kita-Plätzen einen Platz finden und wie laut eine Straße am Abend ist.

Was im öffentlichen Diskurs fehlt

Die Debatte dreht sich oft um Prozentzahlen und Schlagzeilen. Fehlende Bausteine sind hingegen konkrete Zahlen zur Nutzung der erworbenen Immobilien, Daten zur Dauer der Leerstände und Informationen darüber, in welchem Umfang Kaufinteressenten touristische Geschäftsmodelle verfolgen. Ebenso spärlich sind belastbare Angaben darüber, wie sich Kreditzusagen, lokale Steuerregelungen oder internationale Käuferprogramme auf die Nachfrage auswirken.

Eine Szene aus dem Alltag

Am frühen Vormittag in der Carrer de Sant Miquel: Lieferwagen parken, eine Frau mit Einkaufstüte bleibt stehen, ein Bauleiter diskutiert mit Handwerkern über ein neues Balkonprojekt, und aus einem Bistro klingt Cafégeschirr. Eine schwedischsprachige Gruppe schlendert Richtung Plaça Major, Filterkaffee in der Hand. Solche Momente zeigen, wie schnell sich Nachbarschaften mischen – und wie dünn die Grenze zwischen lebendiger Stadt und Verdrängung werden kann.

Konkrete Lösungsansätze

Städtische, regionalstaatliche und staatliche Ebenen müssen zusammenwirken. Vorschläge, die auf Mallorca praktikabel wären: bessere Transparenz bei Kaufzwecken (Daten zur Nutzung in anonymisierter Form veröffentlichen), eine gezielte Förderung von Erstkäufern aus der Region (Förderdarlehen, Zuschüsse oder Steuererleichterungen), eine progressive Steuer auf dauerhaft leerstehende Immobilien und strengere Kontrollen bei Umwandlungen von Wohnungen in touristische Einheiten.

Außerdem: kommunale Wohnungsfonds oder Community Land Trusts könnten Grundstücke und Neubauten für dauerhaft bezahlbares Wohnen sichern. Kann man Verkaufssteuern (ITP/IVA) so staffeln, dass häufige Wiederverkäufe oder Umwandlungen in Ferienwohnungen unattraktiver werden? Die Antwort ist technisch möglich, braucht aber politische Mehrheiten.

Was sofort denkbar ist

Die Stadtverwaltung von Palma kann kurzfristig prüfen, ob die Vergabe von Baugenehmigungen stärker an dauerhafte Wohnnutzung gebunden wird und ob Vermietungslizenzen konsequenter kontrolliert werden. Interkommunale Projekte zur Schaffung von Sozialwohnungen, finanziert aus Zuschlägen auf Immobilientransaktionen in Hotspots wie Jaume III, wären ein weiterer Hebel.

Fazit

Die Zahlen der Notarkammer zeigen ein klares Muster: Ausländische Käufer, allen voran Deutsche und Schweden, sind in vielen Teilen Palmas dominierend. Das allein ist kein Verbrechen, aber es verändert das Gefüge der Stadt – und zwar spürbar. Wer in Palma lebt, spürt die Folgen in Miete, Lärm und Angebot. Wer die Balance wiederherstellen will, braucht Daten, Regeln und schnelle, konkrete Maßnahmen. Sonst verlieren Straßenzüge nicht nur ihre Preise, sondern auch ihre Nachbarschaften.

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