Mehrstöckige Wohnhäuser auf Mallorca vor blauem Himmel, Symbolbild für angespannten Wohnungsmarkt.

Zu wenige Wohnungen: Warum die Suche auf Mallorca auch 2026 weiter hart bleibt

Zu wenige Wohnungen: Warum die Suche auf Mallorca auch 2026 weiter hart bleibt

Trotz gedämpfter Dynamik steigen Preise weiter, Hunderttausende bleiben auf der Suche. Warum das Problem nicht nur Zahlen sind und welche Hebel es gibt.

Zu wenige Wohnungen: Warum die Suche auf Mallorca auch 2026 weiter hart bleibt

Leitfrage

Wie kann Mallorca verhindern, dass Tausende Bewohner Jahr für Jahr um ein Dach über dem Kopf kämpfen, während Miet- und Kaufpreise nicht fallen?

Kurzfassung der Lage

Auf der Insel suchen nach Einschätzung von Immobilienprofis weiterhin rund 55.000 Menschen ein Zuhause. Gleichzeitig laufen in diesem Jahr auf den Balearen mehr als 24.000 Mietverträge aus. Das Angebot ist knapp, und die Preise geben nicht nach: Kauf- und Mietpreise bewegen sich weiterhin nach oben, auch wenn das Tempo etwas abnimmt. Im Jahresvergleich zogen die Mieten 2025 laut veröffentlichter Zahlen um rund 8,5 Prozent an.

Kritische Analyse

Knappheit ist keine abstrakte Statistik, sie ist ein logistisches und politisches Problem. Auf der Nachfrageseite sitzen Pendler, junge Familien, Saisonarbeiter und Rentner gleichermaßen – alle mit unterschiedlichem Budget. Auf der Angebotsseite stehen leerstehende Ferienwohnungen, Wohnungen mit Kurzzeitvermietung, Renditeobjekte und ein relativ starres Neubauvolumen. Wenn Mietverträge auslaufen, sind Vermieter in einer starken Verhandlungsposition: Die Folge sind Nachfragen nach höheren Mieten und Verlagerung der Belastung auf Mieter, die kaum Alternative haben.

Was im öffentlichen Diskurs oft fehlt

Die Debatte konzentriert sich zu oft auf Schlagworte wie „Tourismus kontra Einheimische“. Klar ist: Kurzzeitvermietung spielt eine Rolle, doch noch relevanter ist die Kombination aus fehlenden verfügbaren Wohnungen, stagnierendem Neubau für den lokalen Bedarf und einer Regulierung, die Lücken lässt. Ein häufiger Ausfall in Diskussionen sind Zahlen zu Leerstand und tatsächlicher Umnutzungspotenz ial: Wie viele Ferienapartments stehen längerfristig leer? Wie viele Baugenehmigungen betreffen Weitervermietung statt sozialen Wohnungsbau? Solche Informationen fehlen öffentlich oder werden selten systematisch aufbereitet.

Alltagsszene

Am frühen Morgen in Palma, auf dem Passeig Marítim, fährt ein Lieferwagen vorbei, Bauarbeiter frühstücken vor einer Baustelle, auf deren Gerüst ein Banner prangt: „Projekt“. Nebenan steht eine ältere Dame, die am Schaufenster einer Immobilienagentur eine Zettelreihe mit „Se Alquila/Se Vende“-Notizen studiert. Sie winkt ab, die monatlichen Zahlen stimmen nicht mit ihrer Rente überein. Solche Szenen zwischen Portixol und dem Plaça Major sehen viele: Menschen, die Angebote vergleichen, während parallel neue Ferienapartments fertiggestellt werden.

Konkrete Lösungsansätze

1) Leerstands- und Vermietungsregister: Eine genaue Erfassung frei stehender Wohnungen und ihrer Nutzung (Langzeit, Kurzzeit, leer) schafft Basiswissen. Ohne Daten bleibt Politik Schätzen überlassen. 2) Anreize zur Umwandlung: Steuerliche Boni oder vereinfachte Genehmigungen für Eigentümer, die Ferienwohnungen dauerhaft dem lokalen Markt zuführen, könnten kurzfristig Angebot schaffen. 3) Sozialer Wohnungsbau und kommunale Bestände ausbauen: Gemeinden müssen schneller Flächen umwidmen und Vereinen oder Genossenschaften Zugänge ermöglichen. Öffentliche Gebäude mit geringer Nutzung könnten umgebaut werden. 4) Mieterschutz stärken: Bessere Beratung, Rechtsbeistand und begrenzte Indexierungen mindern plötzliche Verdrängung, wenn Verträge auslaufen. 5) Kurzzeitvermietung regulieren und kontrollieren: Nicht als pauschales Verbot, aber als aktive Steuerungsoption – mit Kontingenten in besonders betroffenen Zonen. 6) Förderprogramme für Zwischennutzungen: Leerstehende Gewerberäume und Hotels können temporär als Wohnraum dienen, bis dauerhafte Lösungen anstehen.

Warum es nicht nur Politik braucht

Private Investoren, Verbände, Nachbarschaftsinitiativen und Banken müssen mitziehen. Beispielsweise könnten regionale Banken spezielle Kredite für die Sanierung von Altbauten mit langfristiger Vermietungsverpflichtung anbieten. Maklerverbände können sich verpflichten, langfristige Angebote sichtbarer zu machen. Ohne Zusammenarbeit bleibt jede Maßnahme halbherzig.

Pointiertes Fazit

Die Zahlen – 55.000 Suchende, über 24.000 auslaufende Mietverträge, spürbare Mietsteigerungen im Jahr 2025 – beschreiben nur den Symptombereich. Um das Problem in den Griff zu bekommen, braucht Mallorca präzise Daten, kurzfristige Maßnahmen zur Schaffung von Wohnraum für Einheimische und langfristige Umsteuerung beim Wohnungsneubau und bei der Nutzung bestehender Bestände. Wer morgens am Passeig Marítim die Zettel in den Schaufenstern zählt, weiß: Es ist Zeit zu handeln, nicht zu diskutieren.

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