
Wo ist mein Baum? Pere Garau markiert die Lücken im Stadtgrün
Pere Garau kämpft um Schatten: Anwohner markieren kahle Baumscheiben mit Pappbäumen, fordern Nachpflanzungen, Pflegepaten und verbindliche Regeln bei Straßenarbeiten.
Wo ist mein Baum? Pere Garau markiert die Lücken im Stadtgrün
Wenn man morgens mit einem Kaffee vom Markt die Calle Reyes Católicos entlangschlendert, ist es nicht nur die Hitze, die auffällt. Sondern das, was fehlt: Schatten. Schon auf den ersten Metern merkt man die kahlen Stellen — leere Baumscheiben, zubetonierte Löcher, freigelegte Wurzeln, an denen einst Bäume standen. Das Viertel riecht nach gebratenem Fisch, Autolack und Staub, die Stimmen der Händler hallen, doch der Grünanteil schrumpft.
Die Leitfrage, die sich jetzt alle stellen
Wer ist verantwortlich, wenn aus Alleen Lücken werden? Ist es das Ayuntamiento, das Bauunternehmer, die Lieferwagenfahrer oder die lange Reihe von kleinen Entscheidungen, die dazu führen, dass Setzlinge nie erwachsen werden? Pere Garau saludable, eine Gruppe engagierter Nachbarn, hat diese Frage zur öffentlichen gemacht. Sie haben Karten gezeichnet, Fotos gesammelt und statt vergessener Stümpfe kleine Pappbäume aufgestellt — sichtbar, ironisch und unbequem. Mehr zu den Herausforderungen von Stadtbäumen findet man in unserem Artikel über Alarm in Palma.
Mehr als nur ein ästhetisches Problem
Der Verlust von Stadtbäumen ist nicht nur ein Pflanzproblem, sondern ein Infrastrukturproblem. Mehr Schatten heißt niedrigere Temperaturen an Sommertagen, weniger Staub, weniger Lärm, mehr Treffpunkte im Freien. Eine Anwohnerin erzählt beim Marktstand, wie ihr morgens um acht der Asphalt schon die Hitze zurückwirft. Kinder, die zur Schule gehen, finden seltener einen schattigen Platz. Und Geschäftsleute sprechen von weniger Kunden auf heißen Straßen. Dies wird auch im Kontext der Auseinandersetzungen um die Ombubäume auf der Plaza Llorenç Villalonga thematisiert.
Was die Karte zeigt — und was selten debattiert wird
Die Karte von „Pere Garau saludable“ dokumentiert knapp 15 Jahre Veränderung: Straßenarbeiten, neue Einfahrten, Lieferzonen, aber auch lange Vernachlässigung. Wenig beachtet in der öffentlichen Debatte ist, dass viele Baumscheiben aus Bequemlichkeit oder wegen kurzfristiger logistischer Vorteile zubetoniert werden — oft ohne langfristige Genehmigung und ohne Ersatz. Dass Setzlinge verschwinden, liegt nicht nur an Vandalismus, sondern an fehlender Bewässerung, ungeeigneter Artenwahl und daran, dass Pflanzverpflichtungen bei Bauarbeiten nicht kontrolliert werden.
Konkrete Defizite vor Ort
In Pere Garau fehlen oft die Grundlagen: ausreichend tiefe Pflanzgruben, einfache Bewässerungsanschlüsse, schützende Einfassung gegen parkende Lieferwagen. Manche junge Bäume werden gepflanzt, ohne dass jemand den ersten Sommer gießend begleitet. Andere stehen an Stellen mit zu viel Tretverkehr oder werden durch provisorische Pflasterarbeiten eingeengt. Und immer wieder wird öffentlicher Raum einem pragmatischen Nutzen untergeordnet: Eine freie Baumscheibe ist schneller zur Ladezone umgewidmet als nachgepflanzt. Dies wird auch klar in dem Bericht über gefällte Kiefern.
Vorschläge aus der Nachbarschaft — praktikabel und konkret
Die Initiative bleibt nicht bei der Kritik stehen. Ihre Forderungen sind pragmatisch: eine verbindliche Nachpflanzungspflicht bei allen Straßenarbeiten, ein städtisches Baumregister mit Foto und Pflegeplan, sichtbare Sanktionen gegen illegale Betonierungen und die Einführung von Pflegepatenschaften, bei denen Nachbarn gemeinsam gießen und Schäden melden. Technische Vorschläge: permeable Beläge statt Beton, Tiefen- statt Flachgruben, mediterrane, widerstandsfähige Arten wie Steineiche (Quercus ilex), Johannisbrot (Ceratonia siliqua) oder robuste Oliven als erste Wahl entlang sonniger Passagen. Auch die Stadt Capdepera zeigt mit ihrem Plan zur Auffrischung seines Baumbestands, wie solche Initiativen umgesetzt werden können.
Warum das nachhaltiger ist als Symbolpflanzungen
Pflanzen alleine genügen nicht. Es braucht Betreuungskonzepte, Budget für regelmäßiges Nachpflanzen und klare Zuständigkeiten zwischen Ayuntamiento und Subunternehmern. Nur so verhindert man, dass nach einigen Jahren die Straße wieder kahl ist. Ein städtischer Baumplan, gekoppelt an Baugenehmigungen und Gelder für Pflege, könnte Lücken setzen, bevor sie entstehen.
Mitreden — und mitmachen
Wer sich einmischen will: „Pere Garau saludable“ trifft sich am 18. Oktober um 19:00 Uhr in der Markthalle. Themen sind konkrete Orte, Pflegepatenschaften und eine Liste mit Baumarten, die hier klarkommen. Bringt eine Wasserflasche mit — der Austausch könnte hitzig werden, und Schatten ist rar.
Fazit: Stadtbäume sind keine Zierde, sondern Teil der städtischen Infrastruktur. In Pere Garau zeigt sich, wie schnell diese Infrastruktur untergraben wird — nicht nur durch große Bauvorhaben, sondern durch eine Abfolge kleiner Entscheidungen. Die Karte der Pappbäume ist deshalb weniger Mahnung als Aufforderung: Handeln, bevor die Straße endgültig zu einer sonnendurchglühten Schlucht wird.
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