
Mehr Hai als Katze: 19 junge Großgefleckte Katzenhaie in die Freiheit entlassen
Mehr Hai als Katze: 19 junge Großgefleckte Katzenhaie in die Freiheit entlassen
Vor Mallorcas Küste sind 19 Jungtiere des Großgefleckten Katzenhais ausgewildert worden. Ein Zuchtprogramm will Bestände stabilisieren und Einheimische für Meeresschutz gewinnen.
Mehr Hai als Katze: 19 junge Großgefleckte Katzenhaie in die Freiheit entlassen
Ein Zuchtprogramm setzt auf Nachzucht, Forschung und lokale Partner
Am frühen Vormittag, als die Möwen über Port Adriano ihre Kreise zogen und das Wasser noch die Kühle der Nacht trug, schwammen 19 junge Katzenhaie zurück ins offene Meer. Die Tiere stammen aus kontrollierter Nachzucht und wurden in den vergangenen Tagen an einer Küstenstelle vor Mallorca ausgesetzt. Die Aktion ist Teil eines lokalen Artenschutzprojekts, das seit 2021 läuft.
Die freigelassenen Tiere gehören zur Art Scyliorhinus stellaris, dem Großgefleckten Katzenhai. Für Einheimische ist das eine der vertrauten Arten entlang der felsigen Küsten; taucher kennen die typischen Verstecke in Höhlen und Spalten. Katzenhaie werden selten größer als 1,60 Meter, sind nachtaktiv und für Menschen harmlos. Dennoch sind sie hierzulande gefährdet, vor allem durch unbeabsichtigten Beifang in der Fischerei.
Hinter der Aktion stehen zwei lokale Akteure, die in den vergangenen Jahren immer wieder zusammengearbeitet haben: eine Naturschutzorganisation mit Schwerpunkt Meeresschutz und eine Stiftung, die auch das Aquarium betreibt. Mit Unterstützung eines Tauchzentrums und des Yachthafens wurden die Jungtiere an ihre neue Umgebung gewöhnt und vorsichtig ins freie Wasser gelassen. Laut den Projektverantwortlichen wurden seit Projektstart 2021 bereits über 300 Jungtiere erfolgreich ausgesiedelt.
Was an der Aktion auffällt, ist die Mischung aus Praxis und Forschung: Die Tiere werden während der Anfangsphase wissenschaftlich begleitet, um ihr Verhalten nach der Auswilderung zu dokumentieren. Solche Daten helfen, künftige Aussetzungen besser zu planen und die Überlebenschancen zu erhöhen. Zudem ist die Maßnahme Teil einer breiteren Strategie, die Bestandsentwicklung im westlichen Mittelmeer zu stabilisieren.
Für Mallorca hat das mehrere positive Seiten. Gesunde Bestände von Meeresbewohnern sind kein abstrakter Wert, sie beeinflussen Fischbestände, das Ökosystem der Seegraswiesen und das Verhältnis der Menschen zum Meer. Wer am Passeig Mallorca frühmorgens einem Fischer begegnet, der über die Fangmengen spricht, erkennt schnell, dass langfristige Perspektiven auch wirtschaftlich wichtig sind. Ein sichtbares Schutzprojekt macht diesen Zusammenhang greifbar.
In der Nachbarschaft lässt sich bereits ein kleines Umdenken beobachten: Zwischen Cafés, wo die Lieferwagen anrollen, und dem Klang der Motorboote wird über nachhaltigere Fangmethoden gesprochen. Tauchschulen bemerken, dass Gäste sich für die Tierwelt vor der Insel interessieren; manchmal bleiben Beobachter am Bootsrumpf stehen und lauschen den Erklärungen der Guides. Solche Alltagsmomente sind wichtig, weil sie den Meeresschutz aus der Theorie in den Alltag holen.
Die Initiatoren betonen, dass Nachzucht und Auswilderung allein keine Wunder vollbringen. Es braucht weiter Aufmerksamkeit für Fangmethoden, Schutzräume und Forschung. Wer mit anpacken möchte, findet auf Mallorca mehrere Möglichkeiten: Freiwilligeneinsätze bei Strandreinigungen, Unterstützung lokaler Schutzgruppen oder Teilnahme an Vorträgen im Aquarium sind einfache Wege, sich einzubringen. Auch Taucher können Beobachtungen melden, die Wissenschaftlern helfen, Verbreitung und Verhalten besser zu verstehen.
Die 19 Jungtiere sind kein großes Spektakel, das Schlagzeilen füllt, sondern ein leiser Hoffnungsschritt. Wenn man an einem windstillen Abend am Meer steht, hört man eher das entfernte Surren eines Bootsmotors als einen Applaus. Trotzdem sind solche Aktionen spürbar: Sie bauen Netzwerke aus Forschung, lokaler Wirtschaft und engagierten Menschen. Und sie erinnern daran, dass Mallorca nicht nur Strand und Promenade ist, sondern ein Meer mit Bewohnern, die hier eine Zukunft brauchen.
Wenn die kleinen Katzenhaie in den kommenden Monaten nach festen Verstecken suchen und ihre ersten nächtlichen Streifzüge machen, werden Wissenschaftler und Ehrenamtliche ein Auge auf sie haben. Für die Insel bleibt die Botschaft einfach: Meeresschutz lässt sich Stück für Stück aufbauen, mit Geduld, lokalen Partnern und der Bereitschaft, das Meer wieder als Lebensraum zu sehen – nicht nur als Ressource.
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